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Claus Riemann über das Tierkreiszeichen Jungfrau:
Vom
Jahreszeitenrhythmus her ist Jungfrau der letzte Sommermonat. Der Hochsommer
– die Löwe-Zeit – ist vorbei, und zu Löwe gehörte noch dieses Gefühl der
Unsterblichkeit, weil in diesem Monat die Sonne ihre stärkste Kraft hat und
die Vergänglichkeit, der Herbst, noch nicht spürbar ist. Bei Jungfrau merkst
du schon: Das lichte Prinzip – die Sonne – verliert an Kraft, der nächste
Winter kommt bestimmt. Es ist der Monat, in dem die Ernte eingefahren wird,
hier geht es also um Vorsorge für den Winter, Vorsorge für die dunkle
Jahreshälfte, deswegen schreibt man immer, dass Jungfrauen so vor-sichtig
sein sollen. Das Jungfrau-Symbol ist aus einer alten Rune entstanden, die
einen Strich mit zwei Beinen nach unten zeigt, und diese Ti-Rune nennt man
auch die Sterbe-Rune – es geht hier also um Vergänglichkeit. Auch Skorpion
ist aus dieser Ti-Rune entstanden, im Skorpion-Monat lassen die Bäume die
Blätter los und dort ist endgültig spürbar, was Vergänglichkeit bedeutet.
Die
Körperentsprechung des Jungfrau-Prinzips ist der Darm- und Verdauungstrakt.
Auch wenn das jetzt sehr seltsam klingt, als Jungfrau-betonter Mensch hast
du die Aufgabe, in deinem Leben und in deinem Umfeld wie ein wandelnder Darm
zu wirken. Und was macht der Darm? Er analysiert und trennt die Speise nach
dem Prinzip der Nützlichkeit. Was der Körper braucht wird beibehalten, was
der Körper nicht braucht wird ausgeschieden. Es wird also eine Ordnung in
die Vielfalt gebracht, nach dem Prinzip der Nützlichkeit. Diese
Unterscheidungsfähigkeit, die gehört zum Jungfrau-Prinzip: Richtig - falsch,
nützlich - unnütz, in tieferem Sinne auch gesund – ungesund. Es geht darum,
Strukturen zu schaffen oder zu erkennen, die den Naturgesetzen entsprechen
und die letztendlich möglich machen gesund zu leben, eine gesunde Zelle im
großen kosmischen Körper zu sein.
Diese
Unterscheidungsfähigkeit, die im Jungfrau-Prinzip liegt und auch durch den
Darm- und Verdauungstrakt ausgedrückt wird, die kann ganz verschiedene
Erscheinungsformen haben. Die kann auf der körperlichen, auf der seelischen,
auf der geistigen Ebene Entsprechungen haben. Wenn du als Jungfrau-betonter
Mensch ein Buch liest und es befindet sich ein Druckfehler auf der Seite, er
wird dir ins Auge springen. Als ob du eine vergrößerte Empfindsamkeit
hättest, für das was nicht stimmt. Was im Bezug zu einer bestimmten Struktur
nicht in Ordnung ist, was falsch ist. Und diese Wahrnehmung zu haben ist -
wie alles - ein Segen und ein Fluch. Wenn du so eine genaue Wahrnehmung
hast, so einen Instinkt für das was nicht stimmt, was fehlerhaft ist, was
ungesund oder schädlich sein könnte, dann lebt es sich natürlich nicht so
naiv und leicht. Wenn du weißt, dass ein kleiner Fehler große Folgen haben
kann, dann wirst du quasi gezwungen, mit absoluter Aufmerksamkeit durch dein
Leben zu gehen. Und diese Aufmerksamkeit kann dich in eine Weisheit oder
Lebensklugkeit führen - oder auch in eine immerwährende pessimistische
Lebensangst, wo du überall Katastrophen witterst.
Der Darm- und
Verdauungstrakt hat noch einen anderen Aspekt, und zwar: Wenn wir in die
Psychoanalyse von Sigmund Freud gehen, der hat ja in der frühkindlichen
Phasenlehre auch sehr viel über die anale Phase geschrieben, und die anale
Phase ist die Phase der Sauberkeitserziehung. In dieser Phase lernst du als
Kind auf der einen Seite dich zu beherrschen, dich zu kontrollieren, auf der
anderen Seite lernst du Leistung zu bringen, etwas zu “machen”. Dieser ganze
Symbolkreis ist im Zeichen Jungfrau sehr stark vorhanden, es ist ja neben
Steinbock und Stier eines der drei Erdzeichen und als Erdmensch hast du in
diesem Leben die Aufgabe, Spuren in der Erde zu hinterlassen. Am Ende deines
Lebens wirst du dich als erdbetonter Mensch fragen müssen: Was habe ich
gemacht, welche Spuren habe ich hinterlassen, woran merkt man, dass ich auf
diesem Planeten zu Gast war?
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