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Löwe
23.7.-22.8.
  CD-Inhaltsangabe und Hörproben

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Ausführliche Beschreibung des Löwe-Prinzips

 

 
CD, € 14.90
 
Ein Löwe-Märchen:

Dermot mit dem Liebesfleck

Einst begab es sich, daß Dermot O'Dyna mit drei seiner Gefährten auf die Jagd zog. Es waren Gol, Conan und Oscar. Sie gehörten alle vier dem Freikorps der Fianna an, dessen Führer der große Finn MacCumhal war. Die vier waren so von Jagdleidenschaft besessen, daß sie von der Nacht und von einem Unwetter überrascht wurden, weit weg vom Lager der Fianna. So machten sie sich auf, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Nach einiger Zeit kamen sie in ein Tal, das noch keiner von ihnen gesehen hatte und sahen dort eine einsame Hütte, aus deren Schornstein der Rauch stieg. Dermot stieß schon von weitem den Ruf der Freundschaft aus, um die Bewohner nicht zu erschrecken. Da trat ein alter Mann aus der Hütte, begrüßte sie würdevoll und hieß sie willkommen. Die vier traten über die Schwelle, und in der Hütte empfing sie ein helles Feuer, an dem ihre Kleider bald trockneten. Der alte Mann aber wohnte nicht allein in der einsamen Hütte. Ein wunderschönes junges Mädchen wohnte bei ihm. Ihr Antlitz leuchtete wie der Mond, und ihr kupfernes Haar fiel ihr bis zu den Hüften. Sie war so schön, wie die Helden noch keine Frau gesehen hatten. Außerdem aber waren in der Hütte noch eine Katze und ein prächtiger Hammel.

Das schöne junge Mädchen hängte gleich nach dem Eintritt der vier späten Gäste einen großen Topf übers Feuer. Auf den Tisch legte sie vier hölzerne Teller und Löffel, und den hungrigen Helden lief das Wasser im Munde zusammen. Endlich stand die Suppe auf dem Tisch, und die schöne Jungfrau lud sie mit einer Handbewegung ein, Platz zu nehmen. Die Männer ließen sich das nicht zweimal sagen, setzten sich auf die Schemel um den Tisch und wollten zu speisen beginnen. Doch siehe, ehe sie noch den ersten Bissen zum Munde geführt hatten, erhob sich mit einem Mal der Hammel aus seiner Ecke und sprang mit einem Satz auf den Tisch, ohne Topf und Teller umzustoßen. Dies erschien den Männern höchst sonderbar. Sie konnten auch keinen Löffel zum Munde führen, denn der Hammel verwehrte es ihnen. Der alte Mann war inzwischen mit seiner schönen Tochter in den Nebenraum gegangen, um den vier Gästen das Nachtlager zu richten. Ärgerlich versuchten die Männer den Hammel vom Tisch zu vertreiben, doch jedes mal wenn sie zupackten, stieß der Hammel so kräftig zu, daß die vier Recken, einer um den anderen, zu Boden rollten.

Schließlich glückte es Gol, den Hammel bei den Hinterbeinen zu packen und mit einem Ruck vom Tisch zu reißen. Doch das sollte ihnen schlecht bekommen. Der Hammel war jetzt so zornig und teilte nach allen Seiten so harte, furchtbare Stöße aus, daß nach wenigen Augenblicken die Helden betäubt am Boden lagen und der Hammel auf ihnen stehend triumphierte. Wie die vier nun so jammervoll am Boden lagen, erschien aus dem Nebenraum der Alte.

»Ach«, rief er, »hat unser Hammel wieder einmal seinen Übermut bewiesen?« Und er sprach zu der Katze: »Binde den Hammel fest, damit er nicht weiteres Unheil anrichtet. «

Auf die Worte des Alten, der den vier auf einmal riesengroß und gewaltig vorkam, sprang die Katze dem Hammel in den Nacken, führte ihn zu seinem Winkel und band ihn dort fest. Ächzend erhoben sich die vier Recken vom Boden und rieben ihre Beulen. Scham und Ärger erfüllte sie; zugleich waren sie aber auch verwirrt, sie glühten vor Zorn. Als nun auch noch die schöne Jungfrau in den Raum trat und versteckt lächelte, sprach Dermot: »Alter, wir wollen hier bei euch nicht bleiben. Noch nie sind wir so erniedrigt worden, dazu noch vor den Augen deiner schönen Tochter, dein Haus ist verhext. Wir wollen trotz Nacht und Unwetter versuchen das Lager der Fionna zu erreichen.«

Da sprach der Alte. »Ihr braucht euch nicht zu schämen, Freunde, denn ihr seid keinem gewöhnlichen Hammel erlegen, und die Katze, die euch übertroffen hat, ist keine gewöhnliche Katze. Bleibt also ruhig die Nacht bei uns, diese Niederlage braucht eurem Ansehen als tapfere und große Krieger nicht zu schaden.«

»Ja, bleibt«, fügte die Jungfrau hinzu und blickte Dermot aus ihren großen Sternenaugen bittend an. Dermot senkte das Haupt, denn er konnte diesen Augen schwer widerstehen. Doch Gol war nicht so leicht zu beschwichtigen, er rief: »So einfach sind wir nicht abzufertigen. Wer weiß, was für Demütigungen uns hier noch erwarten. Sage uns, wer es ist, der uns so schmählich hat versagen lassen.«

»Wenn ihr so gekränkt seid«, erwiderte der Alte, »will ich das Geheimnis lüften. Der Hammel, das ist die Welt - die Welt mit ihren Kräften und Mächten. Sie ist stärker als ihr, und ihr unterlegen zu sein, braucht euch nicht zu beschämen. Die Katze allerdings ist das einzige Wesen, dem die Welt nicht standhält. Es ist die einzige Gewalt, welche die ganze irdische Welt unter ihre Botmäßigkeit zwingt. Die Katze ist nämlich der Tod.«

»Der Tod?« sprachen die vier entsetzt.

»Fürchtet euch nicht«, tröstete die schöne Jungfrau, »der Tod schläft, solange ihr unter unserem Dach weilt. Setzt euch wieder zu Tisch, die Suppe wird euch jetzt schmecken.«

Die Männer fühlten wie mit einem Zauberschlag jeglichen Ärger weichen. Noch nie war ihnen ein weibliches Wesen so schön und so verführerisch erschienen. Sie vergaßen das Geschehene, setzten sich schweigend zu Tisch und verzehrten wortlos ihr Mahl. Dann sprach der Alte:

»Wir haben nur drei Räume, wir sind einfache Bauern. Hinter dem Verschlag hausen das Vieh und unsere anderen Tiere. Hier in dem großen Raum, beim Feuer, schlafe ich, denn ich bin der Herr des Hauses und uralt und brauche Wärme. Ihr müsst also mit dem dritten Raum vorlieb nehmen, in dem meine Tochter schläft. Wir haben euch dort ein weiches Strohlager bereitet. Des Mädchens Bett steht neben der Tür. Vier Helden der Fianna sind wohl über jeden Zweifel erhaben, der Ehre eines unschuldigen jungen Mädchens zu nahe zu treten. Kommt nun und legt euch nieder.«

Der Alte zog einen brennenden Span aus dem Feuer und leuchtete ihnen voran in den Nebenraum. Dort erwartete sie eine üppige Schütte duftenden Gerstenstrohs. Die vier bedankten sich und legten sich darauf nieder. Doch trotz des langen Tages schliefen sie nicht ein. Sie waren ja junge Männer und Helden, und die Erwartung, daß sich die wunderschöne Jungfrau in der gleichen Kammer nur wenige Schritte entfernt zur Ruhe legen würde, hielt sie wach und brachte ihnen Unruhe ins Blut.

Nach einiger Zeit erstrahlte in dem nachtdunklen Raum plötzlich ein sanftes Licht. Die Männer erkannten, daß das Licht von dem schönen Mädchen ausging, das die Kammer betreten hatte. So groß war ihre Schönheit, daß sie selbst noch in der Dunkelheit, wie ein nächtliches Feuer hinter fernen Bergen, schimmerte. Die Schöne entkleidete sich und legte sich auf ihr Lager. Gol war schließlich der erste, über den sein Verlangen Gewalt bekam. Er erhob sich leise und schlich zu dem Lager der Jungfrau. »Laß mich zu dir, schönster Glanz. Ich will, daß du mein wirst. Der Schlaf bleibt mir beharrlich fern«, sprach er zu ihr. Die Jungfrau wandte ihm ihre schönen, großen Augen zu und flüsterte: »O Gol, einmal habe ich dir schon gehört, und niemals wieder darf es sein. Ich weise dich ab; geh, leg dich nieder!« Zähneknirschend tappte Gol zu seinem Lager zurück und streckte sich stöhnend wieder aus.

Oscar hatte gemerkt, daß sein Waffenbruder bei der Schönen kein Glück gehabt. Er dachte: »Vielleicht hab ich mehr Erfolg.«

Leise schlich er sich zu dem Lager des Mädchens, aber ehe er noch ein Wort herausgebracht hatte, sprach sie schon mit leiser, bestimmter Stimme: »Auch dich kann ich nicht empfangen, Oscar. Auch deine Liebste bin ich schon gewesen. Doch das ist vorbei, und nie wieder kann es sein.«

Nach einer Weile versuchte Conan sein Heil. Er meinte es besonders klug anzufangen. Er sprach mit schmeichelnder Stimme: »Schöne Feentochter, niemand belauscht uns. Unwiderstehlich ist deine Anmut. Du bist so schön, wie die Morgenwolken über Slieve Bloom. Wenn du dich mir ergibst, will ich dein Lob singen, bis an mein Lebensende.«

»Lieber Conan«, antwortete die Schöne, »deines Lobes bedarf ich nicht. Ich bin, wie ich bin, auch ohne dein Lob. Ich mag dich nicht mehr, nachdem ich dir schon einmal gehört. Du kannst dich wieder zum Schlafen niederlegen.«

Conan fluchte leise, doch dann wandte er sich um und ging wieder zu den Gefährten zurück.

Dermot hatte heimlich das Mißgeschick der drei anderen beobachtet. Als nun die drei enttäuscht in Schlaf versunken waren, dachte er: »Wenn sie einen von uns gemeint hat, so kann nur ich es sein«, und er schritt leise zu dem Lager der so heftig Begehrten. Das Mädchen hatte sich im Bett aufgerichtet und bückte Dermot mit ihren großen, sterngleichen Augen strahlend entgegen. Ihr kupferrotes Haar fiel über ihre schönen Brüste. Dermot verschlug der Anblick den Atem, er brachte kein Wort hervor. Das Mädchen aber breitete die Arme aus und flüsterte: »O Dermot, mein Liebster, mein Schönster, auf dich warte ich. Wie gern würde ich dir gehören, aber auch dir muß ich mich versagen, denn auch dir habe ich schon einmal gehört, und nie kehre ich zu denen zurück, die ich einmal besucht habe. Du mußt wissen, wer ich bin und wie ich heiße. Mein Name ist "Jugend" und ich gehöre jedem Menschen nur einmal. Aber ich liebe dich, Dermot, und es fällt mir schwer wie noch nie, dich abzuweisen. Doch nicht ohne ein Zeichen meiner Gunst sollst du von mir scheiden. Beuge dein Haupt zu mir hernieder.«

Dermot gehorchte mit brennendem Herzen, und zärtlich strich ihm die Jugend über seine Stirn. »Ein Mal habe ich in deine Stirn geprägt, lieber Dermot. Von nun an werden kein Mädchen und keine Frau dich anschauen können, ohne dich zu lieben. Leb wohl, Dermot, und laß mich allein.«

Da erlosch der Glanz, und im Dunkeln tastete sich Dermot zu seiner Schlafstelle zurück. Sein Herz war schwer, und er tat kein Auge zu in dieser Nacht, so müde er auch war.

Fortan aber vermochten die Frauen und Mädchen Dermot nicht zu widerstehen. Wenn er sie nur anblickte, fielen sie ihm zu, wie Blumen vor der Sichel fallen. Denn seit jener Nacht war er "Dermot O'Dyna mit dem Liebesfleck".