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Steinbock
21.12.-19.1.
  CD-Inhaltsangabe und Hörproben

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Ausführliche Beschreibung des Steinbock-Prinzips

 

 
CD, € 14.90
 
Ein Steinbock-Märchen:

Die zwölf Brocken

Es war einmal ein Zar, dem starb seine Frau, und er blieb als Witwer zurück mit einem kleinen Knaben, der, wie alle kleinen Kinder, viel weinte. Einmal schickte sich der Zar an, auf die Jagd zu gehen, aber der Kleine hing an seinem Hals und weinte noch stärker als sonst. Dem Zaren tat das sehr leid, und er beschloß, des kleinen Kindes wegen wieder zu heiraten, damit die zweite Frau für das Kind in seinem Palaste Sorge trage. Dann beruhigte er das Kind, so gut es gehen wollte, und ging auf die Jagd. Unterwegs traf er im Gebirge an einer Quelle eine schöne und kräftige Frau, die Wasser schöpfte in zwölf Kürbisflaschen. Der Zar verwunderte sich darüber und fragte die Frau, warum sie das tue.

Sie antwortete: »Das tue ich, um mich damit zu ernähren; für jede Flasche bekomme ich einen Brocken Brot und so verdiene ich jeden Tag zwölf Brocken.«

Der Zar fragte weiter, ob sie daran genug habe, und sie antwortete: »Das wäre sogar zuviel, aber ich lasse erst meine junge Tochter davon essen, dann nehme ich selbst, und so reicht es gerade für uns aus. «

Da wunderte sich der Zar noch mehr, und da sie jung und hübsch war, kam er auf den Gedanken: Die wäre gut für sein Haus und sein Kind. Darauf gab er ihr kund, daß er der Zar des Landes sei, und fragte sie, ob sie seine Frau werden wolle. Sie ging sogleich darauf ein, und der Zar führte sie in seinen Palast und heiratete sie, und sie wurde die Zarin. Ihre Tochter war noch jünger als der Sohn des Zaren, die Kinder aber vertrugen sich gut miteinander und hatten sich sehr lieb. Wenn der Zar etwas besonders Schönes bekam, schenkte er es den Kindern, und die teilten es redlich und lieb unter sich. Der Zarin aber wurde ein solches Leben unlieb, denn sie hatte den Gedanken gefaßt: Warum soll neben meinem Kinde auch noch das fremde Kind alles Gute mitgenießen? Darum beschloß sie, den Vater mit dem Sohne zu verfeinden. Das Böse, das sie ersonnen hatte, führte sie auch bald aus. Sie fing an, dem Zaren vorzuerzählen, wie sie jede Nacht schreckliche Träume habe: sein Sohn habe den Zaren vom Thron gestoßen und sie alle zu Tagelöhnern gemacht. Der Zar geriet durch dieses Gerede in Unruhe, und als die Frau nicht aufhörte, ihm den Kopf voll zu reden, entschloß er sich, seinen Sohn aus dem Hause zu jagen. Da mußte der Erbprinz, der schon ein ziemlich großer Junge war, Bettlerkleider anziehen und in die Fremde gehen, und es tat ihm sehr weh, daß sein Vater ihm das antat.

Auf seiner Wanderung machte er einmal bei einer Höhle halt, in der ein Einsiedler lebte, der war ganz alt und weißbärtig. Um Mitternacht hörte der Zarensohn ein Wehklagen aus der Höhle und erschrak darüber, faßte sich aber schnell und überlegte: »Wer es auch sei, es klagt nicht aus Mutwillen, sondern aus schlimmer und großer Not.« Darum ging er zu der Höhle und sah den Einsiedler, wie er ächzte, krank und durstig. Da lief der Zarensohn schnell an den Bach, schöpfte Wasser in die hohle Hand und stieg wieder zu der Höhle hinauf. Auf dem Wege fiel er hin und zerschlug sich das Knie, brachte aber doch dem Alten etwas Wasser in der hohlen Hand.

Da freute sich der Alte sehr und sprach: »Mein Sohn, ich seufze nicht deswegen, weil ich krank und durstig bin, sondern weil ich weiß, wie viel Bosheit und Elend es in der Welt gibt, jetzt aber freue ich mich, denn ich sehe, daß es doch noch Leute gibt, sogar in dieser Einöde, die menschliche Leiden mitfühlen. Darum verlange, was du willst, ich gebe es dir, wenn ich es irgend habe und kann.«

Da antwortete der Zarensohn: »Mich hat ein Kummer getroffen, und wenn du dagegen ein Mittel weißt, sage es mir, ich bitte dich.«

Der Einsiedler reichte ihm eine kleine Flöte und sagte: »Nichts ist leichter. Dies kleine Ding wird dich immer froh machen, und wenn dein Herz vor Freude zu tanzen anhebt, wird alles Lebendige um dich herum tanzen, solange die Flöte ertönt. «

Der Zarensohn bedankte sich bei dem Einsiedler, ging weiter und konnte kaum erwarten, bis er allein sein würde und anfangen könnte zu flöten. So ging er weiter und weiter, und als er sah, daß er ganz allein war, nahm er die Flöte und probierte; vor Freude begann ihm das Herz zu tanzen, und er bemerkte, wie in der Ferne ein Eichhörnchen nach seiner Flöte tanzte. Darauf wanderte er weiter, und die Zeit verging, bis er sich endlich bei einem reichen Mann zum Schafhüten verdingte. Oft kam ihn die Sehnsucht an, aber er hütete sich, zu flöten, wenn er mit den Schafen auf der Weide war, denn die Schafe würden zu weiden aufhören, wenn sie die Flöte hörten, und alle herumtanzen. Als er eines Abends mit seinen Schafen auf dem Heimweg war, hörte er von weitem Klagegesang, und als er zu Hause ankam, was mußte er sehen? Sein Herr war in der vergangenen Nacht auf einen Elfentanzplatz getreten, und die Elfenkönigin hatte ihm beide Augen ausgestochen; darum sangen er und die Seinigen Klagelieder. Da beschloß der Zarensohn auszuziehen und die Augen seines guten Herrn zu suchen. Seine Schafe ließ er zurück, nahm eine Tasche, tat Brot, Salz und Zwiebeln hinein, dazu die Flöte und ging der Spur nach, wie er es von seinem Herrn gehört hatte, sagte aber niemandem, was er vorhabe und wohin er gehe. Als er an dem Platz ankam, erschrak er; die Elfenkönigin hatte sich mitten im Gebirge auf einer Lichtung niedergelassen, und zwölf Elfen lösten und flochten ihr das Haar, das aber leuchtete im Mondschein wie lauter Gold. Er ging noch näher heran, die Elfen hörten auf, das Haar zu flechten, und die Königin, die halb geschlafen hatte, schlug die Augen auf. Da fuhr er schnell mit der Hand in die Tasche, zog die Flöte heraus und fing zu spielen an, erst leise, dann immer stärker und stärker. Vor Angst drehte sich ihm das Herz im Leibe um, aber die Elfen sahen sich an, brachen in ein lautes Lachen aus, stellten sich zum Reigen auf und fingen rasend zu tanzen an. Er flötete unaufhörlich, und schon ging ihnen der Atem aus. Die Königin rief aus: »Ach, ich kann nicht mehr!« Aber mach einmal einen aufhören, wenn er nicht will; sie konnte ihn nicht zum Schweigen bringen. Da merkten sie, daß sie bös angekommen waren, und riefen laut: »Wer du auch bist, wir bitten dich, hör auf! «

Er aber antwortete ihnen: »Sagt mir, wo die Augen meines Herrn sind. «

Die Elfenkönigin verschwor sich bei Himmel und Erde, daß sie seinem Herrn nichts getan habe, aber er ließ sich nichts vormachen. Da sagte sie ihm, er solle zu der Tanne gehen, über der der Mond am hellsten scheine, und von der Tanne eine goldene Umhängetasche herabschütteln; darin werde er eine silberne Dose, in der Dose die Augen finden, die er suche. Er tat so, wandte aber die Augen nicht von den Elfen, und sobald sie sich rührten, blies er die Flöte, und sie fingen wieder an, herumzuspringen. So kam er an die Tanne, schüttelte die goldene Tasche herab, fand in ihr die silberne Dose, in der Dose die Augen seines Herrn. Darauf begab er sich, vergnügt die Flöte spielend, nach Hause. Dort gab er seinem Herrn das Augenlicht zurück, und der, sobald er sehen konnte, umarmte seinen Diener und überschüttete ihn mit Gold und Kostbarkeiten. Der Diener aber sagte, er begehre nichts als ein gutes Pferd und tüchtige Waffen, denn er hatte Lust, in die Welt zu ziehen und Gutes zu tun. Der Herr gab ihm all das sehr gern, und so zog er in die Welt. Da verbreitete sich sein Ruf weithin, als eines Helden, der Kämpfe bestehe und die Armen beschütze. Jetzt begann man, ihn bald hierhin, bald dahin zu Hilfe zu rufen, und einmal kam ein solcher Ruf von seinem Vater, dem Zaren; der ließ ihm sagen: »Wir haben von dir und deinem Ruhm gehört, unbekannter Held, und bitten dich, uns um Gottes willen zu helfen; ein feuriger Drache ist gekommen und begehrt, daß wir ihm unsere Tochter geben und mit ihr unser ganzes Reich.«

Als der Zarensohn das gehört hatte, ging er hin und überlegte, was das für eine Tochter des Zaren sein könne, und vermutete, es sei keine andere, als die seine Stiefmutter ins Haus gebracht hatte und die so gut mit ihm gewesen war. So kam er in das Reich seines Vaters und begab sich gerade vor den Zarenpalast. Dort fand er alles, wie er es verlassen hatte, nur sein Vater war sehr gealtert, auch die Diener und die Stiefmutter. Ihre Tochter aber war zu einem wunderschönen Mädchen herangewachsen. Da kam auf einmal der feurige Drache heran, und als er den Zarensohn erblickte, fuhr er auf ihn los und rief schon von weitem: »Du bist gerade der, den ich schon lange suche.«

Feurige Pfeile flogen über ihn weg. Da warf der Zarensohn seine Lanze, aber sie brach mitten entzwei und tat dem Drachen nichts. So wurden ihm seine sämtlichen Waffen verdorben, und er stand mit leeren Händen da, der Drache aber lachte zuletzt und ging gerade auf ihn zu. Da ergriff der Zarensohn seine Flöte und begann zu spielen. Alles Lebendige ringsum fing an zu tanzen, der Drache zischte und begann zu zittern und wurde allmählich immer kleiner, bis er nur noch eine kleine Blase war, die auf und ab sprang. Nun lief der Zarensohn schnell hinzu, drückte ihn mit dem linken Fuß nieder, die Blase zerplatzte, und die Teufelsmacht war damit zu Ende. Als die Leute sahen, was geschehen war, freuten sie sich sehr, der Zar umarmte ihn und fragte ihn aus, wer und woher er sei. Der Zarensohn gab sich zu erkennen und erzählte alles, was ihm widerfahren war; als der Zar das hörte, wurde er zornig auf seine Frau und wollte sie gleich töten, aber der Zarensohn bat um ihr Leben, und darauf entschied der Zar, sie solle auf das Gebirge gehen, woher sie gekommen war, dort an der Quelle wieder zwölf Kürbisflaschen nehmen und sich von den Brocken, die sie damit verdiene, ernähren. Ihre Tochter aber gab er seinem Sohne zur Frau, und der kam so zu dem Thron seines Vaters.