|
Claus Riemann über das Tierkreiszeichen Steinbock:
Die Sonne
tritt zum Zeitpunkt der Wintersonnwende in das Zeichen Steinbock. Und
Steinbock verstehen heißt, wie bei jedem Tierkreiszeichen, die Qualität, die
Energie, die Stimmung der Natur im entsprechenden Monat einzufühlen – hier
ist es die Kälte und Klarheit des Winters.
Bei der
Wintersonnwende ist auf der einen Seite der dunkelste Tag des Jahres
erreicht, auf der anderen Seite aber auch die Geburt des neuen Lichtes, weil
der Tag jetzt ganz allmählich wieder länger wird, das Licht mühsam aufwärts
klettert, wie eben ein Steinbock im Gebirge. Und auch hier wieder ist es
nicht so, dass man im Sternbild Steinbock unbedingt dieses Tier erkennen
muss, da bräuchte man sehr viel Phantasie dazu. Sondern dieses scheue Tier,
dieser Einzelgänger der in dieser unwirtlichen Bergwelt zuhause ist, und so
hart ist, dass er dort überleben kann, der drückt die Stimmung der Natur im
ersten Wintermonat sehr gut aus. Und als steinbockbetonter Mensch bist du
für den Winter des Lebens, für die Härtetests des Lebens gut ausgerüstet.
Wer in dieser Winterlandschaft überleben möchte, der muss hart sein, der
muss etwas aushalten können, der muss entsagungsfähig sein. Und diese Härte,
Kälte, Klarheit der Natur, diese Einfachheit, das Reduziertsein auf das
Wesentliche und Notwendige, das macht Steinbockqualität aus, egal in welchen
Bereichen man diese Qualitäten finden kann – geistig, körperlich oder
seelisch.
Ein helles
Leitbild das man aus dieser Stimmung der Natur ableiten kann, wäre zum
Beispiel ein alter Tibeter, der im Hochgebirge in einem Kloster lebt und
unter absoluter Entsagung und Einfachheit innere Klarheit findet. Es ist wie
die Klarheit eines Bergkristalls, die unter enormen Druck entsteht. Der
Selbstfindungsweg eines Steinbocks hat insofern mit Diamantenschleiferei zu
tun, Reduktion auf das Wesentliche, auf das Notwendige.
Natürlich hat
auch dieses Prinzip seine Schattenseiten und dann kann diese Lebenshaltung
einfach zu Freudlosigkeit und Geiz führen, zu einer Kälte, die einen frieren
macht und letztendlich auch mit Erstarrung zu tun hat. Hier wäre der
Leitsatz der Puritaner zuhause: Tu was du willst, solange es dir keinen Spaß
macht. Alles was Spaß, Freude, Tanz, Leichtigkeit bedeuten könnte ist
anrüchig, ist verboten. Es zählt nur das was ernst und schwer ist, was
anstrengend ist.
Auch das alte
Preußen wird interessanterweise dem Steinbock zugeordnet. Ich weiß nicht,
wie diese Zuordnung mal zustande kam, aber irgendwie finde ich sie sehr
stimmig, denn diese Disziplin und Strenge und Härte gegenüber sich selbst,
die in diesem Erbe steckt, die könnte man als ein Gesicht der
Steinbock-Natur verstehen. In gewisser Hinsicht ist Steinbock ein sehr
deutsches Zeichen: Der Heldentypus, der in der äußeren Welt erfolgreich ist,
erfährt viel mehr Achtung als der Weise, der die innere Welt kennt. Oskar
Adler hat den Steinbock als den Sämann im Ackerland Erde bezeichnet. Es geht
hier um das handelnde Eingreifen in die Welt, um eine berufliche Auffassung
des Lebens schlechthin.
|