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Schütze
22.11.-20.12.
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Ausführliche Beschreibung des Schütze-Prinzips

Schütze-Märchen:
Der Elbenkönig

Der getreue Johannes

 
CD, € 14.90
 

Ausführliche Beschreibung des Schütze-Prinzips
Text von Günther Staimer, Dozent der Riemann-Schule

Lebt vielleicht in allen von uns die unbegreifliche, aber unzerstörbare Hoffnung, dass ein Funke jenes Lichtes des ersten Schöpfungstages unseren Pfad erhellt, jenes EINEN Lichtes, das gleichermaßen unser innerstes Wesen wie das des Universums durchstrahlt? (Oskar Adler)

Im letzten Herbstmonat nimmt das lichte Prinzip weiter ab, aber die Sonnwende im Winter ist nicht mehr weit; die Geburt des neuen Lichtes steht bevor. Daher ist HOFFNUNG ein wichtiges Motiv zum Verständnis der Schütze-Seele, ausgedrückt auch durch die Adventszeit, die in diesen Jahresabschnitt fällt. Der Pfeil als Schütze-Symbol ist der Pfeil des Kentauren Chiron, dieses merkwürdigen Wesens mit Pferdeleib und Menschenoberkörper. Dieser Chiron war sowohl ein bedeutsamer Heiler, als auch der Lehrmeister vieler großer griechischer Helden. Herakles, Achilles, Iason und Asklepios waren unter anderem seine Schüler. Chiron birgt in sich drei Entwicklungsstufen des Menschseins: der Tierleib weist auf die animalische Triebnatur des Menschen hin, der Oberkörper auf den Menschen, der sich über die tierische Stufe erhoben hat, und der nach oben gerichtete Pfeil auf die höchste, göttliche Natur des Menschen. Diese drei "Niveaus" sind ÜBEREINANDER angeordnet, während im Symbol des Gegenpols Zwillinge die menschliche Gegensätzlichkeit als ein Nebeneinander dargestellt wird; dadurch ist der Gedanke der Höherentwicklung, das Motiv von Wachstum und Evolution, ausgedrückt. Gebar im Zeichen Zwillinge die höchste Erkenntnis den Zweifel, wurde dort nach der im Dunkeln liegenden Seite der Wahrheit gefragt und zur freiwilligen Umkehr, zum Abstieg vom "hohen Ross" des geistigen Höhenflugs gemahnt, so entsteht im Zeichen Schütze die innere Gewissheit des zu erringenden Lichtes, die Gewissheit, dass die Mächte der Finsternis besiegt werden müssen und dass die Niederung überwunden werden muss. Das aber verlangt eine Willensanstrengung; denn von sich aus fließt alles Irdische zum tiefsten Punkt und möchte dort in Trägheit verharren.

Oskar Adler nennt folgerichtig den Schützen den "Überwinder" (des Niederen). Und zu überwinden ist diese Trägheit, die schwere, dunkle Macht der Materie; sie ist der eigentliche Widersacher. Blinder Pragmatismus, die "billige Lösung", die Lebenshaltung "sich nur nicht die Finger verbrennen" und der berühmte Ausspruch "das hat ja sowieso keinen Sinn" - all das sind Gesichter des "Eigentlichen Bösen"; denn was anderes soll das Böse sein, wenn nicht das NEIN zur Entwicklung und Entfaltung des Lebenspotentials. Mit dem inneren Kentaurenbild geboren zu sein, heißt nun aber: ich bin zu Höherem berufen! Man spürt eine innere Verpflichtung gegenüber dem göttlichen Wesen in sich, eine Pflicht zu wachsen, sich zu entwickeln, sich über eine ideale Vorstellung zu definieren. Der Pfeil des inneren Kentauren muss abgeschossen werden, und der gespannte Bogen ist der Mensch selbst. Vorher jedoch muss die Richtung ermittelt werden; man braucht eine Vision, die Kraft gibt und begeistert. Entscheidend für den Selbstfindungsweg ist, wie man im Laufe seines Lebens dieses "Höhere" definieren lernt, ob man bei irdischen Größenvorstellungen stehen bleibt, und es sich lediglich um eine höhere gesellschaftliche Position mit all den dazugehörigen Attributen handelt - "je sinnentleerter, desto mehr äußerlichkeitsbestimmt" sagt Oskar Adler - oder ob man den tieferen Gehalt des Schütze-Auftrags erfasst: das Leben als Pilgerfahrt zu begreifen, getrieben von der Frage nach dem Sinn des Daseins. Sinngewissheit und Sinnsuche sind die eigentlichen Antriebskräfte im Schütze-Zeichen, und wenn das Leben sinnlos erscheint oder man den Eindruck gewinnt, sich lediglich im Kreis zu drehen ohne jeglichen echten Aufstieg, dann sind das die niederschmetternsten Erfahrungen des Schütze-Menschen. Weiterhin ist entscheidend, welchen Umgang man mit dem Pferdeleib des Kentauren findet. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten; die erste heißt: Verehrung nach oben, Liebe nach unten; die zweite: Verehrung nach oben, Verachtung nach unten. Bei Möglichkeit Eins finde ich auch ein liebevolles Ja zu meiner Körperlichkeit, zum Menschentier in mir, zu meinem Unterleib; denn das ist, auf den Menschen übertragen, der Pferdeleib. Ihn als einen sinnvollen Aspekt meiner Existenz anzunehmen, und mein "niederes Selbst" mit allen dunklen Gefühlen als Teil des großen göttlichen Plans zu begreifen - dieser Herausforderung stelle ich mich. Möglichkeit Zwei ist der Weg in die Spaltung: aus einer Mischung aus Scham und Selbstverachtung wird der Pferdeleib geopfert auf dem Altar einseitiger Gottesbilder oder idealer Vorstellungen, die keinen Platz mehr haben für das Niedere. Aber "es bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich, und wär er von Asbest, er wär nicht reinlich" sagt Goethe.

 

Die Körperentsprechung sind Hüfte und Oberschenkel. In der Hüfte richtet sich der Mensch auf, erhebt sich über den Vierfüßlergang der animalischen Kreatur. Hier wächst, auf das Kentaurenbild übertragen, der Tierleib mit dem Menschenkörper zusammen. Ist das harmonische Miteinander von höherem und niederem Menschen gestört, existiert eine Unaufrichtigkeit im Denken oder Fühlen, sich selbst oder der Welt gegenüber, so findet dieses Ungleichgewicht seinen körperlichen Ausdruck häufig in Problemen mit dem Hüft- wie auch dem unteren Rückenbereich.

Aus alldem wird deutlich, dass die Schütze-Energie zu tun hat mit einem besonderen Gespür für persönliche Würde, wie auch für Menschenwürde ganz allgemein, dass hier ein besonderer Bezug zum Höheren besteht. Außen kann dieses Höhere durch Vorbilder, Gurus, Priester und Priesterinnen repräsentiert sein, innen durch den inneren Heiler oder die innere Heilerin oder durch irgendeine andere männliche oder weibliche innere moralische Instanz. Der Schütze "muss haben, wohin er geht" (ein Satz aus dem I-Ging), muss seinen Pfeil auf ein Ziel richten. Ist das Ideal erst einmal definiert, so wird auf der Selbstfindungsreise kein Weg zu weit, keine Mühe zu groß sein. Der Weg des Schütze-Helden in Mythos und Märchen ist die weite Reise in ferne Länder, über die Weltmeere, über höchste Berge und durch tiefste Täler, mit der Bereitschaft, sich den größten Herausforderungen und Abenteuern zu stellen, innerlich angetrieben durch eine sittliche Notwendigkeit, durch ein "man sollte", anders, als das verwandte "ich will" des Widders. Spürt der Widder einen inneren göttlichen Auftrag, die Welt zu erobern und sich untertan zu machen, so drängt dieselbe innere Kraft den Schützen, sie zu missionieren und dadurch in eine bessere Welt umzuformen. Und: nachdem ich das große Wasser durchquert, den höchsten Gipfel erklommen habe, werde ich erkennen, dass das wirkliche Ziel meiner weltanschaulichen Suche ich selbst bin, mein wahres, göttliches, inneres Wesen; dass ich etwas draußen gesucht habe, was immer schon IN mir war. Und trotzdem war die weite Reise notwendig, um das zu erkennen. Es ist wie der Weg des afrikanischen Stromes Niger: er entspringt in der Nähe des Meeres und fließt erst einmal landeinwärts, um dann nach über viertausend Kilometern in relativer Nähe seiner Quelle ins Meer zu münden.

Ein Märchen mit vielen Schütze-Motiven ist "Der getreue Johannes" (Grimm). Der alte König stirbt und trägt seinem treuesten Diener Johannes auf, den Königssohn zu erziehen und zu schützen. Als dieser heranwächst, darf er alle Kammern des königlichen Schlosses besichtigen, bis auf eine. In dieser "verbotenen Kammer" ist das Bildnis der Prinzessin vom goldenen Dache, das er nicht sehen darf, weil er sonst in eine heftige Liebe zu ihr fiele, die ihn in große Gefahren bringen würde. Natürlich verletzt der Königssohn das Tabu - wie alle Helden und Heldinnen, die sich entwickeln wollen - und verliebt sich unsterblich in das Bildnis. Mit einem Schiff voller Gold und Schmuck beginnt er die Reise, und mit Hilfe von Johannes lockt man die Prinzessin an Bord. Während sie fasziniert die Goldschätze betrachtet, legt das Schiff ab. Zunächst ist die Prinzessin erschrocken, dann willigt sie aber ein, die Frau des Königssohns zu werden. Auf der Heimfahrt hört Johannes, der die Sprache der Tiere versteht, das Gespräch dreier Raben, die dem Königssohn tödliche Gefahren vorhersagen. Die Raben verraten auch, wie den einzelnen Gefahren jeweils begegnet werden könne, aber wer es weiß und dem Königssohn sagt, der werde von Kopf bis Fuß zu Stein. Daraufhin wird Johannes traurig und still. Am heimatlichen Ufer angekommen, kommt, wie vorhergesagt, das fuchsrote Pferd dahergesprengt, und Johannes tötet es mit dem Schwert, bevor es den Prinzen in die Lüfte entführen kann. Dann verbrennt er das gold-silberne Brauthemd, das vergiftet ist, und zuletzt saugt er der beim Tanze ohnmächtig dahingesunkenen Prinzessin mit dem Munde drei Blutstropfen aus der Brust. Hatte der Prinz die beiden ersten, für ihn unverständlichen, Taten noch akzeptiert, so gerät er beim dritten Mal dermaßen in Wut, dass er die Todesstrafe über seinen treuen Diener ausspricht. Bevor das Urteil vollstreckt wird, verrät Johannes, warum er so gehandelt hat und wird sofort zu Stein. Der Prinz ist untröstlich und lässt die Statue im königlichen Schlafgemach aufstellen. Die Zeit vergeht, es werden Zwillinge geboren, aber die Trauer des Prinzen will nicht enden. Da beginnt die Statue eines Tages zu sprechen: "Du kannst mich wieder lebendig machen, wenn Du Dein Liebstes daran wenden willst". Johannes fordert das Ungeheuerliche: Der Prinz soll seinen Kindern den Kopf abschlagen. Dieser bringt das Opfer, und Johannes wird wieder lebendig und heilt die Kinder. Der Prinz prüft seine Frau, und da auch sie sich mit dem Kindesopfer einverstanden erklärt, kann er ihr freudig die zum Leben erweckten Zwillinge und den erlösten Johannes präsentieren.

Jeder von uns hat in sich solch einen treuen Johannes. Diese Gestalt braucht keinen Namen zu haben, kann männlich oder weiblich sein. Sie kann als weiser Mann oder weise Frau auftauchen, auch als Schutzengel, als Christus oder als Buddha. Diese Gestalt weiß auf geheimnisvolle Art und Weise um unseren Entwicklungsplan. Kinder haben oft eine selbstverständliche Gewissheit über die Existenz dieses Wesens, oft sogar klare Bilder oder Vorstellungen darüber. Dann passiert Erziehung, es kommt die Konfrontation mit äußeren Gottesbildern und Wertvorstellungen; es heißt: "Du sollst" und "man tut" und "man tut nicht" - und Johannes' Stimme wird leiser und leiser, bis sie schließlich ganz verstummt. Man ahnt, dass man schuldig an sich selbst geworden ist, dass kein Opfer zu groß ist, um den Anschluss an die lebendige innere Wahrheit wieder zu finden. Jeder Mensch WEISS auf einer sehr tiefen Ebene, ob er in Einklang mit dem inneren Gesetz lebt oder nicht. Aber es gehört viel Mut dazu, aufrichtig dieser Wahrheit zu begegnen; denn die Konsequenzen sind oft bitter. Was muss ich opfern, um den inneren Johannes wieder zum Leben zu erwecken? Nicht selten das, was mir als das Wertvollste, was ich habe, erscheint, die eigenen Kinder, sprich: die Früchte meines bisherigen Lebens - eine versteinerte Beziehung vielleicht (schließlich befand sich die Statue im Schlafzimmer des Paares)? Oder meinen sinnentleerten Job? Oder Wert- und Moralvorstellungen, die niemals wirklich meine eigenen waren, sondern Resultate des moralischen Zeigefingers meiner Eltern sind? Dass sich das Opfer lohnt, zeigt dieses Märchen. Aber: bevor ich Johannes wiedererwecken kann, muss ich mir erst bewusst werden, dass ich den Kontakt zu ihm verloren habe. Wie der Prinz muss ich durch ein Tal voller verzweifelter Trauer und Reue gehen. Das allein bewirkt die Läuterung.

Dass der Weg des Helden letztlich ein glückliches Ende findet, kann schon mit ziemlicher Sicherheit aus der Anfangssituation des Märchens herausgelesen werden. Es wird dort ein guter (Jupiter-)Vater geschildert, der dem Sohn seinen Segen gibt, indem er ihn der Obhut des getreuen Johannes, der ja zunächst sein Diener war, überlässt. Mit dem Segen eines wohlwollenden Vaters ausgestattet reist es sich eben leichter, als wenn im Hintergrund ein dunkler König ist, der den Helden oder die Heldin verderben will. Auf der anderen Seite ist man hier aber auch auf diesen Segen angewiesen, ist es in keinem Zeichen so wichtig wie hier, zu wissen, dass das wohlwollende Auge der Eltern auf einem ruht; denn man handelt nicht aus eigenem Antrieb, wie bei Widder, sondern "im Namen von"; man ist hier nicht mehr ich-bezogen wie bei den beiden anderen Feuer-Zeichen, sondern wert-bezogen; man braucht den Auftrag von "oben". Den Auftrag und den Segen für den Auftrag nicht bekommen zu haben, ist eine Katastrophe. In Therapiegruppen ist immer wieder zu erleben, welche Hölle das bedeuten kann. Unbewusst oder bewusst werden oft ganze Lebensläufe bestimmt durch die Sehnsucht nach und das Ringen um den Segen von Vater oder Mutter. Was muss ich denn noch tun, damit er oder sie endlich sieht, dass ich ein guter Junge bin bzw. eine Tochter, auf die die Eltern stolz sein können. Sicher - irgendwann wird jeder von uns sein eigener Richter werden und sein eigener Guru sein müssen; es wird an ihm liegen, ob er sich selbst den Segen gibt; dafür gibt es auf die Dauer keinen Ersatz von außen. Aber trotzdem: mit dem elterlichen Segen geht alles einfach viel leichter.

Die Tradition ordnet Zeus-Jupiter dem Zeichen Schütze als Herrscher zu. In der indischen Astrologie ist der Name für Zeus Guru. Jeder von uns hat durch Jupiter einen Guru in sich, eine individuelle Vorstellung von Gut und Böse, Recht und Unrecht - in der Psychoanalyse wäre die Entsprechung das "Ideal-Ich". Sich mit Jupiter- oder Schütze-Energie anzufreunden, heißt, in Einklang mit der Botschaft des inneren Guru zu leben. Daraus resultiert das wunderbare Gefühl des Geführt-Werdens, eines Gottvertrauens, das eine nie versiegende Kraftquelle ist. Dazu gehört auch das Wissen, dass ALLES, was mir im Leben begegnet, eine Entwicklungschance in sich birgt, eine sinnvolle Lektion beinhaltet und Teil eines großen göttlichen Planes ist.

Es gibt eine Geschichte, die das eben Gesagte illustriert: Zur Zeit Lao-tse‘s lebte in China ein armer Mann in einem Dorf. Aber selbst die Könige beneideten ihn um einen wunderschönen weißen Hengst, den er besaß. Obwohl man ihm phantastische Summen bot, verkaufte er das Pferd niemandem. Eines Tages war das Tier verschwunden. Die Leute sagten: "Du Dummkopf! Wir haben Dir immer gesagt, Du sollst das Pferd verkaufen. Jetzt hast Du das Unglück!" Der alte Mann antwortete ihnen: "Geht nicht soweit, das zu sagen. Sagt einfach: das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache, alles andere ist Urteil. Ob dies ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist. Wer weiß, was daraus folgen wird?" Nach einigen Tagen kehrte der Hengst mit einer Stutenherde in seinem Gefolge zurück. Die Leute sagten: "Alter Mann, Du hattest recht, es war kein Unglück, sondern ein Segen." Dieser antwortete: "Wieder geht ihr zu weit, sagt einfach: "Das Pferd ist zurück." Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht. Es ist nur ein Bruchstück. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz, wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?" Tags darauf begann der Sohn des Alten, die Pferde zuzureiten. Dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Wieder sagten die Leute: "Welch ein Unglück!" Der alte Mann aber antwortete: "Niemand weiß, ob das ein Unglück oder ein Segen ist." Bald darauf brach ein Krieg aus und die Söhne der Nachbarn wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Viele von ihnen fielen in der Schlacht. Nur der Sohn des alten Mannes durfte zuhause bleiben, weil er verkrüppelt war ...

Dieser alte Mann besaß Schütze-Weisheit. Bhagwan (Schütze-Sonne) kommentiert diese Geschichte: "Wirklich - die Reise ist nie zu Ende. Der Pfad endet, ein anderer beginnt. Die eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. Man erklimmt einen Gipfel, ein noch höherer ragt auf. Gott ist eine endlose Reise. Nur Menschen, die mutig genug sind, sich über das Ankommen am Ziel keine Sorgen zu machen, die mit dem Reisen an sich zufrieden sind, die zufrieden damit sind, einfach nur im Augenblick zu leben, nur solche Menschen sind fähig, mit dem Ganzen zu gehen."

Nicht jeder Schütze ist so weise. Die Schattenseite des Prinzips ist durch die Haltung der Leute in der vorausgegangenen Geschichte beschrieben: starres Urteilen und Bewerten nach einer Art Schwarz-Weiß-Muster von Glück und Unglück, von Gut und Böse. Das indische Wort "Advait" bedeutet: "Gott allein ist!" Mit diesem Satz zu gehen, mit einem grundsätzlichen Ja zur Gesamtheit der Existenz, das ist wohlverstandene Schütze- oder Jupiterweisheit. Verurteilung und Verteufelung dagegen führt, kollektiv wie individuell, in eine Spaltung, in lebensfeindliche, erstarrte Moralbegriffe. Man neigt dazu, das was man schon kennt, das Alte, die herkömmliche Religion, das vertraute Gottesbild als das Gute anzusehen, und das Neue, das Fremde, das noch Unbekannte mit dem Bösen zu identifizieren und es zu bekämpfen. "Alle kämpfen wir für das Gute - das einzige, was dabei herauskommt, ist, dass es immer wieder Krieg gibt" sagt Bhagwan. Von Zeit zu Zeit erheben sich die gerechten und allzugerechten Emotionen in uns und rufen zum Kreuzzug gegen das vermeintlich Böse auf: das ist die dunkle Seite des Schütze-Prinzips.

Das Böse in uns rechtfertigt seine Handlungen durch das vermeintlich Gute; nicht im Namen Satans, sondern im Namen Gottes richten, verurteilen und töten wir. Immer wieder entdecken wir das Gute in uns und bekämpfen das Böse draußen in der Welt. Dem Zeichen Schütze wird auch der Zeigefinger zugeordnet: der Zeigefinger, der hocherhoben den Weg weist und zur Aufrichtigkeit mahnt. Verliert der Schütze-Pfeil jedoch die Richtung, und zeigt der Zeigefinger gestreckten Arms nach unten, dann wird er zum strafenden Blitz der Verachtung. Erst wenn jeder das Böse in sich erkennt und es dort bekämpft, wenn die Kriege nach innen verlegt werden, dann wird die äußere Welt friedlicher werden. Jeder trägt das helle und das dunkle Gesicht Gottes in sich.

Auch Zeus selbst scheint in der Spaltung gelebt zu haben: Einerseits war er der verehrte, lichte Olympier, der Hüter oberster Werte und stets bereit, mit seinen Attributen Donner und Blitz Regelverstöße zu ahnden, andererseits hatte er in TIERGESTALT diverse Liebesabenteuer mit irdischen Frauen. Seinen Sohn Ares hat er wegen seiner wilden, primitiven Art mehr verachtet als geliebt, trotzdem war er sich nicht zu schade, sich bei einem seiner Seitensprünge in einen wilden Eber zu verwandeln, ein Symboltier des Ares. Jene Seite seines Charakters, zu der er sich selbst offiziell nicht bekannte, die er vermutlich sogar vor sich selbst verbarg, erkannte und verachtete er in seinem Sohn. Diese doppelte Moral erinnert an die Karikatur eines Priesters, unter dessen Gewand der Pferdefuß hervorlugt. Dieser "teuflische Pferdefuß" ist im Kentaurenbild ein wohlintegrierter Teil menschlicher Ganzheit - aber die Gottesbilder, mit denen wir gefüttert wurden und werden, haben viele von uns in die Spaltung und Scheinheiligkeit getrieben. Die unzähligen unehelichen Kinder katholischer Priester sind Produkte jener doppelbödigen Zeus-Haltung, ebenso die Besuche hoher Politiker und Würdenträger im Bordell. Alles hat eben zwei Seiten! Wenn man sich und der Welt das eingestehen kann, dann ist der Gegenpol Zwillinge integriert.

Ein schönes Beispiel für diese Weisheit bietet die Natur des Lichts: das Licht hat sowohl Wellen- als auch Teilchencharakter. Diese Erkenntnis der modernen Physik hat das aristotelische Weltbild erschüttert, das auf dem Grundsatz gründete: wenn A ist gleich A gilt, dann kann nicht sein, dass A ist gleich B. Wir leben in einer Welt der Gegensätze, und in dieser Welt ist jede Einseitigkeit - also der bequeme, leichte Weg, die breite Straße: so ist es, basta! - das "eigentlich Böse". Ein echter Schütze ist so aufrichtig, sich zu seinem Schatten zu bekennen, ihn als Quelle des Wachstums zu begreifen. Der Psychotherapeut Jens Corssen sagt: "Lass Deinen Schatten wachsen, dann wächst Du auch!" Bequemer sind natürlich verlogene Heimlichkeiten und Persona-Haltungen, nach dem Motto: Nur nicht das Gesicht verlieren. Dabei kann ich mein Gesicht ja nicht wirklich verlieren, höchstens meine Maske.


Familiensystem und Beziehungsmodell

"Noblesse oblige" heißt das Leitthema der Schützefamilie. Es ist eine Ehre zu dieser Familie gehören zu dürfen und es wird erwartet, dass man das weiß und sich entsprechend verhält. Auf den Ruf der Familie wird geachtet, niemand darf ihren Namen beschmutzen. Kinder werden in dieser Familie als ein Segen Gottes betrachtet und mit überschwänglicher Freude in Empfang genommen und respektvoll als göttliche Wesen behandelt. "Du bist als ein Ganz Besonderer in diese Welt berufen worden" lautet die elterliche Botschaft an den Neuankömmling. Andererseits sind die Eltern die Vertreter Gottes auf Erden und erwarten von ihren Kindern Ehrfurcht und Gehorsam. Sie fühlen sich der Zukunft und dem Seelenheil ihrer Kinder verpflichtet. Sind die Eltern weniger spirituell oder religiös orientiert, so soll das Kind es wenigstens in der Gesellschaft zu Rang und Namen bringen. Der Weg dahin wird von Vater und Mutter geebnet. Die Eltern werden geliebt und geachtet; denn die Kinder wissen es durchaus zu schätzen, solche Eltern zu haben. Wer so viel Vertrauen und Zuspruch erfährt, hat den denkbar besten Start ins Leben. Die höchsten Ziele können angepeilt werden. Die Schattenseite dieses Familiensystems ist, dass der eigene Schatten oft geleugnet, ja nicht einmal gesehen wird. Vater und Mutter sind absolut fehlerfrei; der Heilige Vater und die Mutter Gottes sind ihre Identifikationsobjekte. In Gegenwart der Kinder oder gar vor fremden Personen wird niemals gestritten. Niemand kann sich vorstellen, dass es zwischen ihnen jemals Ärger oder gar so etwas Profanes wie Sexualität gibt. Jeder lebt hinter seiner Maske. Das Schütze-Thema wirft oft ein Riesenproblem mit der Echtheit auf: der Scheinheiligkeit und der Heuchelei sind Tür und Tor geöffnet. Die Verteilung von Gut und Böse steht von vorneherein und ein für alle mal fest: alles Böse kommt von draußen. Wer tatsächlich einen nicht mehr zu leugnenden Makel aufweist, muss damit rechnen aus der Familie verstoßen zu werden. Der verachtende Blick des Familienoberhauptes und die Verbannung sind hier die höchsten Strafen.

"Wen ich auf's Podest stelle, dem kann ich nicht mehr in die Augen schauen!" Das ist ein wichtiger Satz für die Schütze-Beziehung. Man ist hier nur allzu bereit, im Partner den ehrfurchtgebietenden edlen Ritter und in der Partnerin die anbetungswürdige edle Dame zu sehen. Wenn der Anspruch an die Rolle, die man zu spielen hat, solche Dimensionen annimmt, dann wird es schwierig, irgendwie auch noch authentisch zu sein, man selbst, einfach Mensch, mit allen dazugehörigen Fehlern und Schwächen. Eine echte Begegnung kann oft nicht mehr stattfinden; es berühren sich nur noch die Masken. Man findet hier die zutiefst unfruchtbare Beziehung, da auch der Heilige Geist nicht mehr zu retten vermag, was an Mann und Frau vertrocknet ist. Der Unterleib wird nicht geliebt, und Sexualität ist häufig mit vielen Zeigefingern belegt. Man erlaubt dem Partner, sich als Richter aufzuspielen oder übernimmt selbst dieses "hohe Amt". Der Wunsch nach Beziehung scheitert am Anspruch; denn das gesuchte Niveau findet man nie wo. Man hat eine Lösung, aber diese passt nicht zum Problem.

Im positiven Sinne haben wir hier eine echte Wachstumsbeziehung. Beide Partner sind bereit sich zu entwickeln und auszudehnen, die Liebe in ihren Herzen wachsen zu lassen. Es ist selbstverständlich, dass die spirituelle Entwicklung des Partners wohlwollend begleitet und gefördert wird. Das Augenmerk wird auf den (gemeinsamen) Fortschritt gerichtet, Fehler und Rückschläge werden großzügig übersehen. Ein Mann sagte einmal, als man ihn auf etliche unschöne Charakterzüge seiner Gattin ansprach, ganz lapidar: das wird mitgeliebt. Der wahre Schütze hat ein großes Herz und darin hat vieles Platz. Sein Glaube an das Gute im Menschen ist unerschütterlich. Aus seiner Sicht ist alles in der Welt grundsätzlich göttlich und daher auch sinnvoll; also auch seine Beziehung, wenn diese auch noch so schwierig sein mag; für ihn hat sie eine tiefere, gottgewollte Bedeutung, und daher betrachtet er sie auch als die beste aller möglichen. Eine solche Bereitschaft, das Schöne und Gute zu sehen und das Hässliche zu übersehen ist natürlich auch eine Art Talent zum Glück. Bei solchem Optimismus in allen Lebenslagen ist geteilte Freude doppelte Freude und geteiltes Leid nur halbes Leid. Liebe und Sexualität werden zum gemeinsamen Heiligtum, Mann und Frau zu Priester und Priesterin der Liebe. Es entsteht eine Philosophie der Freude und das Leben wird als Ritual zelebriert. Man zieht Menschen an, die einen fördern; in jeder menschlichen Begegnung entdeckt man den göttlichen Funken. Man glaubt an die Liebe und hält sich selbst für liebenswert; Liebe macht das Leben sinnvoll. Mit dieser Lebenshaltung hat man nicht selten eine glückliche Hand in der Partnerwahl.


Anregungen für Beratung und Therapie

Der Zeichenherrscher Jupiter ist der Goliath unter den Planeten; analog dazu geht es im Schütze-Thema immer um die großen Dinge in dieser Welt, um den großen Wurf, den weiten Schuss; mit Siebenmeilenstiefeln möchte man hier voranschreiten. Oftmals muss der Schütze lernen, auch den Details Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, bereit zu sein, auch das Kleine zu tun. Andernfalls kann es sein, dass ein unbeachteter oder unterschätzter David der großen Reise ein unerwartetes Ende setzt. Man sieht hier nicht gerne ein, dass erst einmal ein guter Pfeil geschnitzt werden muss, bevor dann der goldene Schuss erfolgen kann. Alles Überdimensionale, über sein optimales Maß Hinausgewachsene ist hier zu finden. Auf der körperlichen Ebene kann es sich dabei um Schwellungen, gutartige Wucherungen, aber auch um Krebs handeln. Im Psychischen findet man die aufgeblähte Persönlichkeit. Die Elternbotschaft "Vergiss niemals, dass Du ein XY bist!" kann zu einer riesigen Persona-Haltung führen. Man weiß, was man sich und seiner Familie schuldig ist; man ist ja nicht irgendwer. Oft scheitert man an den eigenen Ansprüchen oder an denen der Eltern und Großeltern. Hinter der Fassade eines Elefanten versteckt sich dann eine kleine Maus; man wird zum Hochstapler. Man kann seine überzogenen Ansprüche natürlich auch an seine Umwelt richten und sich zum genauso unliebsamen wie unberufenen Kritiker und selbsternannten Richter in allen Lebenslagen aufmausern, was nicht selten dazu führt, dass man Federn lassen muss. Auf alle Fälle fühlt man sich als Berufener: daher führt ein Mangel an Bildung und Wissen zur Besserwisserei, ein mangelndes Verständnis der natürlichen Ordnung zur Selbstherrlichkeit und ein Mangel an Liebe zu Intoleranz und Fanatismus. Bei mangelndem Selbstwert verwandelt sich joviale Großzügigkeit in Großspurigkeit und Angeberei. Lebensoptimismus wird zur Lebenslüge: mehr scheinen als sein! Man macht vor allem sich selbst was vor. Man redet sich ein, unterwegs zu sein, die Pilgerreise angetreten zu haben, obwohl man sich nur im Kreis dreht. Dieser Mangel an AUFRICHTIGKEIT äußert sich oft in massiven Hüftproblemen. Auch die innere Weigerung, sich weiterzuentwickeln, die nächste Lebensstufe zu nehmen und letztlich die Angst vor dem Ankommen, vor dem Ende der Reise, vor dem Tod, kann sich in einem Problem mit dem Hüftgelenk manifestieren; ebenso ein Problem mit dem Älterwerden; denn schließlich ist man ja jung, dynamisch und erfolgreich und es kann und darf, wie im Schütze-Symbol ausgedrückt, immer und in jedem Falle nur aufwärts gehen. Bei einer rein materialistischen Lebenseinstellung gerät diese Philosophie mit fortschreitendem Alter zusehends immer mehr in Diskrepanz zur Realität. Man muss überall vornedran und obenauf sein, es besteht ein Drang zu Verschwendung und Grandiosität. Das Leben ist einem was schuldig: aber bitte mit Sahne! Eine überstiegene Persona-Haltung äußert sich oft in Fallträumen; unbewusst fürchtet man, vom hohen Ross herunterzustürzen. Auf der Körperebene wird dem Schützen auch die Leber zugeordnet; sie ist die größte Drüse des menschlichen Körpers und für die Umwandlung von pflanzlichen und tierischen Bausteinen in menschliche verantwortlich; symbolisch kommt dadurch nochmals zum Ausdruck, dass die höhere Stufe immer auf der tieferen fußt. Zudem fällt der Leber eine Entgiftungsfunktion zu. Psychologisch ist das Gift des Skorpions gemeint, dessen nachhaltige Wirkung nun endgültig überwunden werden muss: dem Tod folgt die Auferstehung, der Dunkelheit das Licht. Um sich entgiften zu können, muss man erst einmal mit dem Gift in Berührung gekommen sein, um sich aufrichten zu können, muss man erst einmal unten gewesen sein, um in das Reich des Schützen eintreten zu können, muss man das des Skorpions durchschritten haben. Diesen Umstand wollen viele Schütze-Menschen nicht wahr haben. Man möchte hier gerne im Licht geboren sein, im Licht leben und erleuchtet sterben. Aber das würde bedeuten, nur dem hellen Gesicht Gottes begegnet zu sein, und solche Halbwahrheit hat mit Erleuchtetsein absolut nichts zu tun. In jedem Fall entspricht ein Zuviel auf der einen Seite einem Mangel auf der anderen. Für Beratung und Therapie bietet der Schütze-Optimismus einen Ansatzpunkt; und wenn es gelingt, dem Schützen den Unterschied von "maximal" und "optimal" zu vergegenwärtigen, dann ist man rein schütze-mäßig betrachtet ohnehin schon auf dem ansteigenden Ast.


Bei Sonnenstand Schütze entsteht das Bild eines würdevollen Königs, den man aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung achtet, respektiert, wenn nicht gar verehrt. "Vertraut Ihr Euch selbst, so vertrauen Euch andere Seelen" - das ist das Geheimnis seiner Macht. Er begreift sich als Vermittler von Werten, ist mehr Priester als Lehrer, mehr Guru als Freund. Er ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst, und das ist für ihn Ansporn und Verpflichtung zugleich. Es ist ihm ein tiefes Anliegen, seinen Kindern optimale Entfaltungsmöglichkeiten zu gewährleisten; er glaubt an den "guten Kern", an das positive Entfaltungspotential in ihnen. "Du kannst es, Du schaffst es, wenn Du nur willst!" - das ist seine Botschaft. Allerdings ist er auch gefürchtet ob seiner absoluten Richtersprüche, die keinen Widerspruch zulassen. Wenn der Zeus-Vater blitzt und donnert, fühlst Du Dich manchmal gedemütigt, beschämt, vernichtet. Kinder mit diesem Sonnenstand haben die Bereitschaft, im leiblichen Vater den "heiligen Vater" zu sehen, ihn, hungrig nach seiner Botschaft, nach seinem Segen, auf ein Podest zu stellen. Mit dem "Pferdeleib" des Vaters hast Du natürlich so Deine Probleme, wenn er zum Beispiel eine heimliche Freundin hat oder unter dem Tisch unsaubere Geschäfte abwickelt; denn kein Vaterbild, außer vielleicht Löwe, ist anspruchsvoller oder idealisierter. Hoffentlich ist der reale Vater dieser Projektion würdig und schafft es, mitsamt seinem Schatten aufrecht dazustehen. Ist er das nicht, weil er schwach, depressiv, ungerecht oder primitiv ist, so kann er in den tiefsten Abgrund stürzen. Die Konsequenz aus der Verehrungsbereitschaft ist dann das genaue Gegenteil, aus Achtung wird Verachtung. Dann schämst Du Dich Deines Vaters, und entwertest ihn innerlich mit derselben Absolutheit, mit der Du ihn zuerst verehrt hast. Aber ganz davon abgesehen, ob Du "den besten Vater der Welt" gehabt hast oder nicht, ist es Deine zentrale Lebensaufgabe, Deine eigenen Leitbilder zu finden und das Ziel Deiner Lebensreise anzupeilen. Was ist der Sinn Deines Daseins, welches ist Dein göttlicher Auftrag? Als Frau mit diesem "Guru-Animus" wirst Du zunächst die Bereitschaft haben, Männer, die Du liebst, zu idealisieren und zwar so etwa nach dem Motto: "fördernd ist es, den großen Mann zu sehen". Du bist dann schwer enttäuscht, wenn Dein Partner sich als der einfache Mensch mit Schwächen und Fehlern entpuppt. Oder Du bist bereit, einem Mann die Macht zu geben, Dich zu bewerten und zu richten, Dein Guru zu sein, von dessen Segen und Urteil Du Dich abhängig machst. Positiv gesehen, wirst Du Dir Partner oder "Gurus" suchen, die Dich auf Deiner Pilgerfahrt fördern, Männer, an und mit denen Du wachsen kannst, die Deine Visionen beleben und Dir positive Kraft und Bestätigung geben. Die Schattenseite dieser Beziehungsform drückt der Satz aus: "Wen Du aufs Podest stellst, dem kannst Du nicht in die Augen schauen". Du liebst dann mehr das Idealbild, als den wirklichen Mann, verleugnest seine Schattenseiten und damit seine Ganzheit. Oder Du wirst wahnsinnig ehrgeizig für ihn, willst unbedingt den großen Mann aus ihm machen, damit Du Dich dann mit dem Titel "Frau Doktor" oder "Frau Minister" schmücken kannst. Nun ist nichts primär Schlechtes dabei, den Mann zu fördern, wenn Du darüber den INNEREN großen Mann, den inneren Guru nicht vergisst. Definiere Deine Mission, Deine eigene Zielvorstellung, dann wirst Du die Last der idealen Forderung von den Schultern Deines Partners nehmen und ihn besser lassen und akzeptieren können - einfach so, wie er ist.

Der Gott Merkur, Herrscher im Zeichen Zwillinge, ist dafür bekannt, dass er den Göttern, Halbgöttern und Menschen gerne Streiche spielt, dass er es liebt, sie auf's Glatteis zu führen und sie dort ausrutschen zu lassen. Eines Tages wirst Du feststellen, dass Du da keine Ausnahme machst, dass Du auf ein bewegliches Ziel geschossen hast, das plötzlich im Nichts verschwindet und ein anderes nimmt seine Stelle ein, um dann ebenfalls abgelöst zu werden. Du wirst erkennen müssen: Deine Reise führt nirgendwo hin; sie endet da, wo sie begonnen hat, bei Dir! Wenn Du erkannt hast, dass Du nicht im Besitz der Wahrheit bist und es auch nie warst und nie sein wirst, dann hast Du die für Dich so wichtige Lektion des Gegenpoles Zwillinge gelernt. Und dennoch wird Deine innere Stimme Dir sagen, dass es diese Wahrheit gibt und dass sie das Wertvollste in Deinem Leben ist. Und: ob Du gerade geboren wirst oder gerade stirbst, ob Du gerade heiratest oder Dich gerade scheiden lässt - es ist nur ein Schritt auf einer langen langen Reise. Die Reise an sich ist das Wichtige; der Weg ist das Ziel. Und, da es den "einzig richtigen Weg" nicht gibt, ist die entscheidende Frage an Dich: "Folgst Du in all der Dunkelheit, die Dich umgibt, Deinem inneren Guru, gehst Du den Weg Deines Herzens?"