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Fische
19.2. - 20.3.
  CD-Inhaltsangabe und Hörproben

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Fische-Märchen:
Das Mädchen ohne Hände

Seehundfell, Seelenhaut
 

 
CD, € 14.90
 

Claus Riemann über das Tierkreiszeichen Fische:

Fische ist vom Jahreszeitenzyklus der letzte Monat – das astrologische Jahr beginnt ja mit dem Eintritt der Sonne ins Zeichen Widder, Frühlingsanfang – und Widder, der rücksichtslose Held, ist ja eigentlich der absolute Gegenpol zu Fische. Allein schon, weil Fische das rücksichtsvollste der zwölf Zeichen ist. Es ist ja der letzte Jahresmonat und man hat damit elf Monate – elf Seelenlandschaften – durchwandert, die man insofern alle rückblickend verstehen und einfühlen kann. Der Kreis schließt sich wieder und nicht zufällig gehört zu Fische das Symbol des Ozeans, es geht hier in sehr tiefem Sinne um Rückkehr zum Ursprung.

Das könnte man vielleicht am Motiv der Geburt beleuchten. Aus der Widder-Sichtweise ist geboren werden der Sieg des Lichten über die Finsternis. Du hast den Kampf gewonnen. Du hast dich durch den dunklen Tunnel des Geburtskanals gearbeitet, du hast es geschafft. Auf der Fische-Ebene ist geboren werden die Quelle allen Leides. Denn im Mutterleib, da warst du noch eins mit der Mutter, da war ozeanisches Erleben, da war Symbiose. Und in dem Moment, wenn du den Mutterbauch verlässt, abgenabelt wirst, da wird dir schmerzlich bewusst, dass du einsam und getrennt bist, gefangen in deinem “Körpergefängnis”. Viele, die über Geburt und Tod geforscht haben, haben unisono gesagt, dass geboren werden die Hölle ist – manchmal verwendet man ja auch den Begriff “Geburtstrauma” – und dass Sterben im Gegensatz dazu heimkommen bedeuten kann. Menschen, die schon einmal in der anderen Welt waren, die sind in der Regel überhaupt nicht gerne zurück gekommen.

Insofern kommst du als Fische-Geborener mit diesem Urschmerz und dieser Ursehnsucht auf die Welt – der Schmerz über die Tatsache überhaupt geboren und damit getrennt zu sein und aus diesem Schmerz heraus, aus diesem Leid heraus – das keinen Namen hat – wirst du einen ganz tiefen Draht haben zu allen Leidenden der Erde. Zu allen Menschen, die Ausgestoßene sind wie du. Das Bild des ewigen Juden taucht hier auf, Randgruppen in jeder Form. Da wirst du aufgrund des eigenen Lebensgefühls eine ganz starke Bezogenheit empfinden. Da ist das kollektive Leid, das Leid der Welt ein Thema. Der Menschheit ganzer Jammer fasst dich an. Und du kannst nicht einfach wie im wassermännischen Sinne sagen: Das geht mich nichts an, jeder Mensch hat sein Leben. Sondern hier bist du als Salzkorn im Wasser seelisch mit allem verbunden was existiert und du kannst aus dieser Haltung niemals sagen: Das geht mich nichts an. Da geht dich alles etwas an. Und solange noch ein Mensch auf diesem Planeten leidet wird es für dich immer etwas schwer sein, unbefangen zu genießen.

Auf der anderen Seite, der Rückseite dieses Leidens am Leben - das mehr oder weniger bewusst sein kann, wir haben ja alle unendlich viele Möglichkeiten, uns von diesem Schmerz abzulenken – die Rückseite ist die Sehnsucht, wieder zum Ursprung zurückzukehren, wieder ein Tropfen im Ozean zu werden, wie die Inder sagen. Das kann dich im besten Fall auf einen inneren Weg führen, einen spirituellen Weg, einen Weg der Meditation. Oder es kann dich in jede Form von Sucht oder Weltflucht führen, weil in gewisser Hinsicht der Realitätsbegriff, den wir hier im Westen haben, für Fische überhaupt nicht geeignet ist. Ich kann mich erinnern, dass einmal ein Suchender zu Bhagwan kam, dem alten indischen Meister, und gefragt hat: “Meine Freunde in Deutschland werfen mir vor, ich sei ein Realitätsflüchtling, weil ich zu dir nach Poona gekommen bin. Haben die recht?” Und Bhagwan hat geantwortet: “Natürlich haben die recht. Aber du flüchtest nicht vor der Realität, sondern in die Realität.”

Wie Realität im Sinne des Fische-Prinzips erlebt werden kann, das habe ich mal bei einem fische-betonten kleinen Mädchen erlebt. Sie war bei uns zu Besuch und als ich am Morgen die Kleine geweckt habe, hab ich sie gefragt: “Na, wie hast du denn geschlafen?” Die Antwort war: “Danke, ich habe gut geschlafen, ich bin gestern schon ganz früh eingewacht.” Soviel zum Realitätsbegriff des Fische-Prinzips.

Ein paar Worte zum Fischesymbol, diesen gegenläufib übereinanderliegenden Fischen. Wenn du dieses Symbol verstehst, dann hast du die innere Realität des Fische-Menschen begriffen. Oskar Adler hat dieses Fische-Paar mit einem Magnetnadelpaar verglichen, bei dem Nord- und Südpol so aufeinander liegen, dass sich die Wirkung neutralisiert. Und dieses Magnetnadelpaar hat dann keine Eigenrichtung mehr, ist aber für alle magnetischen Einflüsse aus dem Umfeld absolut empfänglich. Egal woher die Strömung oder der Einfluss kommt, dieses Magnetnadelpaar schlägt in diese Richtung aus. Und wenn du das auf eine menschliche Lebenshaltung übersetzt, dann hast du einen Mensch ohne Ich, ohne eigenes Zentrum, dafür aber mit einer unglaublichen Durchlässigkeit und Reagibilität auf das was von außen kommt. Als Lebenshaltung die man daraus ableiten könnte wäre hier das “Fließe mit dem Leben” zu nennen, etwas was in vielen östlichen Lehren immer wieder auftaucht. Alles was dir begegnet, akzeptiere es bedingungslos. Schwimme nicht gegen den Strom, sondern entwickle ein Vertrauen ins Leben, dass all das von alleine geschieht was du brauchst. Du brauchst nicht gegen das Leben kämpfen, lass dich vom Leben auf die Schulter nehmen, lass dich einfach vom Lebensstrom dorthin tragen, wohin es für dich bestimmt ist. Also eine Haltung, die absolute Hingabe und Akzeptieren dessen was kommt beinhaltet.

Die Schattenseite ist hier ein absolutes Gefühl von Verlorenheit und Chaos und die totale Standpunktlosigkeit. Dass du wie ein Chamäleon die Farbe der jeweiligen Umgebung annimmst und dich selbst oft nicht mehr dabei spürst. Dass du so hautlos und durchlässig bist für Seelenströmungen – auch die Erwartungen und Wünsche anderer – dass du dich quasi automatisch in Gegenwart anderer Menschen verwandelst.

Wenn man hier zum Beispiel die Löwe-Energie gegenüberstellt: Ein echter Löwe kann hinkommen wo auch immer, er wird immer er selber bleiben. Er wird selbst in seiner Mitte bleiben, zentriert bleiben, sich nie verlieren in die Strömungen der Umgebung. Als fischebetonter Mensch hast du dieses Zentrum zunächst gar nicht. Es ist eher ein Gefühl, gelebt zu werden und nicht selbst das Leben zu bestimmen. Du bist in diesem Sinne auch Opfer.

Die helle Seite des Fische-Prinzips ist natürlich die universelle Liebe und ein Verstehen, das grenzenlos und bedingungslos ist. Woher auch immer ein Einfluss kommt, er ist willkommen.

Ich kann mich an eine kleine Geschichte erinnern, in der ein alter Meister eine Reise nach Afrika gemacht hat, und er hat dort eine kleine Stadt aufgesucht, und ein Mensch der in dieser Stadt nicht wohlgelitten war hat sich sofort an diesen Meister herangemacht und ihn umgarnt und wollte in seiner Nähe sein. Da kamen die guten, aufrechten Menschen zum Meister und haben ihn gewarnt: Halte dich fern von dem, das ist ein Taugenichts, ein Tunichtgut.” Der Meister erwiderte nur: “Wenn Gott ihn nicht aus dem Universum hinausgeworfen hat, wie hätte ich dann das Recht, das zu tun?”

Welche Probleme die Haltung dieses Magnetnadelpaars bringen kann – vor allem wenn mehrere Menschen in deinem Umfeld sind – das hat mir einmal ein Fisch erzählt. Er sagte, es hätten sich einmal zwei Freunde in seiner Gegenwart gestritten und er als echter Fisch hat natürlich beide verstehen können und er hat das auch gesagt: “Hört mal, ihr braucht euch doch eigentlich nicht zu streiten, weil von eurer jeweiligen Sichtweise habt ihr doch beide recht.” Und einer von den beiden – vielleicht ein Widder – hat entrüstet gesagt: “Du kannst doch nicht uns beiden recht geben!” Worauf der Fisch gemeint hat: “Da hast du recht.”

Diese Bereitschaft alles und jeden zu verstehen und zu akzeptieren ist ein Segen und ein Fluch. Letztendlich kann das von einer anderen Warte aus gesehen als absolute Untreue und Inkonsequenz verstanden werden

“Wenn du mich liebst, dann kannst du doch nicht meinen Todfeind auch lieben und verstehen.” Als echter Fisch würdest du sagen: “Warum nicht?”