
LÖWE
Im Hochsommer
durchläuft die Sonne den Himmelsabschnitt Löwe; die Hochstimmung der Natur
hat ihre Entsprechung in der Lebensfreude des Südländers. Gott hat uns die
Welt nicht gegeben, damit wir ihr entsagen, sondern damit wir sie feiern.
Lasst uns sein, wie die Sonne am Mittag, total in allem, was wir tun! Alles
geben die Götter ihren Lieblingen ganz: alle Freuden, die unendlichen, und
alle Leiden, die unendlichen. Man ist hier geboren mit einer tiefen Ahnung
seines wahren Wesens, der inneren Christus- oder Buddhanatur, des göttlichen
Funkens, des Lichtwesens in einem. Welchen Namen man diesem inneren
Sonnenwesen gibt, ist zweitrangig. Wichtig ist allein, dass man niemals die
Achtung vor sich selbst verliert, das Bewusstsein, dass man als König bzw.
als Königin geboren ist, und dass man aus einem tiefen und eindeutigen Ja zu
sich selbst heraus lebt. Und: die innere Würde des Sonnenmenschen ist nicht
wirklich abhängig von äußerem Glanz, von äußerer Pracht; sie entspricht
vielmehr einer inneren Haltung: ein echter Löwe lacht wie ein König und
weint wie ein König, er lebt wie ein König und stirbt wie ein König - und
nicht wie ein Bettler. Dabei ist es egal, ob er in einem Schloss oder in
einer Hütte lebt oder gar auf der Straße. Die Herrscherin dieses
Tierkreiszeichens ist die Sonne. Auf der Körperebene entsprechen der Sonne
das Herz und das Auge. Goethes Worte fallen einem ein: "Wär nicht das Auge
sonnenhaft, nie könnt die Sonne es erblicken". In ihrer besten Art sind
Löwe-Augen leuchtende, lebendige Augen, die Lebenskraft und Lebensfreude
ausstrahlen; sie sind das Fenster des Herzens, dem Motor des Lebens, dem
zentralen Sitz der Lebenskraft und des Lebensmutes. Nicht die verstehenden
Mutteraugen und das liebende Mutterherz sind hier gemeint, wie bei Krebs,
sondern der Weitblick und die vorantreibende Zuversicht und Kraft des
Vaters. Ging es unter dem Zeichen des Mondes darum, eine ererbte Welt
dankbar anzunehmen und sich in diese fühlend und verstehend einzuwohnen, so
geht es unter dem Zeichen der Sonne um die bewusst gewollte Neu- und
Weitergestaltung derselben. Wollte man sich für einen Moment als Löwe
fühlen, so könnte man sich einfach vorstellen, die Sonne zu sein. Man würde
unerschöpfliche Energien und Kräfte in sich spüren, sich gewissermaßen
unsterblich fühlen. Weiterhin würde man ein selbstverständliches Gefühl von
Bedeutsamkeit empfinden: man thront in der Mitte und die Planeten umkreisen
einen ehrerbietend. Diese Art von selbstzentrierter Sichtweise liegt dem
Weltverständnis des Löwe-Menschen zugrunde; seine Aufgabe ist es, durch
seine Herzensenergie Kraft, Licht und Lebendigkeit in die Welt zu bringen;
seine Botschaft an den Menschen lautet: "lebe, liebe, lache! Öffne Dein
Herz, die Welt ist voller Liebe!" Im Rider-Waite-Tarot bringt die Karte "Die
Sonne" diesen Zustand zum Ausdruck. Man sieht darauf ein unbekleidetes Kind,
das mit weit ausgebreiteten Armen dem Betrachter der Karte auf einem
Schimmel entgegenreitet, als wolle es die ganze Welt umarmen. Dieses Kind
strahlt Sicherheit und Vertrauen aus: mir kann nichts passieren! Mit dieser
Anlage ist man im Zeichen Löwe geboren. Dass einem diese Naivität oft
schmerzhaft ausgetrieben wird, ist klar. Und doch ist es keine Lösung zum
Taktiker und Strategen zu werden; denn man opferte dadurch seine wahre
Stärke: sich jederzeit mutig und offen zu sich selbst zu bekennen, ohne
dabei dauernd auf mögliche Reaktionen im Umfeld zu achten. Jeder Mensch hat
Anteil an dieser unbesiegbaren Urlebenskraft; sie wird in seinem Horoskop
durch die Sonne symbolisiert. Je nachdem, in welchem Zeichen die Sonne
steht, ist dieses Kraftpotential zum Beispiel bei Stier eventuell mit einem
persönlichen Standpunkt, den man verteidigt, oder bei Zwilling
wahrscheinlich mit Intelligenz und/oder Bildung verknüpft.
Bei Löwe bezieht sich dieses Kraftpotential unabhängig von irgendwas direkt
auf das "Ich bin". Als Löwe fühlt man sich als die Quelle des Seins, da ist
man völlig autark. Damit kommen andere Menschen oft schwer zurecht; sie
beschuldigen den Löwen als gefühlslosen, ich-zentrierten Egoisten. Auf
manche Löwen mag das auch zutreffen, aber das Löwe-Grundgefühl kennt keine
Abhängigkeit, es ist die Offenbarung des bedingungslosen "Ich bin" ohne Wenn
und Aber. Unsere Gesellschaft könnte nicht bestehen ohne Menschen dieses
Typs, ebenso wenig wie unser Sonnenkosmos weiterbestehen könnte, wenn die
Sonne eines Tages das Bedürfnis bekäme, einen anderen Standpunkt einzunehmen
oder sich irgendwo anzulehnen. Die Planeten brauchen ein Zentrum, um das sie
kreisen können; der Sonne gereicht das sicher zur Ehre, aber abhängig ist
sie davon nicht. Das Zeichen Löwe vermittelt das Gefühl absoluter
Unabhängigkeit: ich bin aus eigener Kraft. Auch das Bild des Kindes ist eine
Betrachtung wert; wir hatten es ja schon bei den Tierkreiszeichen Widder und
Krebs. Aus der Widderperspektive betrachtet symbolisiert das Kind
Unerfahrenheit und Unschuld, aus der des Krebses Prägung durch und
Abhängigkeit von den Eltern und aus der Löweperspektive die göttliche
Abstammung, das Gotteskind. Es handelt sich dabei nicht um das Kind, das man
einmal war, obwohl das mit eine Rolle spielt, sondern um das archetypische
Bild des Kindes, wie es zu jeder Zeit im Leben eines Menschen zum Beispiel
in Träumen auftauchen kann. Nach C.G. Jung ist das Kind eine Ausdrucksform
des Selbst. Er unterscheidet dabei einen Vergangenheitszustand und einen
Zukunftscharakter des Kinderarchetypus. In der Funktion des Vergangenen
sorgt der Archetyp für Kontinuität des Werdens, er sorgt dafür, dass die
Rückbindung gewahrt bleibt; denn: das differenzierte Bewusstsein ist immer
von Entwurzelung bedroht, weshalb es der Kompensation durch den noch
vorhandenen Kindheitszustand bedarf. Im Horoskop ist diese Tendenz durch das
Tierkreiszeichen Krebs, durch das vierte Haus und durch den Mond vertreten.
In der Zukunftsfunktion kündet der Archetyp kreatives Wachstum an, im
Horoskop wiedergespiegelt durch das Zeichen Löwe, die Sonne und das fünfte
Haus. In enger Verknüpfung mit dem Kind-Archetypus sind der Vater- und der
Mutterarchetypus zu sehen. Der Vater-Archetypus steht in Verbindung mit Löwe
und Sonne, ebenso wie der Mutter-Archetypus mit Krebs und Mond korreliert.
Vater und Mutter, Sonne und Mond bilden eine Einheit, für sich allein ist
jedes unfruchtbar. So wie in der Menschheitsentwicklung das Bewusstsein sich
aus dem Unbewussten herausbildete, wie im Einzelschicksal der erwachsene
Mensch sich immer aus dem Kind entwickelt, so spiegelt sich dieser Umstand
auch in der Abfolge der Tierkreiszeichen, welche alles andere als beliebig
ist, wider. Ohne die verstehende Erfahrung der Krebsweisheit kann sich das
Löwehafte nicht zum Nutzen des Ganzen in den Kreis einordnen.
Wir wollen
an dieser Stelle nochmals das Märchen "Der Königssohn, der sich vor nichts
fürchtet" betrachten, das starke Motive aus jedem der drei Feuerzeichen,
Widder, Löwe und Schütze enthält. Der Königssohn verlässt seines Vaters
Haus, gelangt nach einiger Zeit vor das Haus eines Riesen, mit dessen Kegeln
er ganz respektlos spielt, bis der Riese aufwacht und ihn zur Rede stellt.
"Ich kann alles, wozu ich Lust habe" ist seine Antwort, als der Riese ihn
auf die Kegel anspricht. Daraufhin trägt der Riese ihm auf, für seine Braut
einen Apfel vom Baum des Lebens zu holen, mit dem Hinweis, dass das noch
keiner geschafft habe. "Mir wird es schon gelingen" sagt der Held
siegessicher und zieht los. Er schafft das schier Unmögliche tatsächlich,
holt nicht nur den Apfel, sondern bekommt auch noch einen Ring, der ihm
Zauberkraft verleiht, sowie einen Löwen als Begleiter. Zurück beim Riesen
möchte der ihm den Ring abnehmen und, als im Kampf keiner gewinnen kann,
überlistet dieser den Helden, "der von Falschheit nichts wusste", und sticht
ihm schließlich die Augen aus. Nur durch die Hilfe des Löwen überlebt der
Königssohn und bekommt später durch das Wasser des Lebens sein Augenlicht
wieder. Dann begegnet er, wie bereits im Kapitel über Widder besprochen, der
wunderschönen Prinzessin, deren Hilfeersuchen er mit den Worten "mit Gottes
Hilfe will ich's versuchen" beantwortet. Im Mittelteil des Märchens wird der
Königssohn, "der von Falschheit nichts wusste", vom Riesen überlistet und
geblendet. Hier begegnet uns die typische Naivität des Löwe-Helden, der nur
die Sonne kennt, in dessen Bewusstsein es nichts Dunkles und Böses, im
Grunde neben der Sonne nichts mehr gibt, was irgendwie von Bedeutung wäre;
in seiner Sonnenwelt existiert zunächst kein Bewusstsein der Schattenseite
des Lebens, deshalb ist er wie vor den Kopf geschlagen, als ihm Intrige,
Hinterlist und dunkle Machenschaft begegnen. Diese sonnen-, d.h.
ich-bezogene, Haltung, die Ausdruck der Kraft des eigenen Willens ist, die
nur aus dem wollenden Denken besteht, ist, wie man im Märchen sieht, sehr
gefährlich, da ihr alle warnenden Instinkte fehlen. Helmut Remmler meint
dazu: "Der Königssohn muss also auch mit dem Herzen, mit dem Gefühl, sehen
lernen. Fühlen ist eine urteilende Funktion, mit der ich eine Situation
hinsichtlich ihres Wertes beurteile, und gerade das konnte der Königssohn
bisher noch nicht... Erst wenn das Fühlen das verstandesmäßige Erkennen und
die Urteilsbildung durchdringt und mitträgt, können wir zu einer reiferen
Erkenntnis und zu einer abgerundeten Urteilsbildung in einer bestimmten
Situation kommen."
Astrologisch gesehen kann man sagen, dass das Mondprinzip nicht gesund ist,
solange es den Übergang zur Sonnenwelt nicht bewerkstelligen kann, und dass
es kein gesundes Sonnenprinzip geben kann, das die Mondwelt nicht integriert
hat. Die Astrologie lehrt uns, dass der Mensch in der ersten Lebenshälfte
mehr sein Mondprinzip lebt, er ist Kind seiner Eltern und erfährt sich in
Abhängigkeit von seiner Umwelt. In der Mitte des Lebens, das ist natürlich
für jeden einzelnen ein anderer Zeitpunkt, aber im allgemeinen ist das so um
die vierzig, kommt ein entscheidender Wendepunkt; der Mensch hat dann genug
Substanz, um sein "Eigentliches" hervorzukehren. Die eigene innere Sonne
zeigt sich in ihrer Einmaligkeit. Dieser Schritt erfordert viel Kraft und
viel Mut; denn es ist der Schritt in die innere Unabhängigkeit und damit
auch ein Schritt in die Einsamkeit. Es gibt den Spruch "beim Sterben ist
jeder allein"; auch die Selbstwerdung beinhaltet einen Tod; man stirbt als
Kind seiner Eltern, als Kind dieser Gesellschaft und das ist eine sehr
einsame Angelegenheit, die in der Umwelt wenig Unterstützung findet.
Eigentlich
kann dieser Schritt nur auf eine gute Art gelingen, wenn die Bindung an das
Mondprinzip, an die Mutter, an die Eltern, an Umwelt und Gesellschaft
gelungen waren; nur dann ist der Schritt in die Sonnenwelt des Väterlichen,
in die Einmaligkeit des "Ich-Selbst" auf eine gute Art möglich. Der Satz:
"ich kann alles, wozu ich Lust habe" ist dem Feuer-Menschen in die Wiege
gelegt; mit Zuversicht, Siegesgewissheit und Vertrauen in die eigene Kraft
geht er seinen Weg. Diese Haltung ist die Voraussetzung für das Gelingen
großer Unternehmungen. Und doch ist im Laufe des Lebens zu lernen, dass der
Ursprung dieser Kraft nicht im Ich, sondern im Selbst beheimatet ist -
anders ausgedrückt: der kleine Eigenwille muss überwunden werden, damit man
sich als Kanal für einen höheren, göttlichen Willen begreifen lernt. "Mit
Gottes Hilfe will ich es versuchen", dieser Ausspruch zeigt einen
gewandelten Helden, der Anschluss gefunden hat an eine transpersonale Kraft,
aus der Sicht der Jung'schen Psychologie eben die Kraft, die aus dem Selbst
kommt. Damit diese Wandlung sich vollziehen kann, muß das naive
Ich-kann-alles-Konzept einen schmerzhaften Tod sterben, eine fundamentale
Ohnmachtserfahrung durchleben, ausgedrückt durch die Ohnmachtserfahrung des
geblendeten Königssohns. Helmut Remmler deutet diese Entwicklungsphase als
die Krise der Lebensmitte: "Mit vierzig fängt das Leben an" lautet sein
Untertitel für das Königssohn-Buch.
In der
Realität kann diese Erfahrung durch Krankheit, Todesbegegnung, Ende einer
langen Beziehung, beruflichen Karriereknick usw. in Erscheinung treten.
Nicht jeder ist jedoch so gelehrig, wie der Königssohn. Es gibt eine Unzahl
gekränkter, verbitterter Löwen, die sich vom Leben beleidigt und betrogen
fühlen, und aus gekränktem Stolz heraus auch um sich herum kein Lachen und
keine Lebendigkeit ertragen können.
Kollektive
Aspekte des Sonnen- bzw. Löweprinzips sind heute aus zwei Gründen besonders
interessant. Zum einen ist das Prinzip des Königs, des patriarchalen
Herrschers zur Zeit alles andere als gefragt, da dieses lange Zeit ein
derartiges Übergewicht hatte, dass die matriarchale Gegenbewegung nicht
ausbleiben konnte. Zum anderen leben wir am Anfang des
Wassermann-Zeitalters, und dies ist das Gegenprinzip zu Löwe. Das
Löweprinzip und seine Vertreter haben heute schlechte Karten. So wird
teilweise übersehen, dass der Patriarch sehr wohl schützende und nährende
und nicht nur unterdrückende und destruktive Aspekte hatte und hat. Und, bei
aller Vision von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der großen
Menschheitsfamilie (Wassermann), der Ausdruck persönlicher Macht einer
bedeutsamen Persönlichkeit kann viel Positives bewegen und ist nicht primär
zu verurteilen. Man kann das Löwe-Prinzip nicht aus dem Kosmos aussperren,
da es dadurch ja nicht verschwindet, sondern lediglich destruktiv wird und
im Verborgenen wie eine subtile, unsichtbare Krankheit nicht leben lässt,
was ihm feindlich geworden ist. Wassermännische Anarchie hat grundsätzlich
genauso viel für sich wie Hierarchie oder Zentralismus, aber so wichtig es
ist, dass tyrannische Despoten und hierarchische Systeme wie Apartheit
verschwinden, so groß ist auch die Gefahr des Chaos, siehe Sowjetunion.
Symbolisch gesehen sind die Grünen eine Wassermann-Partei, entstanden aus
dem und getragen vom Zeitgeist; sie geben sich besonders viel Mühe, das
Löwe-Prinzip wegzurotieren. Was dabei herauskommt ist, dass sich das
Sonnenprinzip eine neue Maske zulegen muss: wer am glaubhaftesten versichern
kann, keine persönliche Macht zu wollen, bekommt sie bestimmt; gefährlich
wird's, wenn die Macht auf diesem Wege in die Hände derjenigen kommt, die
sie nicht lieben und daher auch nur schlecht mit ihr umgehen können. Die
vaterlose Gesellschaft (Mitscherlich) und auch die große Problematik von uns
Deutschen mit der Nazivergangenheit unserer Väter sind Sonnenprobleme.
Väterliche Autorität wird primär misstrauisch beäugt, oft einfach nicht mehr
ernst genommen, betreffe es nun den Lehrer in der Schule oder den Vater
Staat und seine Organe, vor allem die Polizei.
Wenn das
Sonnenprinzip des Königs zu sehr verachtet wird, besteht die Gefahr, dass es
sich rächt, z.B. in der destruktiven Form neuer faschistoider Bewegungen.
Die antiautoritäre Bewegung ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Das königliche
Löwe-Prinzip sowohl individuell, wie auch kollektiv nicht abzuspalten,
sondern es auf zeitgemäße Art neu zu entdecken, das ist heute eine große
Herausforderung. Das müsste dann ein König sein, selbstbewusst und doch
brüderlich, und ohne Angst vor dem Weiblichen.
Familien- und Beziehungssystem
Das
Löwe-Familiensystem - idealtypisch gesehen - ist ein Königshof mit streng
hierarchischer Organisation: König und Königin (Vater und Mutter) werden von
ihren Untertanen (Kindern) mit Achtung und Ehrfurcht behandelt, vielleicht
sogar mit "Sie" angeredet. Der Lebensstil ist großzügig, LEBEN wird
großgeschrieben, aber bei aller Lebenslust ist man sich der Ehre bewusst,
gerade in dieser Familie zu leben, besser gesagt, leben zu dürfen. Und: Adel
verpflichtet. Das kann aber genauso gut der stolze Bauer, Arbeiter oder
Beamte sein; denn Königsschlösser gibt es nun mal nicht so viele, wie es
Löwen gibt. Aber in der echten Löwefamilie wird ein jeder stolz seine
Zugehörigkeit bejahen. Allerdings darf hier keiner der Familie Schande
bereiten; den familiären Sonnenstolz zu beleidigen, wodurch auch immer das
im Einzelfall geschehen mag, ist das schlimmste Vergehen. Stärke, Kraft und
Selbstbewusstsein werden von jedem einzelnen Familienmitglied erwartet,
Helden und Amazonen sind willkommen, nicht aber bescheidene, zurückhaltende,
sensible und ängstliche Charaktere, die man in dieser Familie eher als
"Schwächlinge" bedauern oder gar verachten würde.
Die
Botschaft dieser Familie, "sei glücklich, sei erfolgreich, sei berühmt und
geachtet!", ist für Feuer-Menschen ein Segen, für Wasser-Menschen aber oft
eher ein Fluch. Ein anderes Problem bei Löwe ist, dass man mit einer
unsichtbaren Krone auf die Welt kommt, mit der Erwartung, wenn ich geboren
werde, geht die Sonne auf und die Familie kann froh sein, dass ich da bin.
Leider gibt es auch beim Löwe-Geborenen die Situation vom unerwünschten Kind
oder den Buben, der eigentlich ein Mädchen hätte sein sollen oder es gibt in
dieser Familie keinen Königsthron oder nur einen, der bereits besetzt ist,
dann versteht das Löwe-Kind die Welt zuerst überhaupt nicht mehr: "wieso
lieben die mich nicht so wie ich bin?" Natürlich möchte jedes Kind so
geliebt werden, wie es ist, aber von der Erwartung her ist diese Thematik
beim Löwen besonders stark und daher die daraus resultierende Verletzung
besonders groß.
Auf der
anderen Seite haben Löwe-Eltern oft das Gefühl: "ohne mich geht's nicht",
d.h. wenn ich nicht wäre, wären die Kinder nicht lebensfähig; denn wenn man
als Sonne mit seinen Strahlen nicht mehr da ist, dann gibt es kein Leben
mehr auf der Erde. Oft ist es eine sehr große Enttäuschung und
Verunsicherung, aber auch etwas, das sehr erleichtern kann, wenn ein Löwe
merkt, dass es auch ohne ihn geht. Die helle Seite von Löwe-Eltern ist, dass
sie ihr Kind als ein wunderbares Wesen, als ein göttliches Geschenk
betrachten und ein unbedingtes Ja zu seiner Lebendigkeit ausstrahlen. Die
dunkle Seite ist, dass fast immer die unbewusste Botschaft gegeben wird:
"sei wie ich, mach's wie ich!" Der naive Löwe glaubt zu wissen, was für den
anderen gut ist, und so wird oft mit den besten Absichten die Natur eines
Kindes niedergebügelt. Als Löwe merkt man oft gar nicht, dass für das Kind
etwas ganz anderes gut sein kann, als für einen selbst und dass das Kind in
einer Welt lebt, die total verschieden ist von der seiner Eltern.
Eine
Alltagssituation, in der die eigene Welt zum Maßstab der Welt des anderen
gemacht wird, ist etwa die folgende: ein Löwe steigt mit seinem Kind einen
steilen Berg hinauf und nach einiger Zeit sagt das Kind: "ich kann nicht
mehr, ich bin müde!" Der Vater, der vorneweg gestiefelt ist, dreht sich um
und sagt: "du bist nicht müde!" Beziehungen, in denen das Löwethema
herrscht, können verschiedene Gesichter haben. Die helle Seite zeigt ein
strahlendes Paar, einen Prinzen und eine Prinzessin, die bereit sind, ihre
Liebe total und lebendig zu leben, die Fülle des Moments jederzeit voll zu
genießen. Die Grundlage dafür bietet ein bedingungsloses und freudiges Ja
zum anderen und zu sich selbst. Die Einstellung zur Beziehung lautet: "ich
bin o.k. und Du bist o.k.!". Aus tiefem Wissen um den Lichtkern des
geliebten Menschen, wird man an ihn glauben, ihn fördern und seine besten
und hellsten Potentiale zu Tage bringen. Ein echtes "ich will, dass Du
glücklich bist, dass Du lebst mit allem, was Du bist!" ist wichtiger als
kleinliche Treueschwüre und Sicherheitsgarantien jedweder Art. Vertrauen
heißt hier: in die kreative Lebendigkeit des Partners zu vertrauen, in seine
Individualität und seine Lebenskraft. Man ist so zentriert in sich selbst,
lebt aus einem so tiefen Ja zu sich selbst, dass man auch den Partner als
eigenständiges Sonnenwesen mit seinem inneren Gesetz achtet und liebt. Aber
mag man auch von ganzem Herzen lieben, so verliert man doch niemals seine
Identität dabei oder wird sich selbst untreu. Jeder bleibt in seinem inneren
Reich König oder Königin und kann sich hingeben, ohne sich zu verlieren. Man
lebt und liebt wie die Sonne: total und verschwenderisch; es gibt keine
Kosten-Nutzen-Rechnung; das Herz allein entscheidet. Die dunkle Seite drückt
eine Fabel sehr gut aus: der stolze Pfau wird gefragt, warum er denn die
unscheinbare Henne geheiratet habe. Seine Antwort darauf lautet
folgendermaßen: "ich und meine Frau lieben mich bis zum Wahnsinn". Hier wird
Liebe zur narzistischen Selbstbestätigung durch den Partner; einer/eine ist
die Sonne, der/die andere der um sie kreisende Trabant. Die Eigenart des
Partners wird großzügig übersehen; er soll für einen da sein, nicht als
sorgende Mutter, wie bei Krebs, sondern als Lieferant von Streichel- und
Schmeicheleinheiten für das Ego. Außerdem kann der Partner eh froh sein,
dass er einen hat; er soll erst mal einen Besseren oder eine Bessere finden.
Klar ist auch, wer Schuld daran hat, wenn etwas schief geht. Wer an der
Sonne herumkritisiert, ist von vorneherein im Unrecht; wenn der andere nicht
merkt, dass man ein göttliches Wesen ist, dann kann irgendetwas mit ihm
nicht stimmen. Man setzt voraus, dass der andere so denkt, so fühlt und so
handelt, wie's offensichtlich am Naheliegendsten und am Besten ist, nämlich
so, wie man selbst das machen würde. Wenn jemand eine Sache auf eine dem
Löwe-Menschen nicht vertraute Art angeht, dann kann man diesen ganz perplex
ausrufen hören: "ja gibt's das auch!", da er sich nämlich nicht vorstellen
kann, dass es jenseits seines Horizontes noch was Erwähnenswertes gibt. "SEI
WIE ICH!" - diese Botschaft findet sich, bewusst oder unbewusst, in vielen
löwegefärbten Beziehungssystemen, sei's nun Familie, Partnerschaft oder
Freundschaft.
Die
Planeten, die die Sonne umkreisen, sehen die Welt immer wieder einmal aus
einer anderen Perspektive, erfahren verschiedene Gesichtspunkte, die Sonne
erlebt ihre Welt immer vom selben Standpunkt aus: aus selbstzentrierter
Sonnenperspektive gibt es eben nur die EINE Weltsicht. Erst der Gegenpol
Wassermann lehrt, dass jeder in solch einer Sonnenwelt lebt und, dass alle
diese Welten gleichwertig sind. Wird diese Lektion nicht gelernt, so bleibt
der Löwe in seiner naiven Egozentrik gefangen, bleibt blind für die Welt
seiner Mitmenschen und entwickelt sich allmählich zum einsamen,
unverstandenen und ewig gekränkten Pascha oder zur schmollenden Prinzessin.
Als Mann
wird man unter Umständen auch zum patriarchalen Herrscher, der sich von
seiner Frau die Karriereschuhe putzen lässt, ohne einen Funken von
Dankbarkeit zu empfinden. Als Frau entwickelt man sich vielleicht zur
Prinzessin, die ewig auf der Suche nach der nächsten Erbse ist, abhängig von
Huldigungen kastrierter Muttersöhne: "sie sehen stolz und unzufrieden aus -
gewiss sind sie aus einem vornehmen Haus".
Gemäß den
Strukturformen der weiblichen und männlichen Psyche haben wir es hier, wie
bei Widder, mit Amazone und Held zu tun. Es geht weniger darum, sich um die
gegenseitige Psyche zu kümmern, als vielmehr draußen in der Welt ein
gemeinsames Ziel zu verfolgen. Die Löwe-Wärme ist eine, die wie die Sonne
ist, die ausstrahlt. Man kann sich in die Sonne legen und die Sonne
genießen, aber der Sonne ist das egal, ob man da liegt oder nicht. Wie's in
einem aussieht und wie's einem geht, das bleibt der Sonne fremd. So ist auch
die Löwe-Beziehung: man kann bei den Löwe-Menschen an ihrem Lebensmut, ihrer
Lebensfreude und ihrer Lebenskraft teilhaben, und, wenn es echte Löwen sind,
dann wird es einem gut gehen in ihrer Umgebung; denn da ist etwas, das das
Herz aufmacht und mit Freude und Zuversicht zu tun hat. Und zugleich wird es
einem oft so gehen, daß man das Gefühl hat: dieses Fest könnte genauso gut
ohne mich stattfinden, hier bin ich nur Statist, der jederzeit durch jemand
anderen ersetzt werden könnte - der meint gar nicht mich persönlich, dem bin
ich gar nicht wichtig, er kümmert sich ja gar nicht um mich. Das heißt aber
nicht, dass man dem Löwen auf einmal das große Mitgefühl beibringen soll. Er
soll eine strahlende Kraftquelle sein, so dass jeder, der in seiner Nähe
weilt, Lebensenergie und Herzenslust auftanken kann.
Eine
andere Geschichte ist die folgende: Einer stark Löwe-betonten Therapeutin
hat man bei Gruppenarbeiten immer vorgeworfen, dass sie sich zu sehr in den
Vordergrund dränge und zuviel Raum für sich in Anspruch nehme. Sie hat dann,
nach Löwe-Art, in Zukunft bei Gruppen von vorneherein gesagt: "ich mache
immer wieder die Erfahrung, dass ich zuviel Platz einnehme. Wem das nicht
passt, der soll es gefälligst sagen. Ich habe keine Lust, mich dauernd
zurückzunehmen!" Dies ist genau richtig; denn wenn man den Löwen dazu
umerzieht "Entschuldigung, ist es recht, dass ich da bin" zu sagen, dann ist
er kein Löwe mehr. Als Löwe soll man einfach hereinkommen und da sein; dafür
braucht man auch Platz. Es ist gar nicht so, dass der Löwe den jetzt
beansprucht und ihn jemand anderem wegnehmen will; sondern der Löwe kann
aufgrund seiner Ausstrahlung einfach nicht unbemerkt bleiben. Es kann
natürlich schwierig sein, wenn mehrere Löwen in einem Raum sind. Zu dieser
Situation gibt es einen Witz: Was darf man auf keinen Fall sagen, wenn zwei
Löwen oder ein Löwe und ein Schütze in einem Raum sind? Man darf nicht "mein
Gott" sagen, da sich in diesem Fall beide gleichzeitig angesprochen fühlen.
In Beziehungen, in denen beide Löwe sind, gibt es meistens einen Ober-Löwen
und einen Unter-Löwen. Meist ist es die Frau, die ihren Herrn und Gebieter
blind verehrt und dabei ganz vergisst, dass sie selbst den kosmischen
Auftrag hat, eine ausstrahlende Persönlichkeit zu sein. Löwen erzählen gerne
Witze und können herzhaft darüber lachen; also noch einer: Ein Löwe steigt
in ein Taxi und sagt: "fahren sie mich irgendwo hin, ich werde überall
gebraucht".
Therapie
Eine alte Löwe-Krankheit ist, dass der Stolz oft unheimlich teuer bezahlt
wird. Was solche Menschen einem Lebenskonzept von Stolz opfern! Nur damit
man mit erhobenem Haupt irgendwo herausgeht, wo es tausendmal gesünder wäre,
zusammenzubrechen und eine Niederlage einzugestehen oder wirklich zu
verzweifeln, damit man sich hinterher wieder erholen kann. Es wird oft viel
Energie in ein Siegerkonzept gesteckt, obwohl viele dieser Siege eigentlich
Niederlagen sind, weil sie zuviel gekostet haben, nicht nur auf materieller,
sondern auch auf ideeller Ebene, wenn man dabei nämlich sämtliche Freunde
verliert und am Ende als einsamer, unbezwungener Rechthaber dasteht, der
letztlich von den Menschen nicht mehr geliebt wird. Jedes Tierkreiszeichen
hat seine Abwehrmechanismen oder seine Schutzmechanismen oder Neurosen, wenn
es um die Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen geht. Eine
Extremform der Löwe-Neurose ist der Autismus: man geht in eine eigene innere
Welt und ist letztlich nicht mehr auf das Außen bezogen. Ein junger Mann mit
Löwe-Sonne und viel Schütze im Horoskop hatte grandiose Vorstellungen vom
Leben, aber immer, wenn er versucht hat, seine hochfliegenden Pläne zu
verwirklichen, ist er baden gegangen, weil sein Können dazu einfach nicht
ausreichte. Das hat er nicht verkraftet und sein letzter Ausweg war: "jetzt
gehe ich nach Australien und werde Farmer". Es war aber auch diesmal ohne
jeden Boden, nur mit der grandiosen Vorstellung. Er ging dann tatsächlich
nach Australien und fiel wieder auf die Nase. Dann war es aus. Seitdem ist
er nicht fähig einen Bezug zu einem Menschen aufzunehmen und ist jetzt in
seinem inneren Königreich. Autismus ist bei den Löwen dazu da, um dieses
grandiose Selbst zu beschützen. Ehe man sich noch mal öffnet für die Welt
und wieder erleben muss, dass jemand an der Königskrone rüttelt, geht man
lieber in sein inneres Königreich, wo man weiß, dass man König ist. Man
findet hier auch viele manisch-depressive Charaktere; wenn sie in
Löwe-Stimmung sind, heißt es "was kostet die Welt?"; alles ist wunderbar und
alle werden angesteckt. Auf der anderen Seite sind sie klein und vernichtet
und werden von Schuldgefühlen gequält; das kommt sicher nicht aus der
Löwe-Natur, sondern aus anderen Faktoren des Horoskops, aber vermutlich als
Reaktion auf die Löwe-Pose; zum Beispiel aus Richtung des Mondes, der sich
dafür rächt, dass er übergangen, übersehen und geringgeschätzt worden ist.
Depression als Kehrseite der Grandiosität, das ist ein wichtiges Thema für
alle Feuerzeichen. Die grandiosen Vorstellungen orientieren sich am
Allerhöchsten, am Göttlichen im Menschen und entsprechend abgrundtief ist
dann der Fall in die andere Seite der Realität; dazwischen gibt es beim
Löwen nichts. Eine unglücklich gelebte Löwe-Thematik kann auch in die
maßlose Selbstüberschätzung, in den Größenwahn oder nach harten
Schicksalsschlägen in das ganze Gegenteil, in das Erlebnis der eigenen
Nichtigkeit, in den Kleinheitswahn führen. Weiterhin ist Löwe ein äußerst
narzisstisches Zeichen: dem Image, dem Selbstbild in der Gesellschaft wird
oft alles andere untergeordnet und geopfert; ohne Rücksicht auf die eigenen
Bedürfnisse, Gefühle und den Körper verlangt und erwartet man von sich
ständig Höchstleistungen. Speziell, wenn man ein gekränkter Königssohn oder
eine gekränkte Königstochter ist, vom Vater verwundet, nicht geliebt und
nicht geachtet, dann muss man der Welt beweisen, wer man ist. Da kann es
auch zu Racheprogrammen allererster Güte kommen. Egal, ob es der Chef, der
Professor, der Therapeut oder der Vater Staat ist, der dran glauben muss -
oder der Ehemann. Die intellektuelle Legitimierung des Vatermords fällt
heute leicht. Sei's aus der Sicht der Feministin, die mit dem patriarchalen
Herrscher abrechnet, oder aus der Sicht des Anarchisten, der in noch nicht
verarbeiteter Erinnerung an den "Führer" "keine Macht für irgendjemand!"
fordert. Wenn man allerdings alle Energie in die Rache an den Vätern steckt,
bleibt man negativ auf sie bezogen und damit von ihnen abhängig und zudem
verliert man den Kontakt zur eigenen Herzenergie, die nur eines will:
lieben. Das tiefste Geheimnis der Löwe-Seele ist dort, wo nur noch reine
Liebe und Licht existiert. Der Reich-Schüler John Pierrakos spricht in
diesem Zusammenhang von dem "center of right energy". In seiner
körperorientierten Arbeit, die er "core energetic" nennt, versucht er den
Anschluss an diese Energie wiederherzustellen. Speziell Arbeit im
Brustbereich dient dazu, das Herzchakra zu öffnen. Darüber hinaus sind auch
Herzmeditation oder Lichtmeditation ein Weg zur inneren Sonne. Findet diese
Arbeit in der Gruppe statt, so wäre es für den Löwen sinnvoll, sich als ein
Zentrum der Kraft und der Freude zu erleben und nicht als einsamer
Spitzenmann, der besser ist als alle anderen. Bei Lektionen in Demut und
Bescheidenheit ist darauf zu achten, daß gewisse Löwen nicht zu den
Demütigsten und Bescheidensten mutieren und somit wiederum in die Falle der
eigenen Außerordentlichkeit tappen. Alexander Lowen bezeichnet in seinem
1983 erstaufgelegten Buch "Narzissmus - Die Verleugnung des wahren Selbst"
den Narzissmus als die Krankheit unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Aus
der Sicht der Astrologie dürfte das damit zusammenhängen, dass die zwischen
1937 und 1958 geborene Generation den Planeten Pluto im Zeichen Löwe hat.
Dieser Umstand weist auf eine tiefgreifende gesellschaftliche Entwicklungs-
und Wandlungsherausforderung in Bezug auf das Selbst hin. Dabei führt der
Weg von der maßlosen Überbewertung der Themen Selbsterfahrung, Selbstwert
und Selbstverwirklichung bis hin zur Selbstzerstörung einer Gesellschaft,
die sich selbst als größte steuernde Kraft im Universum betrachtet.
Sonne in Löwe
Steht
Deine Sonne im Zeichen Löwe, dann ist Dein innerer Vater ein stolzer,
selbstbewusster Sonnenkönig. Er herrscht in seinem Reich kraft der
Souveränität seiner Person, durch natürliche Autorität und Würde. Er ist der
Herrscher, der durch bloßes Dasein wirkt, er beansprucht keine Macht, er hat
sie. Was er sagt und tut bekommt Gewicht, weil ER es ist, der es sagt und
tut. Solange man ihn achtet und respektiert, wird man sich in seinem Reich
von starker, wohlwollender Hand geführt und beschützt empfinden. Er regiert
in großem bzw. großzügigem Stil, das Fest des Lebens wird ausgiebig gefeiert
- unter seinem Vorsitz. Er selbst feiert die Nacht hindurch mit Gattin und
Hofdamen; man soll von diesem Fest noch lange erzählen, von dieser Hymne an
die Freude. In diesem Reich herrscht eine tiefe Ehrfurcht vor dem
kostbarsten aller göttlichen Geschenke: dem Leben. Solch einen Vater wünscht
Du Dir, wenn Du unter diesem Sonnenstand geboren bist. Du bist bereit,
erwartungsvoll und ehrfurchtsvoll aus der Wiege aufzuschauen: mein Vater!
Ich liebe Dich von ganzem Herzen, weiß ich doch, dass Du in Wahrheit ein
göttlicher, königlicher Vater bist. Ich werde mit aller Kraft versuchen, Dir
ein würdiger Königssohn oder eine würdige Königstochter zu sein. Sieh mich
an! Ich möchte so sehr, dass Du stolz auf mich bist! Ich brauche Deine
Anerkennung, Dein Ja zu mir, wie die wärmenden Strahlen der Sonne! Und ich
möchte stolz auf Dich sein können, Du darfst mich nicht enttäuschen! Ich bin
bereit, Dir alles zu glauben, was Du sagst; ich bin bereit, Dich total zu
akzeptieren; weil Du mein Vater bist! Hoffentlich erweist sich der reale
Vater für diese Projektion des Löwe-Kindes als gute Leinwand. Nirgends,
außer bei Schütze-Sonne, kann der Vater tiefer fallen in der Achtung von
Sohn oder Tochter als hier; nirgends ist nämlich das Podest, auf das man ihn
zu stellen bereit ist, höher. Das wiederholt sich natürlich oft bei anderen
Repräsentanten des Vater-Archetyps: bei Lehrern, Gurus und Vorgesetzten; bei
der Frau spielt sich dieses Drama mit Männern ab. Mit dem Sturz des äußeren
Vaters ist eine tiefe Identitätskrise verbunden, als ob damit der Glaube an
die positive Vater-Gottheit insgesamt zugrunde ginge. Dieser Sturz
ermöglicht aber, die Löwe-Projektion von äußeren Vätern zurückzunehmen, um
sich dem wahren, inneren Vater zuwenden zu können. Und der wird Dich nicht
enttäuschen. Der Zen-Spruch "Triffst Du Buddha unterwegs, töte Buddha" ist
hier angebracht, sonst bleibst Du stecken in ewiger Sohn- bzw.
Tochterhaltung, immer bereit, den Meister außen zu suchen, statt in Dir. An
dieser Stelle sei nochmals an das Märchen vom Königssohn erinnert. Die
Begegnung mit dem Riesen ist laut H. Remmler als Auseinandersetzung mit dem
Riesen-Schatten des Vaters zu verstehen. Dem Großen Vater etwas beweisen zu
wollen, ist ein wichtiges Löwe-Selbstfindungsmotiv, für Männer, wie auch für
Frauen. Vor allem, wenn der Vater auch in der Realität ein mächtiger Mann
ist. Wenn solch ein Vater auch noch sagt: "das schaffst Du nie!" wird sich
ein Löwe-Held mit Sicherheit auf den Weg machen, das Gegenteil zu beweisen.
Nur, er handelt in diesem Moment nach einem Fremdskript, er holt den Apfel
nicht für sich selbst, sondern für den Riesen. Es ist für jeden Helden
wichtig, irgendwann im Leben unterscheiden zu lernen, ob er seine
Heldentaten in Eigenregie auswählt oder immer noch als ferngesteuerter Sohn
des Vaters; ob er sich etwa einen Doktortitel zulegt, weil es sein Bedürfnis
ist oder, weil der Vater auch Doktor ist. Zunächst aber ist es legitim und
normal, sich an einer großen Vaterfigur zu orientieren, egal, ob es sich nun
um den leiblichen Vater oder um einen Vaterstellvertreter handelt; es ist
jedenfalls beizeiten durchaus gut, einem äußeren Meister zu folgen. Bhagwan
meint dazu, der Meister sei wie ein Boot, das Du benutzen kannst, um einen
Fluß zu überqueren; dann kannst Du das Boot in Liebe und Dankbarkeit
zurücklassen. Es ist auch die Siegesgewißheit der Ich-kann-alles-Haltung in
der ersten Lebenshälfte nicht nur kein Fehler, sondern ein Geschenk.
"Vertraut Ihr Euch selbst, so vertraun Euch andre Seelen!" Dieser Satz
illustriert das Geheimnis des Löwe-Erfolgs. Wenn ein Held mit zwanzig oder
dreißig Jahren sagt "ich kann alles, wozu ich Lust habe", ist das in
Ordnung.
Derselbe
Satz von einem Fünfzig- oder Sechzigjährigen gesagt, wirkt peinlich.
Potenzbeweise alternder Löwen sind oft entwürdigend, ein wahrer Löwe
versteht auch zu altern wie ein König. Als Frau wirst Du, wie schon
angedeutet, den König zunächst im Mann suchen; zumindest legt das alte
patriarchale Beziehungsmodell das nahe. Als echte Vatertochter wird es Dich
zu den "großen Männern" ziehen. Im positiven Sinne zu echten
Persönlichkeiten, zu Männern, die einfach sie selbst sind, ein Herz haben
und in ihrer Beziehung zu sich selbst unbestechlich sind. Oder Du
entwickelst ein "Mann-von-Welt-Syndrom", suchst Dir den exponierten Mann und
sonnst Dich als Frau an seiner Seite in seinem Glanz - völlig darauf
vergessend, dass Du es bist, die die Sonne im Zeichen Löwe hat. Wie auch
immer Du Beziehung lebst, vergiss nicht, dass der Sonnenkönig IN DIR leben
will und soll; finde und definiere Dein eigenes Königreich, finde Deine
Bühne, auf der Du die Hauptdarstellerin bist. Sonst besteht, neben der
Tatsache, dass Dein wahres Selbst nie zum Vorschein kommt, die Gefahr, dass
Du Deine Partner mit Deinen grandiosen Erwartungen permanent überforderst,
sie zum Beispiel in eine Karriere puschst, die gar nicht ihr Ding ist.
Selber machen!
Ob Mann
oder Frau, wenn Du mit einer Löwe-Sonne geboren bist, ist es wichtig, wie Du
das grandiose Sonnenmotiv für Dich im Lebensalltag Realität werden lässt.
Vielleicht wird Dich lange Zeit eine Sehnsucht nach Ruhm und Geltung
begleiten, nach äußerem Reichtum und Luxus. Ob diese Wünsche in Erfüllung
gehen werden, steht in keinem Horoskop. Aber selbst, wenn Du im Lotto
gewinnst, die innere Sonne ist dadurch nicht ersetzbar. Du wirst dann eben
nur ein "armer Reicher" sein, solange Du Dir den Reichtum Deines Herzens
nicht erworben hast, ebenso wie Du im umgekehrten Fall ein "reicher Armer"
sein kannst.
Hier fällt
einem unwillkürlich ein Filmheld ein, der wunderbare Grieche Alexis Sorbas;
er besitzt die Löwe-Weisheit: unabhängig von der äußeren Realität lebt er
total im Moment und feiert das Leben selbst dann, als es ihm Katastrophen
beschert. Seine mit dem letzten Geld und in monatelanger Arbeit erbaute
Transportkonstruktion für Baumstämme kracht zusammen und er tanzt am Strand
und meint: "Hast Du jemals etwas so schön zusammenkrachen sehen?" Wahre
innere Größe zeigt sich eben in Momenten der Niederlage; denn Siegen ist
leicht. Es gibt eine Geschichte, in der Gott die zwölf Tierkreiszeichen auf
die Erde schickt und jedem einen bestimmten Auftrag erteilt. Dem Löwen sagt
er: "du sollst der Welt von der Großartigkeit meiner Schöpfung künden, aber
vergiß bitte nicht, daß es meine Schöpfung ist und nicht Deine". Ein
Löwe-Mann sagte einmal: "ich glaube nicht an Gott, weil dann müsste ich
zugeben, dass es etwas gibt, das größer ist als ich". Das ist der springende
Punkt. Sicher ist es wichtig für den Löwen, sein großartiges "Ich" zu
entdecken und heranwachsen zu lassen, aber an irgendeinem Punkt endet seine
Entwicklung, wenn er nicht erkennt, dass andere Egos genauso potent sind wie
das seine; das wäre für ihn die Integration des Gegenpoles Wassermann. Das
Selbstverständnis des Wassermanns könnte man mit folgenden Worten zum
Ausdruck bringen: "einsam wie ein Baum, brüderlich wie ein Wald". Für den
Löwen gälte es, daran zu begreifen, dass nicht der einzelne Baum das
wirklich Große ist, sondern der Wald. C.G. Jung würde in diesem Zusammenhang
vom "Selbst" sprechen, das größer ist, als das bewusste "Ich", weil es das
Bewusste und das Unbewusste enthält. Die Ahnung dieses Selbst, die gespürte
Anbindung an dieses, ist dem Löwen durch die Löwe-Färbung seiner Sonne
sozusagen in die Wiege gelegt; aber die damit gegebene Wesensverwandtschaft
des kleinen persönlichen Ichs mit dem großen Selbst beinhaltet neben dem
Segen auch einen Fluch.
Allzu sehr
ist der Löwe-Mensch der Versuchung ausgesetzt, sein Ich mit dem Selbst zu
identifizieren, sei Ego als absolut zu setzen und zu leugnen, dass es etwas
geben kann, was darüber hinaus geht. Erst die Annahme der
Wassermann-Weisheit kann den Löwen aus dieser Sackgasse herausführen. Oskar
Adler bezeichnet Löwe als das Zeichen des Siegers. Mehr als allen anderen
Tierkreiszeichen kann man Dir als Löwen oder Löwin sagen: "Der größte und
schwierigste Sieg ist der Sieg über Dich selbst". Eine der Aufgaben des
Herakles war es, den nemeischen Löwen zu bezwingen. Dies konnte erst in der
allernähesten Annäherung geschehen, da keine menschlichen Waffen dem Löwen
etwas anhaben konnten; Herakles erwürgte ihn. Danach gelang es dem Helden
weder mit einem Messer, noch mit einem scharfen Stein, das Fell des Tieres
abzuziehen. Dies war erst möglich, als Herakles dessen Klauen dazu benutzte.
Auf das
heutige Ringen einer Menschenseele mit dem Löwen übersetzt mag das
vielleicht heißen: keine gutgemeinten Ratschläge von Freunden und keine
therapeutischen Interventionen können wirksam dazu beitragen, dass in die
alte Löwen-Haut der neue Herr einzieht; nur der Löwe kann den Löwen
besiegen. Dies gilt natürlich für jeden Menschen, egal welchen
Tierkreiszeichens, dass der wahre Retter oder Heiler aus dem eigenen Inneren
kommt, aber nirgends wird das Aufscheinen oder Nichtaufscheinen dieser
inneren Kraft so dramatisch offenkundig wie beim Löwe-Menschen; denn auf der
Bühne des Lebens ist er ein Hauptdarsteller, und wenn er auftritt, sind alle
Scheinwerfer auf ihn gerichtet. Wenn Deine Löwe-Sonne im Horoskop schwer
verletzt ist, wenn Du einen brutalen oder herrschsüchtigen Vater gehabt
hast, wenn Du gar keinen Vater erlebt hast, wenn Du gar kein Löwe bist und
von einem grandiosen Löwe-Vater viel Demütigendes erfahren hast, wenn es in
Deinem Herzen schreit "Vater, warum hast Du mir das angetan?" dann gehe in
die Tiefe Deines Herzens und suche lange und gründlich; denn irgendwann,
vielleicht in einem stummen Augenblick, vielleicht, als Du noch gar nicht
geboren warst, hast Du von ihm die stille Botschaft seines Herzens erhalten
"Du bist mein einzig geliebter Sohn! Du bist meine einzig geliebte Tochter!"
- dieser Satz ist das ununterdrückbare Erbe der Väter - und was auch immer
geschehen sein mag, berge den kostbarsten Schatz Deines Herzens, entdecke
Deine Liebe zu Deinem Vater; im alten Ägypten war der Vater der
Stellvertreter Gottes auf Erden, er symbolisiert die unendliche Liebe zu
dem, was in Dir steckt, was Du bist und was Du werden kannst, so wie die
Mutter das unendliche liebevolle Verstehen und Annehmen dessen ist, woher Du
kommst und was Deine Bedürfnisse und Unzulänglichkeiten sind! Sei wie Du
bist! Sei Du selbst! Wenn Gott Dich anders gewollt hätte, hätte er Dich
anders gemacht!
Text von
Günther Staimer, Dozent der Riemann-Schule
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