Schütze
22.11.-20.12.
CD-Inhaltsangabe und Hörproben

Ausführliche Beschreibung des Schütze-Prinzips

Astronomische Daten zum Sternbild Schütze

Schütze-Märchen:
Der Elbenkönig

Der getreue Johannes


CD, 74 Minuten, € 14.90

Claus Riemann über das Tierkreiszeichen Schütze:

Wenn die Sonne sich aus dem Zeichen Skorpion verabschiedet, dann tritt sie in das letzte Herbstzeichen Schütze. In diesem Monat geht es hin zum dunkelsten Punkt des Jahres – zur Wintersonnwende. Dieser Tag der Wintersonnwende, der den Eintritt der Sonne in das Zeichen Steinbock markiert, ist auf der einen Seite derjenige, an dem die Nacht ihre stärkste Kraft hat – sie ist die längste Nacht - aber gleichzeitig ist es auch die Geburt des neuen Lichtes, das jetzt mit dem Eintritt der Sonne ins Zeichen Steinbock ganz allmählich wieder stärker wird – aufwärts klettert, wie der Steinbock im Gebirge, könnte man sagen.

Es gehört insofern zur Schütze-Stimmung diese hoffnungsfrohe Erwartung des neuen Lichtes. Schütze ist wie Widder und Löwe eines der drei Feuerzeichen, und wenn Widder als jüngstes Feuerzeichen das Urfeuer symbolisiert hat – auch den jugendlichen Helden, die jugendliche Amazone – dann wäre Löwe vergleichsweise ein älteres Feuerzeichen, das so ungefähr in der Jahresmitte angesiedelt ist, und da würde eher das Bild des Königs oder der Königin hingehören. Während Schütze als ältestes Feuerzeichen etwas zu tun hat mit dem Leitmotiv des Weisen, genauer gesagt des Priesters und der Priesterin. Da geht es um einen Aspekt des Feuers, das nicht mehr so primitiv, wild, wie das der Widder-Energie ist, sondern es geht um den Aspekt des Feuers, der auch zu tun hat mit dem göttlichen Funken, mit dem religiösen, rituellen Aspekt des Feuers. Feuer spielt ja in sehr vielen Ritualen eine große Rolle. Das Feuer, das aufsteigt zum Himmel, das Feuer das den Weg weisen kann – wie zum Beispiel auch das Licht im Leuchtturm, das den verirrten Schiffen den Weg weist. Der Feuersturm in der Pfingstgeschichte hat Schütze-Qualität, von der Symbolik her. Auch das olympische Feuer. Das sind alles Bilder, die ich aus meinen Gruppen bei Schütze-betonten Menschen erfahren habe. Imaginationen über Feuer, da kommen solche Bilder.

Es gibt eine Darstellung des Schütze-Prinzips, die für mein Gefühl die Thematik und auch den Auftrag dieses Tierkreiszeichens sehr genau wiedergibt. Und zwar ist das der Pferdemensch, der Kentaur – den gibt es vor allem in der Mythologie der Griechen. Das ist ein Mensch mit einem Pferdeunterkörper. Der wichtigste Kentaur der griechischen Mythologie war Chiron gewesen, und das war ein großer Heiler und Lehrmeister. Fast alle großen griechischen Helden haben auf ihrer Wanderschaft einmal bei Chiron gelernt – auch der Arzt Asklepios war sein Schüler.

Dieser Chiron wird vollständig mit drei Niveaus dargestellt, könnte man sagen. Und zwar ist da der Pferdeleib, der Menschenoberkörper und als Bogenschütze hat er noch Pfeil und Bogen in der Hand und dieser Pfeil ist nach oben gerichtet. Dieser nach oben gerichtete Pfeil ist ja das Schütze-Symbol geblieben – das ist von dem ganzen Kentauren übrig geblieben. Diese drei Niveaus, die hier in einem Bild verdichtet sind könnte man übersetzen mit: Tier, Mensch, Gott. Der Pferdeleib, das niederste Niveau in diesem Bild, das wäre ein Bild für die Tiernatur des Menschen – die animalische Seite unseres Wesens. Der Oberkörper, der menschlich ist, symbolisiert den Menschen, der sich erhoben hat, der sich aufgerichtet hat, der sich seiner Menschenwürde bewusst geworden ist, und der sich über diese primitive Tiernatur erhebt. Und der Pfeil nach oben ist ein Bild für die göttliche Bestimmung des Menschen. Nenne es den göttlichen Funken, nenne es den inneren Guru, nenne es den inneren Christus oder Buddha, die innere weise Frau. Aber letztendlich ist in diesem Kentaurenbild der Auftrag des Schütze-betonten Menschen angedeutet, nämlich: Du kommst auf die Welt mit dem Grundmotiv: Ich bin zu Höherem berufen. Ich bin verpflichtet zu wachsen, mich zu entwickeln, mich über mich selbst hinaus zu entwickeln und mich zu beziehen auf ein großes, göttliches Ideal. Eine Vorstellung von Vollkommenheit und Meisterschaft, wo und wie immer auch ich das für mich finde und definiere. Ich brauche etwas als Schütze-betonter Mensch, wohin ich den Pfeil richten kann. Im I-Ging zum Beispiel - dem chinesischen Weisheitsbuch - taucht immer wieder der Satz auf: Fördernd ist es zu haben wohin man gehe. Das heißt: auf der Schütze-Ebene brauchst du ein großes Ziel, ein hohes Ideal, eine Vision, etwas das deinem Leben Sinn verleiht, damit du das Leben als lebenswert empfindest. Hermann Hesse zum Beispiel, der sehr Schütze-betont war, hat gesagt: Es ist nicht wichtig woran ein Mensch glaubt, sondern dass er überhaupt einen Glauben habe. Also dass du etwas hast wohin du gehen möchtest.

Aus diesem Kentaurenbild lassen sich die Potenziale und auch die Problematik des Schütze-Prinzips wunderbar ableiten. Der indische Astrologe Krijananda hat gesagt dass der gute oder reife Schütze eine Lebenshaltung hat, die durch den Satz gekennzeichnet ist: Verehrung nach oben und Liebe nach unten. Also Verehrung für das, wohin ich den Pfeil richte, das was für mich das große Ideal, das Göttliche bedeutet, und Liebe nach unten, das heißt in Richtung Pferdeleib, meiner niederen, vielleicht dunklen, unvollkommenen, auch animalischen Seite. Beides gehört letztendlich zur Gesamtheit des Kentauren.

Und die Problematik, die Krijananda formuliert hat – der unreife Schütze, wenn man so will – der lebt auch Verehrung nach oben, irgend etwas ist hier immer auf dem Podest, könnte man sagen. Auf der anderen Seite aber: Verachtung nach unten. Dieses niedere Niveau, das primitive Niveau des Pferdeleibes zu verachten, in sich selbst und in anderen. Sich dessen zu schämen wovon Goethe, der alte Skorpion-betonte Weise gesagt hat: Es bleibt ein Erdenrest zu tragen peinlich, und wär er von Asbest, er wär nicht reinlich.