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Ein Wassermann-Märchen:
Auf des Hechtes Geheiß
Es war einmal ein alter
Mann, der hatte drei Söhne. Zwei waren klug, der dritte aber, das war
Jemelja der Narr.
Die zwei ersten arbeiten,
Jemelja aber liegt den ganzen Tag auf dem Ofen und will von nichts wissen.
Die Brüder waren mal auf
den Markt gefahren. Die Weiber aber, die Schwägerinnen, ließen Jemelja keine
Ruhe: »Hol mal Wasser, Jemelja.«
Er aber antwortet vom Ofen
herunter: »Hab' keine Lust. . .«
»Geh schon, Jemelja, sonst
kommen die Brüder vom Markte zurück und bringen dir nichts mit.«
»Na, meinetwegen!«
Jemelja klettert vom Ofen
herunter, zieht sich an, nimmt Eimer und Axt zur Hand und geht zum Fluß
hinab.
Er schlägt ein Loch ins
Eis, schöpft die Eimer voll, stellt sie hin und betrachtet das Eisloch. Da
sieht er im Wasser einen Hecht. Er packt so geschickt zu, daß es ihm
tatsächlich gelingt, den Hecht mit den Händen zu greifen:
»Das soll eine köstliche
Ucha geben!«
Da spricht plötzlich der
Hecht mit Menschenstimme: »Jemelja, laß mich wieder ins Wasser, du wirst
mich noch brauchen können.«
Jemelja lacht: »Wozu sollt
ich dich wohl brauchen können? Nein, ich bring' dich nach Hause und lass'
mir von den Schwägerinnen eine Suppe kochen. Eine köstliche Ucha wird das
werden.«
Und wieder bittet der
Hecht: »Jemelja, Jemelja, laß mich ins Wasser hinab, ich tu alles für dich,
was du nur wünschen magst.«
»Gut, nur zeige mir
vorher, daß du mich wirklich nicht betrügst, dann will ich dich freilassen.«
Der Hecht fragt ihn: »Jemelja,
Jemelja, sag was möchtest du jetzt sofort haben?«
»Ich will, daß die Eimer
von selber nach Hause gehn und kein Wasser verschütten . . . «
Der Hecht spricht zu ihm:
»Merke dir gut meine Worte, wenn du etwas brauchst, so sprich nur:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's.«
Jemelja spricht nach:
»Auf des
Hechtes Geheiß, Nach meinem Willen sei's - Eimer, geht allein nach Haus . .
. «Kaum hatte er's gesprochen, da liefen die Eimer von allein den Berg
hinauf. Jemelja ließ den Hecht ins Wasser hinab und ging gemächlich hinter
den Eimern her.Die Eimer gehn durchs Dorf, die Leute wundern sich, Jemelja
aber geht hinterdrein und lacht sich eins . . .
Die Eimer gingen ins Haus
hinein und stellten sich auch noch selber auf ihren Platz. Jemelja aber
kletterte wieder auf den Ofen.
War viel Zeit vergangen,
war's wenig nur - wieder haben die Schwägerinnen eine Arbeit für Jemelja:
»Was liegst du da immer
herum, Jemelja, könntest mal Holz kleinmachen.«
»Hab' keine Lust . . .«
»Wenn du
nichts tust, bringen dir die Brüder nichts mit, wenn sie zu Markte fahren.«
Jemelja verspürt gar keine
Lust, den Ofen zu verlassen. Da fällt ihm der Hecht ein, und heimlich
spricht er vor sich hin:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Geh hin, Axt, mach Holz klein, und du, Holz, komm
allein ins Haus, und leg dich auch gleich in den Ofen . . .«
Das Beil sprang in den Hof
und hackte Holz. Das Holz kam von allein ins Haus und legt sich in den Ofen.
War viel Zeit verstrichen,
war's wenig nur - wieder sagen die Schwägerinnen zu ihm:
»Jemelja, wir haben kein
Holz mehr, fahr doch in den Wald und schlage welches.«
Er aber antwortet vom Ofen
herunter: »Ja, wofür seid ihr denn da?«
»Wieso - wofür? . . . In
den Wald nach Holz fahren, ist das etwa unsere Sache?«
»Ich habe keine Lust...«
»So wirst du auch keine
Geschenke bekommen.«
Da blieb Jemelja nichts
weiter übrig, als vom Ofen herunterzuklettern und sich anzuziehen. Er nahm
die Axt und einen Strick, ging hinaus auf den Hof und setzte sich in den
Schlitten:
»He, Weiber, macht das Tor
auf!« Die Schwägerinnen rufen:
»Was setzt du dich in den
Schlitten, du Narr, und hast noch kein Pferd davor?«
»Ich brauch' kein Pferd.«
Die Schwägerinnen öffneten
das Tor, Jemelja aber sprach leise vor sich hin:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Schlitten, fahr in den Wald . . .«
Der Schlitten sauste durch
das Tor - kein Pferd hätt' ihm folgen können.
Um aber in den Wald zu
kommen, mußte Jemelja durch die Stadt, dabei hat er denn viele Leute
angefahren und umgestoßen. Das Volk schreit: '
»Haltet ihn! Greift ihn!«
Er aber treibt den
Schlitten nur noch mehr an. Und so kommt er in den Wald:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Axt, schlag mir Holz, aber trockenes! Und du,
Holz, lade dich selber auf den Schlitten. Und binde dich auch selber fest .
. .«
Die Axt fällt die dürren
Bäume und spaltet sie. Die Holzstücke aber laden sich selber auf den
Schlitten und schnüren sich auch selber fest... Nun befahl Jemelja der Axt,
ihm eine Keule zurechtzuzimmern, eine, die man nur mit Mühe hochheben
konnte. Dann schwang er sich auf den Schlitten und sprach:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Schlitten fahr heim . . .«
Der Schlitten sauste nach
Hause. Wieder kommt Jemelja durch die Stadt, in der er so viele Leute
angefahren und umgestoßen hatte. Da wird er auch schon abgefangen, denn sie
hatten schon lange auf ihn gewartet. Sie packen Jemelja, zerren ihn vom
Schlitten herunter, beschimpfen und schlagen ihn. Jemelja sieht, es steht
schlecht um ihn, und er murmelt: »Auf des Hechtes Geheiß, Nach meinem Willen
sei's - Los mein Keulchen, walk ihnen mal die Seiten . . .«
Die Keule schwingt sich
hoch und schlägt auf die Menge los - die Leute stieben auseinander . . .
Jemelja aber kam nach
Hause und kletterte gleich wieder auf den Ofen.
Über kurz oder lang hörte
auch der Zar von Jemeljas Streichen und schickte einen Offizier, der sollte
ihn aufsuchen und ins Schloß bringen.
Der Offizier kommt ins
Dorf gefahren, tritt in das Haus, in dem Jemelja wohnt, und fragt:
»Bist du Jemelja der
Narr?«
Jemelja antwortet vom Ofen
herunter: »Und was geht's dich an?«
»Zieh dich sofort an, ich
bring' dich zum Zaren.«
»Hab' keine Lust. . .«
Der Offizier
wird ärgerlich und gibt ihm einen Backenstreich. Jemelja aber flüstert:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Keulchen, walk ihm mal die Seiten . . .«
Die Keule sprang hoch,
fiel über den Offizier her, und nur mit Mühe gelang es diesem, zu entkommen.
Der Zar wunderte sich, daß
sein Offizier nicht mit Jemelja fertig geworden war, und schickte seinen
höchsten Würdenträger nach ihm aus: »Bring mir Jemelja den Narren ins Schloß,
sonst rollt dir der Kopf von den Schultern.«
Der höchste
Würdenträger kaufte Rosinen, Backpflaumen und Lebkuchen ein, fuhr in jenes
Dorf, trat in jenes Haus und erkundigte sich bei den Schwägerinnen, was
Jemelja am liebsten möchte.
»Unser Jemelja hat es
gern, wenn man freundlich mit ihm redet und ihm einen roten Kaftan
verspricht - dann tut er alles, worum man ihn bittet.«
Der höchste Würdenträger
gab Jemelja Rosinen, Backpflaumen und Lebkuchen und sagt dann:
»Jemelja, Jemelja, was
liegst du da auf dem Ofen? Komm, wir wollen zum Zaren fahren.«
»Mir ist auch hier wohl .
. .«
»Jemelja, Jemelja, beim
Zaren bekommst du gut zu essen und gut zu trinken - ich bitt' dich, laß uns
fahren.«
»Ich mag aber doch nicht .
. .«
»Jemelja, Jemelja, der Zar
wird dir einen roten Kaftan schenken und auch Mütze und Stiefel dazu.«
Jemelja besann sich erst
und sagte dann:
»Na gut, geh du voraus,
ich komm' dir gleich nach.«
Der Würdenträger fuhr
davon, Jemelja aber lag erst noch ein Weilchen da, dann sprach er:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Los, Backofen, fahr zum Zaren . . .«
Da krachten die Ecken des
Hauses, das Dach wackelte, die eine Wand flog heraus - der Backofen ging auf
die Straße und schlug den Weg zum Zaren ein . . .
Der Zar schaut gerade zum
Fenster hinaus und staunt: »Was ist denn das für ein Wunder?«
Da antwortet ihm der
höchste Würdenträger:
»Das ist
Jemelja, der kommt auf seinem Ofen zu dir.« Der Zar tritt auf die Freitreppe
hinaus:
»Viel Klagen
muß ich über dich hören, Jemelja! Du hast viele Menschen überfahren.«
»Und warum haben sie sich
mir unter den Schlitten gedrängt?«
Des Zaren Tochter,
Marja-Zarewna, schaute vom Fenster aus zu. Jemelja sieht sie im Fenster
stehen und spricht , leise:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Die Zarentochter soll mich lieben . . .«
Und fügt dann noch hinzu:
»Geh heim, Ofen. ..«
Der Ofen machte kehrt und
stapfte heimwärts, schob sich ins Haus hinein und stellte sich auf seinen
alten Platz.
Im
Zarenschloß aber gibt es Schreien und Tränen. Marja Zarewna sehnt sich nach
Jemelja, kann ohne ihn nicht leben. Sie bittet den Vater, er möchte sie dem
Jemelja zur Frau geben. Der Zar ist außer sich, in seinem Kummer befiehlt er
wieder dem höchsten Würdenträger:
»Geh, schaff mir Jemelja
her, tot oder lebendig, sonst lass ich dir den Kopf abschlagen.«
Der höchste Würdenträger
kaufte süße Weine und allerhand Zuspeisen. Dann machte er sich auf den Weg
in jenes Dorf, trat ein in jenes Haus und bewirtete Jemelja auf das beste.
Jemelja aß und trank, bis
er trunken war, dann legte er sich schlafen. Der Würdenträger aber ließ ihn
in seine Kutsche bringen und fuhr mit ihm zum Zaren.
Der ließ
sofort ein großes Faß mit Eisenreifen herbeischaffen. Jemelja und
Marja-Zarewna wurden hineingesteckt, das Faß verpicht und ins blaue Meer
gerollt . . .
War's lang, war's kurz -
Jemelja wacht auf, er sieht sich um - es ist finster und eng:
»Ja, wo bin ich denn nur?«
Er bekommt zur Antwort:
»Gar übel sind wir dran,
Jemelja! Sie haben uns in ein Faß gesteckt und ins Meer gerollt.«
»Und wer bist du?«
»Ich bin Marja-Zarewna.«
Da spricht Jemelja:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Brausende Winde, Rollt das Faß ans trockne Land
Auf gelben Sand. ..«
Die brausenden Winde
blasen, sie treiben die Wellen im Meer und werfen das Faß ans trockne Land -
auf gelben Sand...
Jemelja und Marja-Zarewna
kamen aus dem Faß heraus. »Wo werden wir jetzt wohnen, Jemelja? Bau uns doch
irgendein Häuslein.«
»Hab' keine Lust . . .«
Sie aber bat und bettelte,
und endlich spricht er:
»Auf des Hechtes Geheiß,
Nach meinem Willen sei's - Es baue sich ein steinern Schloß Mit goldenem
Dach...«
Kaum hatte er
es ausgesprochen, da erschien ein steinernes Schloß mit goldenem Dach. Ein
grüner Garten ringsum, Blumen blühen darin und Vögel singen . . .
Marja-Zarewna und Jemelja traten ins Schloß und setzten sich ans Fenster.
»Jemelja, könntest du
nicht etwas schöner werden?« Das ließ sich Jemelja nicht zweimal sagen:
»Auf des
Hechtes Geheiß, Nach meinem Willen sei's - Will werden ein wackerer,
bildhübscher Bursche . . .« Jemelja verwandelte sich auf der Stelle, und es
ist weder im Märchen zu sagen noch mit der Feder zu beschreiben, wie schön
er war.
Zur gleichen Zeit befand
sich der Zar in dieser Gegend auf der Jagd. Da sieht er ein Schloß stehen,
wo früher keines gewesen war:
»Was für ein Flegel hat
sich da ohne meine Erlaubnis auf meinem Land ein Schloß gebaut?«
Und er schickte aus, um zu
erfragen, was das für Leute seien.
Die Boten liefen, stellten
sich unter das Fenster und verlangten Auskunft.
Jemelja antwortet ihnen:
»Bittet den Zaren zu mir
zu Besuch, ich will es ihm selber sagen.«
Der Zar kommt, Jemelja
geht ihm entgegen, führt ihn ins Schloß und bittet ihn zu Tisch. Sie fangen
zu tafeln an, der Zar ißt und trinkt und kann sich nicht genug wundern: »Wer
bist du nur, wackerer Bursche?«
»Kannst du dich noch
entsinnen an Jemelja den Narren, wie er auf seinem Backofen zu dir kam, und
wie du ihn dann mit deiner Tochter in ein Faß stecken ließest und ihn ins
Meer hast rollen lassen? Nun, ich bin jener Jemelja. Und wenn ich nur will -
verbrenne und verwüste ich dein ganzes Zarenreich.«
Der Zar war arg
erschrocken und fing an, Jemelja um Verzeihung zu bitten:
»Heirate meine Tochter,
Jemelja, nimm mein Zarenreich, nur richte mich nicht zugrunde.«
Da wurde ein Fest bestellt
für alle Welt, Jemelja heiratete Marja-Zarewna und bekam das Zarenreich.
Und hier ist auch das
Märchen aus, wer nichts mehr hören will, der geh nach Haus. |