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Schütze
22.11.-20.12.
  CD-Inhaltsangabe und Hörproben

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Ausführliche Beschreibung des Schütze-Prinzips

Schütze-Märchen:
Der Elbenkönig

Der getreue Johannes

 
CD, € 14.90
 
Ein Schütze-Märchen:

Der Elbenkönig auf Selö

Eines Sommers konnten die Leute von Holmar, die zum Fischen auf Selö waren, nicht alle getrockneten Fische nach dem Festland bringen, weil das Wetter zu schlecht wurde. Erst im Herbst wurde das Seewetter wieder gut, und sie holten den Rest. Dabei ging einer von ihnen, und zwar der Knecht des Pfarrers, nach der anderen Seite der Insel. Er wollte sehen, ob dort vielleicht etwas an den Strand gespült worden sei. Da schlug das Wetter wieder um, die andern beeilten sich heimzukommen und ließen den Mann zurück. Nasser Schnee fiel; der Mann ging zur Fischerhütte, hatte nichts zu essen und gab sein Leben verloren. Als er wieder aus der Hütte trat, sah er vor sich einen freundlichen Stern. Aber er sagte sich, ein Stern könne das bei diesem Schneewetter nicht sein. Er hielt es für ein erleuchtetes Fenster, lief hin und kam an ein Haus, so prächtig wie eine Königshalle.

Da hörte er, wie drinnen jemand sagte: »Ja, denkt euch, ihr Mädchen, da ist der arme Kerl, den sie heute auf der Insel zurückgelassen haben, an unser Haus gekommen; geht, holt ihn herein, er soll nicht vor meiner Tür sterben! «

Da kam ein junges Mädchen heraus, führte ihn hinein und hieß ihn die Schneekleider ablegen. Sie gingen eine hohe Treppe hinauf in einen schönen gold- und edelsteingeschmückten Saal. Da saßen viele Frauen, und eine war die schönste von allen. Er begrüßte sie alle höflich, und sie antworteten freundlich. Dann führte ihn das schöne Mädchen in eine kleine prächtige Kammer, brachte ihm Wein und Speisen und ging wieder fort. - Wo sein Schlaflager war, wird nicht erzählt. - Am Morgen kam das Mädchen und sagte, sie könne ihm nicht selber Gesellschaft leisten, brachte ihm aber allerhand Dinge zum Zeitvertreib.

So verstrich der Winter bis Weihnachten. Am Heiligen Abend kam das schöne Mädchen zu ihm und sagte: »Wenn du glaubst, daß ich dir Gutes erwies, dann erfülle mir eine ßitte. Morgen wird Tanz sein, mein Vater wird mich zum Zuschauen hinausrufen. Da darfst du nicht neugierig sein und nicht zum Fenster hinaussehen. Drinnen hast du Kurzweil genug. «

Das versprach er ihr auch. Und am Weihnachtsmorgen brachte sie ihm Speisen und Wein und allerhand Dinge zum Zeitvertreib, und dann ging sie wieder.

Alsbald hörte er Gesang und Saitenspiel. Er dachte sich, das müsse ein großes Vergnügen sein, konnte nicht lange widerstehen, kletterte zum Fenster hinauf und sah hinaus. Eine große Menge Leute tanzte und spielte allerhand Saitenspiel. Mittendrin saß ein königlicher Mann mit einer Krone auf dem Haupt, rechts und links von ihm eine Frauengestalt. Er meinte, dies sei der König nebst Gemahlin und Tochter, denn die erkannte er gut. Dann verließ er das Fenster, der Tanz dauerte bis zur Nacht.

Aber als das Mädchen am Abend zu ihm kam, war sie ungewöhnlich still, sagte, er habe sein Versprechen nicht gehalten, doch habe ihr Vater zum Glück noch nichts davon gemerkt.

Nun ging es so bis Neujahr, und am Silvesterabend sagte sie ihm wieder, morgen gehe sie mit ihrem Vater zum Tanz, und er solle bestimmt an sein Versprechen denken. Er gelobte es hoch und teuer; sie brachte ihm Wein und Speisen und allerhand Kurzweil und verließ ihn dann. Am Morgen begann ein noch größerer Festjubel als zu Weihnachten. Erst saß der Bursche ruhig da, aber dann konnte er nicht länger widerstehen und sah hinaus. Der Tanz war noch schöner, und viele prächtige Ritter bewegten sich vor dem Königspaar. Dann verließ er das Fenster schnell und glaubte, es habe ihn niemand gesehen.

Als die Königstochter aber am Abend kam, war sie sehr unwillig und machte ihm heftige Vorwürfe. Trotzdem blieb sie gut zu ihm wie zuvor.

So verstrich der Winter bis zum Osterfest. Am Ostersonnabend bat sie ihn freundlich, doch ja nicht neugierig zu sein, auch wenn die Freude draußen noch so groß sei. Denn wenn ihr Vater merke, daß sie einen Mann bei sich habe, sei ihr Leben verloren.

Am Ostermorgen brachte sie ihm wieder alles, was er sich nur wünschen konnte. Das Fest fing laut und fröhlich an wie früher. Schließlich wurde ihm die Einsamkeit langweilig, und er ging in das nächste Zimmer. Wenn er dort hinausblicke, glaubte er, werde sie es nicht merken. Er sah schnell hinaus und sah dasselbe wie zu Neujahr. Dann hielt er sich in seiner Kammer auf, bis das Mädchen zu ihm kam.

Sie aber war zornig und sagte: »Du hast mich betrogen wie das erstemal. Wie viel mein Vater weiß, kann ich nicht sagen, aber schon ist er unfreundlicher gegen mich als sonst. Ich dachte nicht, daß du so wenig treu sein könntest, aber du wirst es später in anderen Dingen gewiß ebenso wenig sein.«

Nun ging es auf den Sommer zu, und am letzten Winterabend kam sie zu ihm und sagte: »Morgen kommen die Leute vom Festland, um dich zu holen, und deshalb sollst du zu der Fischerhütte gehen. Aber wenn du mir ein wenig dankbar dafür bist, daß ich dich im Winter versorgt habe, so bitte ich dich, als Vater das Kind anzuerkennen, das ich bekommen werde, sonst ist mein Leben verloren, und der König läßt mich töten, wenn ich dem Kinde keinen Vater geben kann; andernfalls wirst du mir das Leben schenken.«

Um nichts anderes und nur um dies eine bat sie ihn: »Möchtest du mir doch darin treu sein!«

Der Mann versprach es hoch und teuer.

Sie nahmen Abschied, er dankte ihr für alles und ging. Als er sich kurz darauf umsah, war die Halle verschwunden. Nur steinige Hügel und Felsblöcke waren da, und er ging nach der Fischerhütte. Es war gutes Wetter, und bald sah er ein Schiff kommen. Als die Leute landeten, ging er ihnen entgegen. Sie fürchteten sich, als sie ihn erblickten, denn er war dick und rund, und sie glaubten daher, er sei ein Gespenst, sie meinten, er sei im Winter gestorben. Sie wagten nicht, mit ihm zu reden oder zu ihm zu gehen. Schließlich stieg der Vormann an Land und fragte ihn, ob er ein lebendiger Mensch oder ein Wiedergänger sei oder ob er der Mann sei, den sie im Herbst auf der Insel zurückgelassen hätten.

Er sagte, er sei der nämliche Mann.

Ja, wieso er nicht verhungert sei?

»Nun, der Seetang von Selö ist auch nicht schlechter als die Wassergrütze von Holmar«, sagte der Inselmann.

Mehr wollte er nicht erzählen, ging an Bord, und sie ruderten heim. Alle verwunderten sich, daß er noch am Leben war, aber die Leute bekamen nichts aus ihm heraus.

Eines schönen Sonntags spät im Sommer waren viele Leute zur Kirche gekommen, und auch der Knecht war beim Gottesdienst. Aber als sie alle in der Kirche beisammen waren, der Pfarrer mit der ganzen Gemeinde, stand plötzlich eine Kinderwiege vor dem Altar, und eine goldgestickte Decke war über das Kind gebreitet. Kein Mensch war dabei zu sehen, nur eine schöne Frauenhand ruhte auf dem Wiegenrand. Darüber verwunderten sich alle und sahen einander an.

Der Pfarrer aber ergriff das Wort und sagte: »Dies Kind will getauft werden, es wird wohl irgend jemand hier in der Kirche sein, dem es zugehört. Am ehesten wird das wohl der Knecht sein, man wird es ihm jetzt von Selö hergeschickt haben.«

Der Knecht aber leugnete alles ab.

Der Pfarrer wollte es trotzdem auf den Namen des Knechtes taufen, der jedoch wies das auf das entschiedenste von sich und sagte, er habe mit der Angelegenheit nichts zu tun.

Der Pfarrer meinte, ohne irgendeine menschliche Hilfe könne er doch nicht auf der Insel überwintert haben. Der Knecht aber sagte: »Ich werde das Kind nie und nimmer als das meinige anerkennen«, und er verbot dem Pfarrer, es auf seinen Namen zu taufen.

Da verschwand das Kind; ein lautes Weinen war vernehmbar, und man hörte, wie der Klagelaut sich aus der Kirche entfernte. Der Pfarrer und alle Leute gingen dem Weinen nach. Sie hörten, wie es sich in der Richtung nach der See zu verlor. Die kostbare Decke aber lag auf dem Boden und war auf Holmar noch lange Zeit in Gebrauch.

Die Leute wunderten sich alle über den Vorfall, und am meisten war der Pfarrer davon bewegt. Der Knecht ist später in Schwermut verfallen. Und als ihn der Pfarrer nach der Ursache fragte, erzählte er ihm, daß er den Winter über bei einem König und seiner Tochter geweilt und wie es ihn sein Leben lang gereuen würde, das Kind nicht anerkannt zu haben. Der Knecht wurde niemals wieder derselbe wie früher, und damit schließt die Geschichte vom Elbenkönig auf Selö.