|
Kursaufbau
Nach einer Einführung, in der Claus Riemann sein Verständnis von Astrologie definiert und grundlegende Themen behandelt, entführt er den Hörer auf eine Reise durch den
Tierkreis. Auf zwölf CD’s verdeutlicht er jedes Tierkreiszeichen in Bezug auf: Entsprechung im Naturgeschehen, Körperentsprechung, Mythen und Märchen, Vater-/Mutterbilder, Liebe und Beziehung, Heilung des inneren Kindes. Viele
Erfahrungen aus seiner langjährigen therapeutischen Praxis fließen ein. Im zweiten Teil des Kurses in psychologischer Astrologie behandelt Claus Riemann die Stellung der Gestirne in den Feldern des Horoskopes.
Einführung in die
Astrologie
Wenn du dich mit Astrologie beschäftigst, dann wird dir immer wieder eine Frage begegnen: Was sollen die Planeten, die so weit weg sind von
der Erde, mit uns Menschen zu tun haben?
Ich will versuchen, diesen Zusammenhang zu erklären, versuchen, eine Einführung in das astrologische Weltbild zu geben.
Das erste Wort, das hier interessant ist heißt “esoterisch” oder auch “Esoterik”. Wörtlich übersetzt heißt dieses Wort “nach innen gerichtet”,
man könnte auch sagen: Das innere Wesen der Dinge betreffend. “Exoterisch” dagegen heißt “nach außen gerichtet”. Das sind zwei verschiedene Sichtweisen unserer Wirklichkeit, die man am Beispiel von Sonne, Mond und den Planeten sehr schön
erklären kann.
Was sind denn Sonne, Mond und die Planeten, was ist das Wesen der Sonne, das Wesen des Mondes? Exoterisch gesehen sind die Planeten einfach
nur Himmelskörper. Ein Wissenschaftler sagte einmal triumphierend: “Früher glaubte man, die Sonne sei ein göttliches Wesen, heute wissen wir, dass sie nur ein glühender Gasball ist.”
Man kann sich an die alten Kulturen erinnern, in denen die Planeten mit Göttern und Göttinnen assoziiert wurden – sehr deutlich bei den alten
Griechen. Dort taucht unser Mars als der Kriegsgott Ares auf, Jupiter als Zeus, Venus als Aphrodite und so weiter. Jede dieser Planetengottheiten hatte einen bestimmten Zuständigkeitsbereich auf dem Olymp. Bei Sonne und Mond ist es
besonders deutlich. In fast allen Kulturen haben Sonne und Mond das Männliche und das Weibliche repräsentiert, sie wurden oft als himmlisches Liebespaar verstanden, dass sich einmal im Monat bei Neumond begegnet. Aus dieser Hochzeit wurde
ein Kind gezeugt, die kleine Mondsichel, die allmählich heranwächst.
In unseren aufgeklärten Ohren klingt das alles sehr naiv und vorwissenschaftlich, aber so funktioniert die esoterische Denkweise – hier sind
die Planeten nicht nur astronomische Himmelskörper. Die Sonne nur als glühenden Gasball zu betrachten, ist eine ziemlich verarmte Wirklichkeit. Esoterisch gesehen ist das Phänomen der “Planetengötter” interessant. Psychologisch ausgedrückt
könnte man die Götter mit den Archetypen gleichsetzen – mit den Urprinzipien. Die Planeten kann man also als Vertreter von verschiedenen Urbildern - Archetypen - verstehen.
Das beantwortet aber noch nicht die Frage, was diese Planeten(götter) mit uns zu tun haben sollen – dazu brauchen wir noch einen Grundpfeiler
des gesamten esoterischen, und damit auch astrologischen Denkens. Das ist der Satz: “Wie oben, so unten”.
Dieser Satz besagt, dass die Gesetze des Makrokosmos, des großen Kosmos, identisch sind mit denen des Mikrokosmos, des kleinen Kosmos.
Ein Atomphysiker hat einmal gesagt, dass man das Atom als ein Miniatur-Sonnensystem begreifen kann – dass es hier ganz verblüffende
Übereinstimmungen gibt. Den Atomkern könnte man als Miniatursonne begreifen und die Elektronen wären dann die kleinen Planeten des Atoms. Das ist: Wie oben, so unten.
Das Sonnensystem ist noch im kleinsten seiner Teile mit seinen Gesetzmäßigkeiten repräsentiert. Und unserer Sonnensystem ist ja
vergleichsweise auch nur ein Atom im unendlich – oder auch endlich - großen Universum. Aber das ganze Universum ist noch im kleinsten seiner Teile wiederzufinden.
Wenn dieser Gedankengang “Wie oben, so unten” stimmt, wenn selbst im kleinsten Teil noch das Universum zu finden ist, dann muss man diesen
Satz logischerweise auf alles Existierende anwenden können. Dann könnte man auch einen Stein als Mikrokosmos begreifen, die Pflanze, das Tier, und eben auch den Menschen.
Aus astrologischer Sicht betrachten wir den Menschen also als Mikrokosmos, als kleines Universum, nach dem Satz: Wie oben, so unten.
Wenn man diesen Satz anwendet, dann spielen Entfernungen keine Rolle mehr, dann ist es völlig egal, wie viele Millionen Kilometer die Venus
oder Mars von uns entfernt sind. Wir sind also nicht isoliert von dem, was da draußen oder da oben ist, sondern wir haben als Mikrokosmos Mensch Teil an diesen universellen Gesetzmäßigkeiten. Wenn Sonne und Planeten selbst im winzigen Atom
noch eine Entsprechung finden, dann sollten sie eigentlich auch im Menschen eine Entsprechung haben. Das ist der astrologische Grundgedanke.
Kommen wir nun zum Wichtigsten in der Astrologie, dem persönlichen Horoskop, auch Geburtshoroskop oder Radix genannt. Kennt man seinen
Geburtstag, die Geburtszeit und den Geburtsort, kann man ein Abbild des Himmels zur Zeit der Geburt erstellen. Früher wurde das mit Hilfe von Gestirnstandstabellen (sogenannten Ephemeriden) und viel Mathematik langwierig berechnet, heute
geht man lieber zu einem der vielen Computer, die spucken im Handumdrehen eine Grafik aus, das Geburtshoroskop.
Dort sieht man in der Mitte einen kleinen Kreis - die Erde - und außen einen großen Ring mit zwölf Symbolen, das ist der Tierkreis mit seinen
zwölf Zeichen. Irgendwo dazwischen die Symbole für Sonne, Mond und Planeten. Das Horoskop ist die Momentaufnahme des Himmels bei deiner Geburt, gesehen vom Geburtsort aus. Die Berechnung der Planetenstände erfolgt nach den Regeln der
Astronomie, Astrologie ist die Deutung dieser Planetenstände.
“Horoskop” heißt wörtlich übersetzt “Blick in die Stunde” – hier ist auch der Begriff der “Zeitqualität” sehr interessant, die Stimmung des
kosmischen Augenblicks zum Zeitpunkt deiner Geburt. Ein schöneres Wort für Horoskop wäre das Wort “Thema”. Die alten Griechen, die seinerzeit die ersten waren, die Horoskope für Individuen berechnet haben, nannten es damals “Thema” und
nicht “Horoskop”. Das schönste Wort, um die Bedeutung eines Horoskops für den einzelnen auszudrücken ist für mich: “Lebensthema”.
In diesem Zusammenhang könnte man auch – wie die Inder das zum Beispiel tun – den Gedanken der Reinkarnation erwähnen. Die Inder sagen, dass
ein Mensch nur zu dem Zeitpunkt geboren werden kann, an dem die Stimmung des kosmischen Augenblicks dem Entwicklungsstand seiner Seele entspricht. Das ist naheliegend, aber um sich mit Astrologie zu beschäftigen kann man auch ohne den
Gedanken an Reinkarnation auskommen. Für mich ist das interessant, aber es muss nicht für jeden so sein.
Das Lebensthema – das Geburtshoroskop – hat immer die selben Bausteine: Die Konstellationen von Sonne, Mond und Planeten. Aber: Die
Konstellation die ein Mensch zur zeit seiner Geburt hat, die kann sich in Jahrmillionen nicht wiederholen – aus astronomischen Gründen. Insofern hat jedes Horoskop einen ganz einmaligen, individuellen Charakter – mit der Ausnahme, wenn
zwei Menschen zum selben Zeitpunkt am selben Ort geboren werden, sogenannte astrologische Zwillinge. Diese haben das gleiche Lebensthema, wie immer sie es auch verwirklichen. Alle Atome sind nach dem gleichen Muster aufgebaut, aber kein
Atom gleicht dem anderen auf’s Haar.
|