|
Ausführliche Beschreibung des Schütze-Prinzips
Text von Günther Staimer, Dozent der Riemann-Schule
Lebt vielleicht in
allen von uns die unbegreifliche, aber unzerstörbare Hoffnung, dass ein
Funke jenes Lichtes des ersten Schöpfungstages unseren Pfad erhellt, jenes
EINEN Lichtes, das gleichermaßen unser innerstes Wesen wie das des
Universums durchstrahlt? (Oskar Adler)
Im letzten
Herbstmonat nimmt das lichte Prinzip weiter ab, aber die Sonnwende im Winter
ist nicht mehr weit; die Geburt des neuen Lichtes steht bevor. Daher ist
HOFFNUNG ein wichtiges Motiv zum Verständnis der Schütze-Seele, ausgedrückt
auch durch die Adventszeit, die in diesen Jahresabschnitt fällt. Der Pfeil
als Schütze-Symbol ist der Pfeil des Kentauren Chiron, dieses merkwürdigen
Wesens mit Pferdeleib und Menschenoberkörper. Dieser Chiron war sowohl ein
bedeutsamer Heiler, als auch der Lehrmeister vieler großer griechischer
Helden. Herakles, Achilles, Iason und Asklepios waren unter anderem seine
Schüler. Chiron birgt in sich drei Entwicklungsstufen des Menschseins: der
Tierleib weist auf die animalische Triebnatur des Menschen hin, der
Oberkörper auf den Menschen, der sich über die tierische Stufe erhoben hat,
und der nach oben gerichtete Pfeil auf die höchste, göttliche Natur des
Menschen. Diese drei "Niveaus" sind ÜBEREINANDER angeordnet, während im
Symbol des Gegenpols Zwillinge die menschliche Gegensätzlichkeit als ein
Nebeneinander dargestellt wird; dadurch ist der Gedanke der
Höherentwicklung, das Motiv von Wachstum und Evolution, ausgedrückt. Gebar
im Zeichen Zwillinge die höchste Erkenntnis den Zweifel, wurde dort nach der
im Dunkeln liegenden Seite der Wahrheit gefragt und zur freiwilligen Umkehr,
zum Abstieg vom "hohen Ross" des geistigen Höhenflugs gemahnt, so entsteht
im Zeichen Schütze die innere Gewissheit des zu erringenden Lichtes, die
Gewissheit, dass die Mächte der Finsternis besiegt werden müssen und dass
die Niederung überwunden werden muss. Das aber verlangt eine
Willensanstrengung; denn von sich aus fließt alles Irdische zum tiefsten
Punkt und möchte dort in Trägheit verharren.
Oskar Adler nennt folgerichtig
den Schützen den "Überwinder" (des Niederen). Und zu überwinden ist diese
Trägheit, die schwere, dunkle Macht der Materie; sie ist der eigentliche
Widersacher. Blinder Pragmatismus, die "billige Lösung", die Lebenshaltung
"sich nur nicht die Finger verbrennen" und der berühmte Ausspruch "das hat
ja sowieso keinen Sinn" - all das sind Gesichter des "Eigentlichen Bösen";
denn was anderes soll das Böse sein, wenn nicht das NEIN zur Entwicklung und
Entfaltung des Lebenspotentials. Mit dem inneren Kentaurenbild geboren zu
sein, heißt nun aber: ich bin zu Höherem berufen! Man spürt eine innere
Verpflichtung gegenüber dem göttlichen Wesen in sich, eine Pflicht zu
wachsen, sich zu entwickeln, sich über eine ideale Vorstellung zu
definieren. Der Pfeil des inneren Kentauren muss abgeschossen werden, und
der gespannte Bogen ist der Mensch selbst. Vorher jedoch muss die Richtung
ermittelt werden; man braucht eine Vision, die Kraft gibt und begeistert.
Entscheidend für den Selbstfindungsweg ist, wie man im Laufe seines Lebens
dieses "Höhere" definieren lernt, ob man bei irdischen Größenvorstellungen
stehen bleibt, und es sich lediglich um eine höhere gesellschaftliche
Position mit all den dazugehörigen Attributen handelt - "je sinnentleerter,
desto mehr äußerlichkeitsbestimmt" sagt Oskar Adler - oder ob man den
tieferen Gehalt des Schütze-Auftrags erfasst: das Leben als Pilgerfahrt zu
begreifen, getrieben von der Frage nach dem Sinn des Daseins. Sinngewissheit
und Sinnsuche sind die eigentlichen Antriebskräfte im Schütze-Zeichen, und
wenn das Leben sinnlos erscheint oder man den Eindruck gewinnt, sich
lediglich im Kreis zu drehen ohne jeglichen echten Aufstieg, dann sind das
die niederschmetternsten Erfahrungen des Schütze-Menschen. Weiterhin ist
entscheidend, welchen Umgang man mit dem Pferdeleib des Kentauren findet.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten; die erste heißt: Verehrung nach
oben, Liebe nach unten; die zweite: Verehrung nach oben, Verachtung nach
unten. Bei Möglichkeit Eins finde ich auch ein liebevolles Ja zu meiner
Körperlichkeit, zum Menschentier in mir, zu meinem Unterleib; denn das ist,
auf den Menschen übertragen, der Pferdeleib. Ihn als einen sinnvollen Aspekt
meiner Existenz anzunehmen, und mein "niederes Selbst" mit allen dunklen
Gefühlen als Teil des großen göttlichen Plans zu begreifen - dieser
Herausforderung stelle ich mich. Möglichkeit Zwei ist der Weg in die
Spaltung: aus einer Mischung aus Scham und Selbstverachtung wird der
Pferdeleib geopfert auf dem Altar einseitiger Gottesbilder oder idealer
Vorstellungen, die keinen Platz mehr haben für das Niedere. Aber "es bleibt
ein Erdenrest, zu tragen peinlich, und wär er von Asbest, er wär nicht
reinlich" sagt Goethe.
Die
Körperentsprechung sind Hüfte und Oberschenkel. In der Hüfte richtet sich
der Mensch auf, erhebt sich über den Vierfüßlergang der animalischen
Kreatur. Hier wächst, auf das Kentaurenbild übertragen, der Tierleib mit dem
Menschenkörper zusammen. Ist das harmonische Miteinander von höherem und
niederem Menschen gestört, existiert eine Unaufrichtigkeit im Denken oder
Fühlen, sich selbst oder der Welt gegenüber, so findet dieses
Ungleichgewicht seinen körperlichen Ausdruck häufig in Problemen mit dem
Hüft- wie auch dem unteren Rückenbereich.
Aus alldem
wird deutlich, dass die Schütze-Energie zu tun hat mit einem besonderen
Gespür für persönliche Würde, wie auch für Menschenwürde ganz allgemein,
dass hier ein besonderer Bezug zum Höheren besteht. Außen kann dieses Höhere
durch Vorbilder, Gurus, Priester und Priesterinnen repräsentiert sein, innen
durch den inneren Heiler oder die innere Heilerin oder durch irgendeine
andere männliche oder weibliche innere moralische Instanz. Der Schütze "muss
haben, wohin er geht" (ein Satz aus dem I-Ging), muss seinen Pfeil auf ein
Ziel richten. Ist das Ideal erst einmal definiert, so wird auf der
Selbstfindungsreise kein Weg zu weit, keine Mühe zu groß sein. Der Weg des
Schütze-Helden in Mythos und Märchen ist die weite Reise in ferne Länder,
über die Weltmeere, über höchste Berge und durch tiefste Täler, mit der
Bereitschaft, sich den größten Herausforderungen und Abenteuern zu stellen,
innerlich angetrieben durch eine sittliche Notwendigkeit, durch ein "man
sollte", anders, als das verwandte "ich will" des Widders. Spürt der Widder
einen inneren göttlichen Auftrag, die Welt zu erobern und sich untertan zu
machen, so drängt dieselbe innere Kraft den Schützen, sie zu missionieren
und dadurch in eine bessere Welt umzuformen. Und: nachdem ich das große
Wasser durchquert, den höchsten Gipfel erklommen habe, werde ich erkennen,
dass das wirkliche Ziel meiner weltanschaulichen Suche ich selbst bin, mein
wahres, göttliches, inneres Wesen; dass ich etwas draußen gesucht habe, was
immer schon IN mir war. Und trotzdem war die weite Reise notwendig, um das
zu erkennen. Es ist wie der Weg des afrikanischen Stromes Niger: er
entspringt in der Nähe des Meeres und fließt erst einmal landeinwärts, um
dann nach über viertausend Kilometern in relativer Nähe seiner Quelle ins
Meer zu münden.
Ein
Märchen mit vielen Schütze-Motiven ist "Der getreue Johannes" (Grimm). Der
alte König stirbt und trägt seinem treuesten Diener Johannes auf, den
Königssohn zu erziehen und zu schützen. Als dieser heranwächst, darf er alle
Kammern des königlichen Schlosses besichtigen, bis auf eine. In dieser
"verbotenen Kammer" ist das Bildnis der Prinzessin vom goldenen Dache, das
er nicht sehen darf, weil er sonst in eine heftige Liebe zu ihr fiele, die
ihn in große Gefahren bringen würde. Natürlich verletzt der Königssohn das
Tabu - wie alle Helden und Heldinnen, die sich entwickeln wollen - und
verliebt sich unsterblich in das Bildnis. Mit einem Schiff voller Gold und
Schmuck beginnt er die Reise, und mit Hilfe von Johannes lockt man die
Prinzessin an Bord. Während sie fasziniert die Goldschätze betrachtet, legt
das Schiff ab. Zunächst ist die Prinzessin erschrocken, dann willigt sie
aber ein, die Frau des Königssohns zu werden. Auf der Heimfahrt hört
Johannes, der die Sprache der Tiere versteht, das Gespräch dreier Raben, die
dem Königssohn tödliche Gefahren vorhersagen. Die Raben verraten auch, wie
den einzelnen Gefahren jeweils begegnet werden könne, aber wer es weiß und
dem Königssohn sagt, der werde von Kopf bis Fuß zu Stein. Daraufhin wird
Johannes traurig und still. Am heimatlichen Ufer angekommen, kommt, wie
vorhergesagt, das fuchsrote Pferd dahergesprengt, und Johannes tötet es mit
dem Schwert, bevor es den Prinzen in die Lüfte entführen kann. Dann
verbrennt er das gold-silberne Brauthemd, das vergiftet ist, und zuletzt
saugt er der beim Tanze ohnmächtig dahingesunkenen Prinzessin mit dem Munde
drei Blutstropfen aus der Brust. Hatte der Prinz die beiden ersten, für ihn
unverständlichen, Taten noch akzeptiert, so gerät er beim dritten Mal
dermaßen in Wut, dass er die Todesstrafe über seinen treuen Diener
ausspricht. Bevor das Urteil vollstreckt wird, verrät Johannes, warum er so
gehandelt hat und wird sofort zu Stein. Der Prinz ist untröstlich und lässt
die Statue im königlichen Schlafgemach aufstellen. Die Zeit vergeht, es
werden Zwillinge geboren, aber die Trauer des Prinzen will nicht enden. Da
beginnt die Statue eines Tages zu sprechen: "Du kannst mich wieder lebendig
machen, wenn Du Dein Liebstes daran wenden willst". Johannes fordert das
Ungeheuerliche: Der Prinz soll seinen Kindern den Kopf abschlagen. Dieser
bringt das Opfer, und Johannes wird wieder lebendig und heilt die Kinder.
Der Prinz prüft seine Frau, und da auch sie sich mit dem Kindesopfer
einverstanden erklärt, kann er ihr freudig die zum Leben erweckten Zwillinge
und den erlösten Johannes präsentieren.
Jeder von
uns hat in sich solch einen treuen Johannes. Diese Gestalt braucht keinen
Namen zu haben, kann männlich oder weiblich sein. Sie kann als weiser Mann
oder weise Frau auftauchen, auch als Schutzengel, als Christus oder als
Buddha. Diese Gestalt weiß auf geheimnisvolle Art und Weise um unseren
Entwicklungsplan. Kinder haben oft eine selbstverständliche Gewissheit über
die Existenz dieses Wesens, oft sogar klare Bilder oder Vorstellungen
darüber. Dann passiert Erziehung, es kommt die Konfrontation mit äußeren
Gottesbildern und Wertvorstellungen; es heißt: "Du sollst" und "man tut" und
"man tut nicht" - und Johannes' Stimme wird leiser und leiser, bis sie
schließlich ganz verstummt. Man ahnt, dass man schuldig an sich selbst
geworden ist, dass kein Opfer zu groß ist, um den Anschluss an die lebendige
innere Wahrheit wieder zu finden. Jeder Mensch WEISS auf einer sehr tiefen
Ebene, ob er in Einklang mit dem inneren Gesetz lebt oder nicht. Aber es
gehört viel Mut dazu, aufrichtig dieser Wahrheit zu begegnen; denn die
Konsequenzen sind oft bitter. Was muss ich opfern, um den inneren Johannes
wieder zum Leben zu erwecken? Nicht selten das, was mir als das Wertvollste,
was ich habe, erscheint, die eigenen Kinder, sprich: die Früchte meines
bisherigen Lebens - eine versteinerte Beziehung vielleicht (schließlich
befand sich die Statue im Schlafzimmer des Paares)? Oder meinen
sinnentleerten Job? Oder Wert- und Moralvorstellungen, die niemals wirklich
meine eigenen waren, sondern Resultate des moralischen Zeigefingers meiner
Eltern sind? Dass sich das Opfer lohnt, zeigt dieses Märchen. Aber: bevor
ich Johannes wiedererwecken kann, muss ich mir erst bewusst werden, dass ich
den Kontakt zu ihm verloren habe. Wie der Prinz muss ich durch ein Tal
voller verzweifelter Trauer und Reue gehen. Das allein bewirkt die
Läuterung.
Dass der
Weg des Helden letztlich ein glückliches Ende findet, kann schon mit
ziemlicher Sicherheit aus der Anfangssituation des Märchens herausgelesen
werden. Es wird dort ein guter (Jupiter-)Vater geschildert, der dem Sohn
seinen Segen gibt, indem er ihn der Obhut des getreuen Johannes, der ja
zunächst sein Diener war, überlässt. Mit dem Segen eines wohlwollenden
Vaters ausgestattet reist es sich eben leichter, als wenn im Hintergrund ein
dunkler König ist, der den Helden oder die Heldin verderben will. Auf der
anderen Seite ist man hier aber auch auf diesen Segen angewiesen, ist es in
keinem Zeichen so wichtig wie hier, zu wissen, dass das wohlwollende Auge
der Eltern auf einem ruht; denn man handelt nicht aus eigenem Antrieb, wie
bei Widder, sondern "im Namen von"; man ist hier nicht mehr ich-bezogen wie
bei den beiden anderen Feuer-Zeichen, sondern wert-bezogen; man braucht den
Auftrag von "oben". Den Auftrag und den Segen für den Auftrag nicht bekommen
zu haben, ist eine Katastrophe. In Therapiegruppen ist immer wieder zu
erleben, welche Hölle das bedeuten kann. Unbewusst oder bewusst werden oft
ganze Lebensläufe bestimmt durch die Sehnsucht nach und das Ringen um den
Segen von Vater oder Mutter. Was muss ich denn noch tun, damit er oder sie
endlich sieht, dass ich ein guter Junge bin bzw. eine Tochter, auf die die
Eltern stolz sein können. Sicher - irgendwann wird jeder von uns sein
eigener Richter werden und sein eigener Guru sein müssen; es wird an ihm
liegen, ob er sich selbst den Segen gibt; dafür gibt es auf die Dauer keinen
Ersatz von außen. Aber trotzdem: mit dem elterlichen Segen geht alles
einfach viel leichter.
Die
Tradition ordnet Zeus-Jupiter dem Zeichen Schütze als Herrscher zu. In der
indischen Astrologie ist der Name für Zeus Guru. Jeder von uns hat durch
Jupiter einen Guru in sich, eine individuelle Vorstellung von Gut und Böse,
Recht und Unrecht - in der Psychoanalyse wäre die Entsprechung das
"Ideal-Ich". Sich mit Jupiter- oder Schütze-Energie anzufreunden, heißt, in
Einklang mit der Botschaft des inneren Guru zu leben. Daraus resultiert das
wunderbare Gefühl des Geführt-Werdens, eines Gottvertrauens, das eine nie
versiegende Kraftquelle ist. Dazu gehört auch das Wissen, dass ALLES, was
mir im Leben begegnet, eine Entwicklungschance in sich birgt, eine sinnvolle
Lektion beinhaltet und Teil eines großen göttlichen Planes ist.
Es gibt
eine Geschichte, die das eben Gesagte illustriert: Zur Zeit Lao-tse‘s lebte
in China ein armer Mann in einem Dorf. Aber selbst die Könige beneideten ihn
um einen wunderschönen weißen Hengst, den er besaß. Obwohl man ihm
phantastische Summen bot, verkaufte er das Pferd niemandem. Eines Tages war
das Tier verschwunden. Die Leute sagten: "Du Dummkopf! Wir haben Dir immer
gesagt, Du sollst das Pferd verkaufen. Jetzt hast Du das Unglück!" Der alte
Mann antwortete ihnen: "Geht nicht soweit, das zu sagen. Sagt einfach: das
Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache, alles andere ist Urteil. Ob
dies ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht, weil dies ja nur ein
Bruchstück ist. Wer weiß, was daraus folgen wird?" Nach einigen Tagen kehrte
der Hengst mit einer Stutenherde in seinem Gefolge zurück. Die Leute sagten:
"Alter Mann, Du hattest recht, es war kein Unglück, sondern ein Segen."
Dieser antwortete: "Wieder geht ihr zu weit, sagt einfach: "Das Pferd ist
zurück." Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht. Es ist nur ein
Bruchstück. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz, wie könnt ihr das
ganze Buch beurteilen?" Tags darauf begann der Sohn des Alten, die Pferde
zuzureiten. Dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Wieder sagten die
Leute: "Welch ein Unglück!" Der alte Mann aber antwortete: "Niemand weiß, ob
das ein Unglück oder ein Segen ist." Bald darauf brach ein Krieg aus und die
Söhne der Nachbarn wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Viele von
ihnen fielen in der Schlacht. Nur der Sohn des alten Mannes durfte zuhause
bleiben, weil er verkrüppelt war ...
Dieser
alte Mann besaß Schütze-Weisheit. Bhagwan (Schütze-Sonne) kommentiert diese
Geschichte: "Wirklich - die Reise ist nie zu Ende. Der Pfad endet, ein
anderer beginnt. Die eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. Man
erklimmt einen Gipfel, ein noch höherer ragt auf. Gott ist eine endlose
Reise. Nur Menschen, die mutig genug sind, sich über das Ankommen am Ziel
keine Sorgen zu machen, die mit dem Reisen an sich zufrieden sind, die
zufrieden damit sind, einfach nur im Augenblick zu leben, nur solche
Menschen sind fähig, mit dem Ganzen zu gehen."
Nicht
jeder Schütze ist so weise. Die Schattenseite des Prinzips ist durch die
Haltung der Leute in der vorausgegangenen Geschichte beschrieben: starres
Urteilen und Bewerten nach einer Art Schwarz-Weiß-Muster von Glück und
Unglück, von Gut und Böse. Das indische Wort "Advait" bedeutet: "Gott allein
ist!" Mit diesem Satz zu gehen, mit einem grundsätzlichen Ja zur Gesamtheit
der Existenz, das ist wohlverstandene Schütze- oder Jupiterweisheit.
Verurteilung und Verteufelung dagegen führt, kollektiv wie individuell, in
eine Spaltung, in lebensfeindliche, erstarrte Moralbegriffe. Man neigt dazu,
das was man schon kennt, das Alte, die herkömmliche Religion, das vertraute
Gottesbild als das Gute anzusehen, und das Neue, das Fremde, das noch
Unbekannte mit dem Bösen zu identifizieren und es zu bekämpfen. "Alle
kämpfen wir für das Gute - das einzige, was dabei herauskommt, ist, dass es
immer wieder Krieg gibt" sagt Bhagwan. Von Zeit zu Zeit erheben sich die
gerechten und allzugerechten Emotionen in uns und rufen zum Kreuzzug gegen
das vermeintlich Böse auf: das ist die dunkle Seite des Schütze-Prinzips.
Das Böse
in uns rechtfertigt seine Handlungen durch das vermeintlich Gute; nicht im
Namen Satans, sondern im Namen Gottes richten, verurteilen und töten wir.
Immer wieder entdecken wir das Gute in uns und bekämpfen das Böse draußen in
der Welt. Dem Zeichen Schütze wird auch der Zeigefinger zugeordnet: der
Zeigefinger, der hocherhoben den Weg weist und zur Aufrichtigkeit mahnt.
Verliert der Schütze-Pfeil jedoch die Richtung, und zeigt der Zeigefinger
gestreckten Arms nach unten, dann wird er zum strafenden Blitz der
Verachtung. Erst wenn jeder das Böse in sich erkennt und es dort bekämpft,
wenn die Kriege nach innen verlegt werden, dann wird die äußere Welt
friedlicher werden. Jeder trägt das helle und das dunkle Gesicht Gottes in
sich.
Auch Zeus
selbst scheint in der Spaltung gelebt zu haben: Einerseits war er der
verehrte, lichte Olympier, der Hüter oberster Werte und stets bereit, mit
seinen Attributen Donner und Blitz Regelverstöße zu ahnden, andererseits
hatte er in TIERGESTALT diverse Liebesabenteuer mit irdischen Frauen. Seinen
Sohn Ares hat er wegen seiner wilden, primitiven Art mehr verachtet als
geliebt, trotzdem war er sich nicht zu schade, sich bei einem seiner
Seitensprünge in einen wilden Eber zu verwandeln, ein Symboltier des Ares.
Jene Seite seines Charakters, zu der er sich selbst offiziell nicht
bekannte, die er vermutlich sogar vor sich selbst verbarg, erkannte und
verachtete er in seinem Sohn. Diese doppelte Moral erinnert an die Karikatur
eines Priesters, unter dessen Gewand der Pferdefuß hervorlugt. Dieser
"teuflische Pferdefuß" ist im Kentaurenbild ein wohlintegrierter Teil
menschlicher Ganzheit - aber die Gottesbilder, mit denen wir gefüttert
wurden und werden, haben viele von uns in die Spaltung und Scheinheiligkeit
getrieben. Die unzähligen unehelichen Kinder katholischer Priester sind
Produkte jener doppelbödigen Zeus-Haltung, ebenso die Besuche hoher
Politiker und Würdenträger im Bordell. Alles hat eben zwei Seiten! Wenn man
sich und der Welt das eingestehen kann, dann ist der Gegenpol Zwillinge
integriert.
Ein
schönes Beispiel für diese Weisheit bietet die Natur des Lichts: das Licht
hat sowohl Wellen- als auch Teilchencharakter. Diese Erkenntnis der modernen
Physik hat das aristotelische Weltbild erschüttert, das auf dem Grundsatz
gründete: wenn A ist gleich A gilt, dann kann nicht sein, dass A ist gleich
B. Wir leben in einer Welt der Gegensätze, und in dieser Welt ist jede
Einseitigkeit - also der bequeme, leichte Weg, die breite Straße: so ist es,
basta! - das "eigentlich Böse". Ein echter Schütze ist so aufrichtig, sich
zu seinem Schatten zu bekennen, ihn als Quelle des Wachstums zu begreifen.
Der Psychotherapeut Jens Corssen sagt: "Lass Deinen Schatten wachsen, dann
wächst Du auch!" Bequemer sind natürlich verlogene Heimlichkeiten und
Persona-Haltungen, nach dem Motto: Nur nicht das Gesicht verlieren. Dabei
kann ich mein Gesicht ja nicht wirklich verlieren, höchstens meine Maske.
Familiensystem und
Beziehungsmodell
"Noblesse
oblige" heißt das Leitthema der Schützefamilie. Es ist eine Ehre zu dieser
Familie gehören zu dürfen und es wird erwartet, dass man das weiß und sich
entsprechend verhält. Auf den Ruf der Familie wird geachtet, niemand darf
ihren Namen beschmutzen. Kinder werden in dieser Familie als ein Segen
Gottes betrachtet und mit überschwänglicher Freude in Empfang genommen und
respektvoll als göttliche Wesen behandelt. "Du bist als ein Ganz Besonderer
in diese Welt berufen worden" lautet die elterliche Botschaft an den
Neuankömmling. Andererseits sind die Eltern die Vertreter Gottes auf Erden
und erwarten von ihren Kindern Ehrfurcht und Gehorsam. Sie fühlen sich der
Zukunft und dem Seelenheil ihrer Kinder verpflichtet. Sind die Eltern
weniger spirituell oder religiös orientiert, so soll das Kind es wenigstens
in der Gesellschaft zu Rang und Namen bringen. Der Weg dahin wird von Vater
und Mutter geebnet. Die Eltern werden geliebt und geachtet; denn die Kinder
wissen es durchaus zu schätzen, solche Eltern zu haben. Wer so viel
Vertrauen und Zuspruch erfährt, hat den denkbar besten Start ins Leben. Die
höchsten Ziele können angepeilt werden. Die Schattenseite dieses
Familiensystems ist, dass der eigene Schatten oft geleugnet, ja nicht einmal
gesehen wird. Vater und Mutter sind absolut fehlerfrei; der Heilige Vater
und die Mutter Gottes sind ihre Identifikationsobjekte. In Gegenwart der
Kinder oder gar vor fremden Personen wird niemals gestritten. Niemand kann
sich vorstellen, dass es zwischen ihnen jemals Ärger oder gar so etwas
Profanes wie Sexualität gibt. Jeder lebt hinter seiner Maske. Das
Schütze-Thema wirft oft ein Riesenproblem mit der Echtheit auf: der
Scheinheiligkeit und der Heuchelei sind Tür und Tor geöffnet. Die Verteilung
von Gut und Böse steht von vorneherein und ein für alle mal fest: alles Böse
kommt von draußen. Wer tatsächlich einen nicht mehr zu leugnenden Makel
aufweist, muss damit rechnen aus der Familie verstoßen zu werden. Der
verachtende Blick des Familienoberhauptes und die Verbannung sind hier die
höchsten Strafen.
"Wen ich
auf's Podest stelle, dem kann ich nicht mehr in die Augen schauen!" Das ist
ein wichtiger Satz für die Schütze-Beziehung. Man ist hier nur allzu bereit,
im Partner den ehrfurchtgebietenden edlen Ritter und in der Partnerin die
anbetungswürdige edle Dame zu sehen. Wenn der Anspruch an die Rolle, die man
zu spielen hat, solche Dimensionen annimmt, dann wird es schwierig,
irgendwie auch noch authentisch zu sein, man selbst, einfach Mensch, mit
allen dazugehörigen Fehlern und Schwächen. Eine echte Begegnung kann oft
nicht mehr stattfinden; es berühren sich nur noch die Masken. Man findet
hier die zutiefst unfruchtbare Beziehung, da auch der Heilige Geist nicht
mehr zu retten vermag, was an Mann und Frau vertrocknet ist. Der Unterleib
wird nicht geliebt, und Sexualität ist häufig mit vielen Zeigefingern
belegt. Man erlaubt dem Partner, sich als Richter aufzuspielen oder
übernimmt selbst dieses "hohe Amt". Der Wunsch nach Beziehung scheitert am
Anspruch; denn das gesuchte Niveau findet man nie wo. Man hat eine Lösung,
aber diese passt nicht zum Problem.
Im
positiven Sinne haben wir hier eine echte Wachstumsbeziehung. Beide Partner
sind bereit sich zu entwickeln und auszudehnen, die Liebe in ihren Herzen
wachsen zu lassen. Es ist selbstverständlich, dass die spirituelle
Entwicklung des Partners wohlwollend begleitet und gefördert wird. Das
Augenmerk wird auf den (gemeinsamen) Fortschritt gerichtet, Fehler und
Rückschläge werden großzügig übersehen. Ein Mann sagte einmal, als man ihn
auf etliche unschöne Charakterzüge seiner Gattin ansprach, ganz lapidar: das
wird mitgeliebt. Der wahre Schütze hat ein großes Herz und darin hat vieles
Platz. Sein Glaube an das Gute im Menschen ist unerschütterlich. Aus seiner
Sicht ist alles in der Welt grundsätzlich göttlich und daher auch sinnvoll;
also auch seine Beziehung, wenn diese auch noch so schwierig sein mag; für
ihn hat sie eine tiefere, gottgewollte Bedeutung, und daher betrachtet er
sie auch als die beste aller möglichen. Eine solche Bereitschaft, das Schöne
und Gute zu sehen und das Hässliche zu übersehen ist natürlich auch eine Art
Talent zum Glück. Bei solchem Optimismus in allen Lebenslagen ist geteilte
Freude doppelte Freude und geteiltes Leid nur halbes Leid. Liebe und
Sexualität werden zum gemeinsamen Heiligtum, Mann und Frau zu Priester und
Priesterin der Liebe. Es entsteht eine Philosophie der Freude und das Leben
wird als Ritual zelebriert. Man zieht Menschen an, die einen fördern; in
jeder menschlichen Begegnung entdeckt man den göttlichen Funken. Man glaubt
an die Liebe und hält sich selbst für liebenswert; Liebe macht das Leben
sinnvoll. Mit dieser Lebenshaltung hat man nicht selten eine glückliche Hand
in der Partnerwahl.
Anregungen für
Beratung und Therapie
Der
Zeichenherrscher Jupiter ist der Goliath unter den Planeten; analog dazu
geht es im Schütze-Thema immer um die großen Dinge in dieser Welt, um den
großen Wurf, den weiten Schuss; mit Siebenmeilenstiefeln möchte man hier
voranschreiten. Oftmals muss der Schütze lernen, auch den Details
Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, bereit zu sein, auch das Kleine zu tun.
Andernfalls kann es sein, dass ein unbeachteter oder unterschätzter David
der großen Reise ein unerwartetes Ende setzt. Man sieht hier nicht gerne
ein, dass erst einmal ein guter Pfeil geschnitzt werden muss, bevor dann der
goldene Schuss erfolgen kann. Alles Überdimensionale, über sein optimales
Maß Hinausgewachsene ist hier zu finden. Auf der körperlichen Ebene kann es
sich dabei um Schwellungen, gutartige Wucherungen, aber auch um Krebs
handeln. Im Psychischen findet man die aufgeblähte Persönlichkeit. Die
Elternbotschaft "Vergiss niemals, dass Du ein XY bist!" kann zu einer
riesigen Persona-Haltung führen. Man weiß, was man sich und seiner Familie
schuldig ist; man ist ja nicht irgendwer. Oft scheitert man an den eigenen
Ansprüchen oder an denen der Eltern und Großeltern. Hinter der Fassade eines
Elefanten versteckt sich dann eine kleine Maus; man wird zum Hochstapler.
Man kann seine überzogenen Ansprüche natürlich auch an seine Umwelt richten
und sich zum genauso unliebsamen wie unberufenen Kritiker und
selbsternannten Richter in allen Lebenslagen aufmausern, was nicht selten
dazu führt, dass man Federn lassen muss. Auf alle Fälle fühlt man sich als
Berufener: daher führt ein Mangel an Bildung und Wissen zur Besserwisserei,
ein mangelndes Verständnis der natürlichen Ordnung zur Selbstherrlichkeit
und ein Mangel an Liebe zu Intoleranz und Fanatismus. Bei mangelndem
Selbstwert verwandelt sich joviale Großzügigkeit in Großspurigkeit und
Angeberei. Lebensoptimismus wird zur Lebenslüge: mehr scheinen als sein! Man
macht vor allem sich selbst was vor. Man redet sich ein, unterwegs zu sein,
die Pilgerreise angetreten zu haben, obwohl man sich nur im Kreis dreht.
Dieser Mangel an AUFRICHTIGKEIT äußert sich oft in massiven Hüftproblemen.
Auch die innere Weigerung, sich weiterzuentwickeln, die nächste Lebensstufe
zu nehmen und letztlich die Angst vor dem Ankommen, vor dem Ende der Reise,
vor dem Tod, kann sich in einem Problem mit dem Hüftgelenk manifestieren;
ebenso ein Problem mit dem Älterwerden; denn schließlich ist man ja jung,
dynamisch und erfolgreich und es kann und darf, wie im Schütze-Symbol
ausgedrückt, immer und in jedem Falle nur aufwärts gehen. Bei einer rein
materialistischen Lebenseinstellung gerät diese Philosophie mit
fortschreitendem Alter zusehends immer mehr in Diskrepanz zur Realität. Man
muss überall vornedran und obenauf sein, es besteht ein Drang zu
Verschwendung und Grandiosität. Das Leben ist einem was schuldig: aber bitte
mit Sahne! Eine überstiegene Persona-Haltung äußert sich oft in Fallträumen;
unbewusst fürchtet man, vom hohen Ross herunterzustürzen. Auf der
Körperebene wird dem Schützen auch die Leber zugeordnet; sie ist die größte
Drüse des menschlichen Körpers und für die Umwandlung von pflanzlichen und
tierischen Bausteinen in menschliche verantwortlich; symbolisch kommt
dadurch nochmals zum Ausdruck, dass die höhere Stufe immer auf der tieferen
fußt. Zudem fällt der Leber eine Entgiftungsfunktion zu. Psychologisch ist
das Gift des Skorpions gemeint, dessen nachhaltige Wirkung nun endgültig
überwunden werden muss: dem Tod folgt die Auferstehung, der Dunkelheit das
Licht. Um sich entgiften zu können, muss man erst einmal mit dem Gift in
Berührung gekommen sein, um sich aufrichten zu können, muss man erst einmal
unten gewesen sein, um in das Reich des Schützen eintreten zu können, muss
man das des Skorpions durchschritten haben. Diesen Umstand wollen viele
Schütze-Menschen nicht wahr haben. Man möchte hier gerne im Licht geboren
sein, im Licht leben und erleuchtet sterben. Aber das würde bedeuten, nur
dem hellen Gesicht Gottes begegnet zu sein, und solche Halbwahrheit hat mit
Erleuchtetsein absolut nichts zu tun. In jedem Fall entspricht ein Zuviel
auf der einen Seite einem Mangel auf der anderen. Für Beratung und Therapie
bietet der Schütze-Optimismus einen Ansatzpunkt; und wenn es gelingt, dem
Schützen den Unterschied von "maximal" und "optimal" zu vergegenwärtigen,
dann ist man rein schütze-mäßig betrachtet ohnehin schon auf dem
ansteigenden Ast.
Bei Sonnenstand
Schütze entsteht das Bild eines würdevollen Königs, den man aufgrund seiner
charismatischen Ausstrahlung achtet, respektiert, wenn nicht gar verehrt.
"Vertraut Ihr Euch selbst, so vertrauen Euch andere Seelen" - das ist das
Geheimnis seiner Macht. Er begreift sich als Vermittler von Werten, ist mehr
Priester als Lehrer, mehr Guru als Freund. Er ist sich seiner
Vorbildfunktion bewusst, und das ist für ihn Ansporn und Verpflichtung
zugleich. Es ist ihm ein tiefes Anliegen, seinen Kindern optimale
Entfaltungsmöglichkeiten zu gewährleisten; er glaubt an den "guten Kern", an
das positive Entfaltungspotential in ihnen. "Du kannst es, Du schaffst es,
wenn Du nur willst!" - das ist seine Botschaft. Allerdings ist er auch
gefürchtet ob seiner absoluten Richtersprüche, die keinen Widerspruch
zulassen. Wenn der Zeus-Vater blitzt und donnert, fühlst Du Dich manchmal
gedemütigt, beschämt, vernichtet. Kinder mit diesem Sonnenstand haben die
Bereitschaft, im leiblichen Vater den "heiligen Vater" zu sehen, ihn,
hungrig nach seiner Botschaft, nach seinem Segen, auf ein Podest zu stellen.
Mit dem "Pferdeleib" des Vaters hast Du natürlich so Deine Probleme, wenn er
zum Beispiel eine heimliche Freundin hat oder unter dem Tisch unsaubere
Geschäfte abwickelt; denn kein Vaterbild, außer vielleicht Löwe, ist
anspruchsvoller oder idealisierter. Hoffentlich ist der reale Vater dieser
Projektion würdig und schafft es, mitsamt seinem Schatten aufrecht
dazustehen. Ist er das nicht, weil er schwach, depressiv, ungerecht oder
primitiv ist, so kann er in den tiefsten Abgrund stürzen. Die Konsequenz aus
der Verehrungsbereitschaft ist dann das genaue Gegenteil, aus Achtung wird
Verachtung. Dann schämst Du Dich Deines Vaters, und entwertest ihn innerlich
mit derselben Absolutheit, mit der Du ihn zuerst verehrt hast. Aber ganz
davon abgesehen, ob Du "den besten Vater der Welt" gehabt hast oder nicht,
ist es Deine zentrale Lebensaufgabe, Deine eigenen Leitbilder zu finden und
das Ziel Deiner Lebensreise anzupeilen. Was ist der Sinn Deines Daseins,
welches ist Dein göttlicher Auftrag? Als Frau mit diesem "Guru-Animus" wirst
Du zunächst die Bereitschaft haben, Männer, die Du liebst, zu idealisieren
und zwar so etwa nach dem Motto: "fördernd ist es, den großen Mann zu
sehen". Du bist dann schwer enttäuscht, wenn Dein Partner sich als der
einfache Mensch mit Schwächen und Fehlern entpuppt. Oder Du bist bereit,
einem Mann die Macht zu geben, Dich zu bewerten und zu richten, Dein Guru zu
sein, von dessen Segen und Urteil Du Dich abhängig machst. Positiv gesehen,
wirst Du Dir Partner oder "Gurus" suchen, die Dich auf Deiner Pilgerfahrt
fördern, Männer, an und mit denen Du wachsen kannst, die Deine Visionen
beleben und Dir positive Kraft und Bestätigung geben. Die Schattenseite
dieser Beziehungsform drückt der Satz aus: "Wen Du aufs Podest stellst, dem
kannst Du nicht in die Augen schauen". Du liebst dann mehr das Idealbild,
als den wirklichen Mann, verleugnest seine Schattenseiten und damit seine
Ganzheit. Oder Du wirst wahnsinnig ehrgeizig für ihn, willst unbedingt den
großen Mann aus ihm machen, damit Du Dich dann mit dem Titel "Frau Doktor"
oder "Frau Minister" schmücken kannst. Nun ist nichts primär Schlechtes
dabei, den Mann zu fördern, wenn Du darüber den INNEREN großen Mann, den
inneren Guru nicht vergisst. Definiere Deine Mission, Deine eigene
Zielvorstellung, dann wirst Du die Last der idealen Forderung von den
Schultern Deines Partners nehmen und ihn besser lassen und akzeptieren
können - einfach so, wie er ist.
Der Gott
Merkur, Herrscher im Zeichen Zwillinge, ist dafür bekannt, dass er den
Göttern, Halbgöttern und Menschen gerne Streiche spielt, dass er es liebt,
sie auf's Glatteis zu führen und sie dort ausrutschen zu lassen. Eines Tages
wirst Du feststellen, dass Du da keine Ausnahme machst, dass Du auf ein
bewegliches Ziel geschossen hast, das plötzlich im Nichts verschwindet und
ein anderes nimmt seine Stelle ein, um dann ebenfalls abgelöst zu werden. Du
wirst erkennen müssen: Deine Reise führt nirgendwo hin; sie endet da, wo sie
begonnen hat, bei Dir! Wenn Du erkannt hast, dass Du nicht im Besitz der
Wahrheit bist und es auch nie warst und nie sein wirst, dann hast Du die für
Dich so wichtige Lektion des Gegenpoles Zwillinge gelernt. Und dennoch wird
Deine innere Stimme Dir sagen, dass es diese Wahrheit gibt und dass sie das
Wertvollste in Deinem Leben ist. Und: ob Du gerade geboren wirst oder gerade
stirbst, ob Du gerade heiratest oder Dich gerade scheiden lässt - es ist nur
ein Schritt auf einer langen langen Reise. Die Reise an sich ist das
Wichtige; der Weg ist das Ziel. Und, da es den "einzig richtigen Weg" nicht
gibt, ist die entscheidende Frage an Dich: "Folgst Du in all der Dunkelheit,
die Dich umgibt, Deinem inneren Guru, gehst Du den Weg Deines Herzens?"
|