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Claus
Riemann über das Tierkreiszeichen Krebs:
Letztendlich
geht es bei der Krebs-Thematik um die Rückkehr zum Ursprung. Das hat damit
zu tun, dass mit dem Eintritt der Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs die
Sonne den “Rückwärtsgang” einlegt. Der längste Tag ist vorbei, die Nächte
werden wieder länger. Die Sommersonnwende markiert den Beginn des
Krebs-Monats.
Zum Vergleich
noch einmal die Widder-Thematik, das Motiv des rücksichtslosen Helden: bei
Frühlingsanfang blickst du nicht zurück auf den Winter, sondern begrüßt das
aufsteigende neue Leben. Hier bei Krebs geht es um die Rück-Sicht, und in
tieferem Sinne hat das mit “religio” zu tun, mit Rückbindung. Es geht um
Rückbindung an den Archetyp der Großen Mutter. Und dieses Große Mütterliche
hat verschiedene Erscheinungsformen.
Einmal die
ganz persönliche Lebensgeschichte mit allen Erinnerungen – wohl dem, der
seiner Ahnen gern gedenkt – und nicht nur die persönliche Lebensgeschichte,
sondern Geschichte überhaupt – das Woher, wie fing alles an?
Eine weitere
Erscheinungsform ist Mutter Erde, Mutter Natur.
Weiterhin all
das, was dir vertraut geworden ist, was Seelennahrung bedeutet hat, und das
können genauso vertraute Menschen wie auch vertraute Plätze oder vertraute
Gegenstände sein. Ich kann mich an einen Krebs erinnern der gesagt hat, wenn
er von jemandem ein Geschenk bekommen hat, dann stecken da die Menschen noch
mit drin. Es geht also nicht um den materiellen Wert dieses Geschenkes,
sondern um den Gefühlswert.
Eine weitere
Erscheinungsform des Archetyps der Großen Mutter wäre die Welt der Nacht und
des Unbewussten. Das Tageslicht wird aus dem Bauch der Nacht geboren,
insofern ist die Nacht die gebärende, lebensspendende Mutter - aber nicht
nur, weil sie auch jeden Abend als Mutter-Drachen das Tageslicht wieder
verschlingt.
Alles was bewusst ist, was
im Licht ist, ist vorher einmal im Unbewussten gewesen, im Reich der
Dunkelheit, und insofern geht es auch um die schöpferische Quelle des
Unbewussten, aus dem die neuen Entwicklungs- und Lebensimpulse kommen. Die
Anbindung an diese schöpferische Quelle stellt die Weisheit von Krebs sehr
schön dar.
Krebs ist ja
wie Skorpion und Fische eines der drei Wasserzeichen und bei Wasser geht es
immer um die unsichtbaren Welten, die innere Realität. Wasserbilder für den
Krebs sind der Fluss, die Quelle, der bergende, nährende, schützende Aspekt
des Wassers, wie zum Beispiel die Badewanne und letztendlich das
Fruchtwasser im Mutterleib. Natürlich auch der Aspekt des Wassers, der
Fruchtbarkeit garantiert - im Krebs-Monat gehört der Fruchtansatz bei den
Pflanzen zum Naturgeschehen. Das Wasser, das Leben spendet, der Regen zum
Beispiel, aber auch das Lebenswasser, wie es zum Beispiel durch Tränen
ausgedrückt ist gehören hierher. Denn Menschen, die keine Tränen mehr haben
sind meist seelisch tot. Schwer depressive Menschen haben zum Beispiel keine
Tränen mehr, sie haben glanzlose Augen. Dagegen wenn du dir erlaubst zu
weinen, dann mag dir das zwar im Moment unangenehm sein, aber auf der
anderen Seite bekommst du wieder glänzende Augen und der Fluss des Lebens
ist wieder spürbar.
Diese
Rück-Sicht, diese Rückbindung hat natürlich auch eine Schattenseite. Es gibt
ja keinen Planeten und kein Tierkreiszeichen, das nur negativ oder nur
positiv zu sehen wäre – jedes Urprinzip, jeder Archetyp hat seine helle und
seine dunkle Seite und man bekommt das eine nicht, ohne sich auch mit dem
anderen auseinander zu setzen. Die Schattenseite dieser Rückbindung ist ganz
einfach durch das Wort Regression ausgedrückt. Und diese regressive Energie
des Krebses würde heißen: Sich aus dem Mutterleib überhaupt nicht hinaus
entwickeln wollen oder können. Immer Kind bleiben wollen, unbewusst bleiben
wollen, immer versorgt bleiben wollen, sich nicht individuieren.
Steckenbleiben in den alten Kindheitsmustern. Dazu gehört auch ein Leben in
Erinnerungen – “weißt du noch, damals?” – und die Vergangenheit war
natürlich immer viel viel schöner als das, was heute in der grausamen
Gegenwart passiert.
Und so wäre
die Hohe Schule dessen, was das Krebs-Motiv vom Einzelnen verlangt: Sich
einerseits aus dem Reich des Mütterlichen, der Herkunftsfamilie zu befreien
um nicht ewig eine Sohn- oder Tochterhaltung zu leben und doch bei aller
Entwicklung die du machst, die Anbindung an das innere Kind nicht zu
verlieren. |