Steinbock
 
Die Wintersonnwende ist zwar der dunkelste Punkt der jährlichen Sonnenbahn - aber, wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten. Die Kälte und Klarheit des Winters ist hier genauso Realität wie auch die Geburt des neuen Lichtes; ab jetzt nimmt das dunkle Prinzip wieder ab. Das Tageslicht beginnt wieder langsam aber stetig zuzunehmen, "aufwärtszuklettern" bis zum ersehnten Frühlingspunkt.

Die innere Seite der Steinbock-Welt beschreibt ein griechischer Mythos, in dem der Ziegenfisch Aigokeros -  ein seltsames Wesen mit Ziegenkörper und Fischschwanz, das die Grundlage für das heutige Steinbocksymbol bildet - in seiner gebirgigen Heimat auf einem Felsvorsprung steht und von dort sehnsüchtig aufs Meer blickt. Er fühlt sich so sehr davon angezogen, dass er in ozeanischer Sehnsucht schließlich abspringt und sich in die Unendlichkeit der Wasserwelt fallen lässt. Beim Eintauchen in die Fluten entdeckt er zu seinem Schrecken, dass er gar nicht schwimmen kann. Glücklicherweise tauchen zwei Nixen auf, die ihn retten und an Land bringen. Als Steinbock bin ich geboren und ausgerüstet für die winterliche Welt der Berge; in mir wohnt die Lebenshärte, die man braucht, um in dieser kargen Gegend überleben zu können. Hier bin ich in meinem Element, obwohl eine stille Sehnsucht nach dem Gegenpol, nach der bergenden Welt des Wassers, nach Fließen und Hingabe in mir ist, aber: dort ist nicht mein Zuhause. Von Geburt an werde ich ein tiefes Wissen in mir tragen, dass Leben mehr bedeutet als Tanz auf der Sommerwiese, dass vielmehr Berge auf mich warten, die bezwungen werden wollen, das heißt, Herausforderungen, an denen ich wachsen und mich bewähren kann. Wie ich diese Herausforderungen für mich entdecke und benenne, steht nur bedingt in meinem Horoskop. Sicher ist aber, dass ich auf die Dauer nur in den Spiegel schauen kann, wenn ich meiner Pflicht, der Pflicht zu wirken, nachkomme. Dieses Wirken-Müssen hat den Aspekt des demütigen Dienens des Menschen, der sich seiner Verantwortung für die jeweilige Aufgabe bewußt ist; zugleich ist es auch als ehrgeiziges Klettern des Leistungsmenschen zu verstehen, der Freude daran findet, die Grenzen seiner Kraft auszuloten. Beides findet Ausdruck in der Organentsprechung: im Knie. Ehrgeiziges Aufwärtsklettern durch Beugen und Strecken gehört ebenso hierher, wie demütiges Niederknien. Ähnlich wie beim seelenverwandten Zeichen Jungfrau, existiert hier die Verbindung von Herrschen und Dienen, und zwar entweder in der Form "Herrschen durch Dienen", wie es einem in der Person eines englischen Butlers oder eines dominanten Schulhausmeisters begegnen kann, oder in der Form "Dienen durch Herrschen", wie sie vom Preußenkönig Friedrich (Steinbock-Sonne) in seinem bekannten Ausspruch "Der König ist der erste Diener seines Staates" propagiert wurde; Ludwig der XIV. hatte diesbezüglich eine andere Meinung: "l'etat, c'est moi" - er war Löwe.

"So endet das Leben des großen Dulders Ödipus". Das sind die letzten Worte des bekannten Mythos. Dieser Mythos enthält einige saturnisch-steinböckische Motive. Über der Geburt von Ödipus schwebt das finstere Orakel, er werde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten. Deshalb wird der kleine Ödipus auf Geheiß seiner Eltern in die Berge! gebracht um dort sein Ende zu finden. Der beauftragte Hirte hat jedoch Mitleid und sorgt dafür, dass Ödipus schließlich bei König Polybos von Korinth landet und von diesem wie ein eigener Sohn aufgenommen wird. Als Herangewachsener ruft ihm ein betrunkener Korinther zu, er sei gar nicht der leibliche Sohn des Königs. Obwohl seine Zieheltern ihn beschwichtigen wollen, traut er dem Frieden nicht und geht zum delphischen Orakel, um Gewissheit zu erlangen. Dort erhält er dieselbe grausame Vorhersage, die schon seinen leiblichen Eltern gemacht worden war. Um dem Schicksal zu entgehen, verlässt er den Hof der vermeintlichen Eltern, begegnet an einem Kreuzweg einem alten Greis, der ihn unsanft beiseite drängen will, und erschlägt diesen im Jähzorn. Es war Laios, sein wahrer Vater. Nachdem Ödipus unwissentlich zum Vatermörder geworden ist, befreit er Theben von der Sphinx und erhält als Belohnung den Thron von Theben und Königin Iokaste zur Frau; diese aber ist seine Mutter. Viele Jahre regiert er weise und gerecht. Als eines Tages eine gräßliche Seuche ausbricht, wendet man sich an den blinden Seher Teiresias um Rat. Dieser nennt den Grund für die göttliche Strafe: "Unter uns wohnt ein Vatermörder!" Ödipus selbst bringt nun seine Entlarvung in Gang, zwingt Teiresias, den Namen zu nennen, und mithilfe des Hirten, der ihn damals gerettet hat, kommt die schreckliche Wahrheit ans Licht. Iokaste erhängt sich in ihrer Verzweiflung; Ödipus sticht sich mit ihren goldenen Brustspangen die Augen aus und fordert das Volk auf, ihn zu richten. Aber das Volk hat Mitleid; denn er war ein guter und gerechter König gewesen. Schließlich geht er mit seiner Tochter Antigone den letzten Gang; nach langem Umherwandern und Betteln gelangen sie zum Hain der Eumeniden, wo sich ein Eingang in die Unterwelt befindet. Nur Theseus, der Herrscher von Athen, der in Ehrfurcht vor dem Schicksal des blinden alten Mannes Gastfreundschaft gewährte, ist zugegen, als sich die Erde für einen Moment öffnet und Ödipus in die Unterwelt eingeht. Für einen Augenblick ist Theseus von einem Lichterlebnis geblendet. Dieser Weg ins Licht war für Ödipus so steinig, wie für sonst kaum einen Helden - und das von Geburt an.

Kronos-Saturn, der unausweichliches Schicksal und härteste Prüfung symbolisiert - er ist der Herrscher des Tierkreiszeichens Steinbock - hat schon bei Ödipus' Geburt seine Hand im Spiel: die dunkle Prophezeiung des delphischen Orakels ist für den kleinen Königssohn eine denkbar schwere Hypothek. Die Transaktionsanalyse würde in so einem Fall von einem "Sei-nicht-Skript" sprechen.

Wie viele Kinder werden auf solch einen steinigen Boden geboren! Dazu muss man nicht erst in die dritte Welt schauen, auch hier gibt es unzählige "Kindheitsorakel", die die Ankunft in dieser Welt schicksalhaft belasten: ein unerwünschtes Kind, das gerade zu der Zeit geboren wird, als die Beziehung der Eltern am Auseinanderbrechen ist; ein Mädchen, das unbedingt ein Bub hätte werden sollen oder umgekehrt; uneheliche Geburt; existentielle Sorgen; überforderte Mütter mit desinteressierten Partnern - Ödipus ist überall. Das erzeugt beim Kind sehr oft ein tiefes Schuldgefühl: "Wäre es nicht besser, ich wäre nicht da?" Dieses "Urmisstrauen", das eigene Lebensrecht betreffend, hat auch Ödipus, sonst hätte er seinen liebevollen Adoptiveltern geglaubt und nicht jenem Trunkenbold. Dann folgt die schmerzhafte Saturn-Lektion, dass sich Schicksal gerade dann erfüllt, wenn man ihm entgehen möchte. Er verlässt sein vermeintliches Zuhause, um den Vatermord zu vermeiden, und gerade dadurch kann sich das Orakel erfüllen. Wie viele von uns versuchen das gleiche, wandern nach Australien oder nach Südamerika aus, um einem tiefsitzenden Kindheitsfluch zu entkommen - und Saturn lacht schadenfroh: Er weiß, dass dieser Fluch ein INNERES Problem ist, das einen begleitet, wohin auch immer man geht. Wenn ich die Wunde des Ungeliebtseins in mir trage, dann nützt es nichts, in den freundlichen Süden auszuwandern; denn innerlich bleibt es Winter; die alte Angst, der alte Zweifel werden mich einholen. Saturn wird man nur los, wenn man ihn annimmt! Ein Aspekt unseres Daseins hat eben mit Schicksal und Schuld zu tun, als Konsequenz unserer früheren Erdenleben. Wenn ich diesen Schicksalsanteil erkenne und benenne, kann ich ihn in Verantwortung verwandeln, und werde freiwillig tun, was ich tun muss. Dann wird Saturn mein Freund. Aber das bedeutet harte und konsequente Arbeit an sich selbst, mit viel Disziplin und Strenge. Daher sagt man auch von Saturn, wie übrigens auch von Pluto: wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.

Interessant ist auch, dass Ödipus selbst zu seiner Entlarvung entscheidend beiträgt. Das unbewusste Schuldgefühl verlangt nach Sühne. Saturnmenschen haben ein besonderes Talent zur Selbstbestrafung, wenn sie einem inneren Gesetz zuwider handeln; sie können sich nicht einfach drücken oder trickreich herausreden; die innere Strenge ist zu groß. Es gibt Schüler, die x-mal die Schule schwänzen und nie erwischt werden, weil sie aus der Haltung des Tricksters handeln. Andere schwänzen im Leben nur einmal, werden aber garantiert erwischt. Dabei sind sie dann noch irgendwie erleichtert, als ob ein unbewusstes "Strafbedürfnis" existiere. Die zugrunde liegende Lebensphilosophie lautet: alles was ich tue, hat Konsequenzen; man erntet, was man sät; Ausflüchte sind nicht erlaubt, nur mitleidlose Klarheit und Bewusstheit über das, was man tut. Segen und Fluch der Steinbock-Seele sind durch solche Lebenshaltung gegeben; sie kann mich auf den Weg des liebevoll-strengen Zen-Meisters führen oder mich unter der Last meiner Unvollkommenheit zusammenbrechen lassen. Ein weiteres Merkmal der Steinbock-Seele ist, dass die Strenge, die man selbst gegen sich walten lässt, oft weitaus größer ist, als die Strenge, die einem von außen widerfährt: Ödipus erfährt Mitgefühl von seinem Volk; jeder spürt die Tragik seines Wesens und Lebens; er selbst aber denkt nur daran, sich mit dem Schwert zu richten. Wäre Ödipus ein Feuer-Mensch, so könnte er auch denken: ich konnte nichts dafür; ich wusste nicht, dass diese Frau meine Mutter ist und, dass jener alte Mann mein Vater war, und überhaupt, meine Eltern sind doch die wahrhaft Schuldigen! Warum haben sie mich in diese Welt geboren, wo sie doch um das Orakel wussten? Was kann ich denn dafür? Saturn würde antworten: Du bist die Ursache Deines Elends! Du hast Dir diese Eltern und dieses Schicksal ausgewählt, um für Dich notwendige Erfahrungen zu machen - Du bist an allem schuld! Und Ödipus übernimmt tatsächlich die Verantwortung; er geht den Gang des Büßers, geblendet, vertraut mit dem dunklen Schattenaspekt seines Wesens. Und als er im Hain der Rachegöttinnen, der Eumeniden, in den Hades eingeht, ist er ein bescheidener und doch ehrfurchtgebietender alter Greis geworden, mit sich und seinem Leben im Reinen - und seine erlösende Reise ins Licht kann doch noch stattfinden; wer hätte dies mehr verdient als er? Man beachte auch, dass nicht einer seiner beiden Söhne ihn auf seinem Leidensweg begleitet, sondern Antigone, die ältere der zwei Töchter. Das Weibliche geht und steht all die schwere Zeit an seiner Seite; nicht einen starken Arm mit einem Schwert, sondern Sorge, Pflege und Mitleid braucht der Held auf seinem letzten Weg. Wie selbstverständlich fließt in die gnadenlos harte steinböckische Realität die Gegenwelt des Krebs mit ein. Es kann kaum deutlicher zutage treten, wie sehr das eine das andere bedingt und braucht.

Auch in dem Märchen "Hans mein Igel", das schon im Kapitel über Stier erwähnt worden ist, begegnen wir einem Kind, das auf einem steinigen Boden aufwächst. Ingrid Riedel (Steinbock-Sonne) zeigt in ihrem in der Reihe "Weisheit im Märchen" erschienenem Buch, wie dieses abgelehnte Kind doch noch zu Glück und Liebe findet. Sie stellt darin auch dar, wie schwer es einem "Ungeliebten" fällt, etwas zu wünschen oder zu erkennen, dass ihm etwas abgeht. Unter anderem berichtet sie: "Was es heißt, einen eigenen Wunsch überhaupt äußern zu können, wurde mir noch klarer, als mir eine Frau, Mutter mehrer Kinder, zu Beginn ihrer Therapie gestand, sie wisse nicht einmal, was ihre Lieblingsfarbe sei; so wenig sei sie es gewohnt, mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen umzugehen". Die Integration des Gegenpols stellt für alle Tierkreiszeichen eine große Herausforderung und eine schwierige Aufgabe dar, selbst dann, wenn das zu Integrierende die angenehme Seite des Lebens ist.

In einem anderen ihrer Bücher behandelt Ingrid Riedel ein weiteres Saturn-Motiv: "Der alte Weise, die alte Weise". Der jugendliche Springinsfeld ist der winterlichen Stimmung nicht angemessen, wohl aber der oder die erfahrene alte Weise, Großvater und Großmutter mit all ihrer Lebenserfahrung, der Ältestenrat oder Senat; Ehrfurcht vor der Erfahrung und dem Wissen der "Alten" sind hier zuhause. So sehr sich unsere Welt auch in Richtung Wassermann-Zeitalter verändert, und es deswegen wichtig ist, den Blick nach Utopia zu richten (siehe Wassermann), so sehr ist auch der Respekt vor dem Wissen unserer Urgroßväter und -mütter angemessen; denn es gibt neben dem Zeitgeist und dem zeitgemäßen Wissen eben auch ein Ur-Wissen, das zeitlos gültig ist.

Im Märchen sind der alte Mann und die alte Frau generell Saturn-Vertreter; sie können hilfreich und auch hemmend sein, je nachdem, wie Held oder Heldin bereit sind, sie zu achten. Alte Könige oder Königinnen, die ihren Thron nicht räumen wollen, sind negative Kronos-Figuren. Entwicklungswege, die von Held oder Heldin Demut, die Bereitschaft zu dienen oder auch mühevolle Strapazen verlangen, gehören ebenfalls hierher. Die Steinbock-Selbstfindungsreise ist kein Friede-Freude-Eierkuchen-Weg! Unter großem Druck entsteht der Bergkristall; das Ego muss gesundgeschrumpft werden. Aus saturnischer Sicht sind Phasen der Demütigung und Erniedrigung, harter, disziplinierter Arbeit, nicht einfach preußische Härtetests, sondern "Diamantenschleiferei". Reduktion auf das Wesentliche, Notwendige - das will Steinbock uns lehren. Was brauche ich wirklich? Reich ist, wer auf Vieles verzichten kann, wer vom Konsumrausch der Wegwerfgesellschaft unabhängig ist! Der heitere Asket oder Eremit, der unter äußerer Entsagung innere Klarheit findet, der alte Tibeter im Himalaja, die einfache Weisheit wettergegerbter Bergbauern, die Unbestechlichkeit im Blick eines alten Menschen, der das Leben kennt, dem man nichts mehr vormachen kann, weil er genug harte Winter durchlebt hat, die Klarheit, Reinheit und Härte des Bergkristalls - zu solcher Wahrheit hat man hier mehr Bezug, als zu geistigen Höhenflügen revolutionärer Kindsköpfe. Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (Steinbock-Sonne) waren die Theorie-Diskussionen der Jusos ein Gräuel. Als er gefragt wurde, was er denn als Inschrift auf seinem Grab sehen wolle, meinte er: "Er hat seine Pflicht getan."
Kollektiv gesehen, hat die Steinbock-Energie zu Beginn des Wassermann-Zeitalters ähnlich schlechte Karten wie die Löwe-Energie. Das wassermännische Individuationsmotiv tut sich schwer mit dem Gedanken, dass zur Existenz auch Normen und Gesetze gehören, die nicht nach Lust und Laune des Einzelnen fragen. Dementsprechend werden die Hüter des Gesetzes, Autoritäten jeder Art und das angeblich "verstaubte Wissen" der Alten selten ernst genommen. Wenn Saturn zu sehr missachtet wird, hat das jedoch Konsequenzen. Wie schon bei Löwe angedeutet, liegt hierin aus astrologischer Sicht eine Wurzel des Neonazismus: es ertönt der Ruf nach jemandem, der Ordnung schafft, der die alten, vertrauten Strukturen wieder funktionieren läßt - was natürlich in der neuen, gewandelten Welt auf gesunde Art nicht mehr möglich ist. Eine Rehabilitation des Saturn auf positive Art gibt es natürlich auch: hierher gehört, dass uferloser Konsum und materialistische Gier mehr und mehr aus der Mode kommen und das Überschreiten gesunder Wachstumsgrenzen trotz natürlich gegenteiliger Behauptungen der Herren Politiker ein allgemeines Unbehagen erzeugt. Die Verantwortung für die Mutter Erde, für unsere natürliche Umwelt, wird größer, je sichtbarer unsere Kollektivschuld diesbezüglich wird.

Wie wir das Saturn-Prinzip lernen, ist dem Saturn egal. Ob wir als Kollektiv freiwillige Selbstbeschränkung üben lernen, wie ein Pferd, das einen Schritt vor dem Abgrund zitternd und mit bebenden Nüstern zum Stehen kommt, oder ob wir in unserem dummdreisten Machbarkeitswahn eine gigantische Saturn-Ohrfeige benötigen, das wird sich zeigen.


Familiensystem und Beziehungsmodell

Die Familie mit Steinbock-Energie ist sich ihrer Tradition bewusst; Großmutter und Großvater haben ihren geachteten Platz; sei es, dass sie selbst noch den Enkelkindern Geschichten aus vergangener Zeit erzählen und ihnen praktische Lebensweisheit vermitteln oder, dass ihr Bildnis in der Ahnengalerie den gebührenden Platz bekommen hat und das Andenken an sie am Leben erhalten wird. Wie auf dem Bergbauernhof hat jedes Familienmitglied seine klar umrissene Aufgabe und Verantwortung für das Familienganze. Hier ist man für harte Winter gerüstet, der Zusammenhalt gerade in schlechten Zeiten ist groß; in gegenseitiger selbstverständlicher Verpflichtung tut jeder, was er tun muss; die gegenseitige Liebe wird ausgedrückt durch schlichtes, unsentimentales Tun. Kinder werden nicht verzärtelt; sie schlafen auch im Winter in ungeheizten Zimmern - dafür sind sie auch so gut wie nie krank. Junge Erwachsene, die diese Familie verlassen, sind für den Lebenskampf gerüstet und werden in Einklang mit ihrem inneren Gesetz mit Freude die Herausforderung der "Lebens-Berge" suchen.

Die dunkle Seite dieses Systems ist die freudlose Strenge, die lebensfeindliche Seite autoritärer Erziehung; drückende, melancholische Schwermut liegt wie eine dunkle Wolke über dem Familiengemüt - hier gedeihen nicht Lachen und Tanz, sondern Minderwertigkeitsgefühle und Depression. Angst vor Strafe, sowie Furcht vor Misserfolg, regieren mit Macht; Schuldgefühle welchen Inhalts auch immer ersticken jegliche Lebendigkeit. Man wird nur akzeptiert aufgrund seiner Leistung; wer man unabhängig davon sonst noch ist, interessiert hier niemanden. In diesem Klima erfrieren alle Gefühle, die Augen verlieren ihren lebendigen Glanz, dafür bekommt man als Trostpreis die stolze Gewissheit, nicht so ein Tagedieb wie "die da draußen" zu sein. Das Vermächtnis der Ahnen kann hier die heranwachsende Generation enorm belasten; als steinerne Gäste sind die Glaubenssätze der Groß- und Urgroßeltern allgegenwärtig und mächtig. "Deine Großmutter würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüßte ..."

Das Beziehungsmodell aus saturnal-steinböckischer Sicht ist die winterfeste, krisenbeständige Beziehung eines alten, erfahrenen Paares, das in liebevoller Illusionslosigkeit den gemeinsamen Weg gegangen ist und noch immer geht. Am Ende des Lebens wird man auf viele gemeinsam bestiegene Berge zurückblicken; man hat etwas geschafft und geschaffen, in der äußeren Welt genauso wie in der Innenwelt der Partnerschaft. Man hat den anderen kennengelernt, wie er wirklich ist, ihn und sich selbst befreit von der drückenden Last idealer Vorstellungen; aus schmerzhaft-heilsamer Desillusionierung konnte wahrhaftige Liebe wachsen, begründet auf Klarheit, Ehrlichkeit und Bewusstheit. Sicher hat man auf Manches oder Vieles verzichten müssen, manch flüchtigen Genuss ausgelassen; dafür weiß man, was es heißt, verantwortlich mit einer Beziehung umzugehen; und: ich weiß, dass ein inneres Gesetz mich mit dem geliebten Menschen verbindet, das durch keinen Ehevertrag zu ersetzen ist. Ich bin fähig zu einem Bekenntnis zum anderen, das nicht nur für die Flitterwochen auf der Hochseejacht gilt; wenn ich "ich liebe Dich" sage, dann meine ich es auch; denn ich gehe mit diesem großen Wort sparsam um, damit es nicht banal wird.

Die dunkle Seite ist hier die kalte, versteinerte Beziehung, aufrechterhalten nur noch durch äußere Verträge, Schuldgefühle und durch mehr oder weniger lästige gemeinsame Verpflichtungen. Die Beziehung bleibt bestehen, weil keiner die Verantwortung der Trennung auf sich nehmen mag. Sex verkommt zur ehelichen Pflicht, zum Lachen geht man in den Keller, und damit man sich überhaupt noch spürt, wird gearbeitet bis zum Umfallen. Ein überstrenges Eltern-Ich regiert in der Beziehung des braven, bemühten Sohnes und der gehorsamen Tochter. "Kein Genuss ohne Reue" oder "Der Vogel, der am Morgen singt, den frisst am Abend die Katze" sind hier die das Leben prägenden Weisheiten; und sollte doch irgendwann ein Funken Spontaneität und Lebensfreude aufkommen, so weiß man von alters her, dass "man sich nicht zu früh freuen soll!" Die Wirklichkeit sieht nämlich anders aus: rau, hart, ernst, lebensfeindlich! Durch die Steinbock-Brille nimmt man eben nur den Winteraspekt des Lebens wahr.

Dazwischen gibt es natürlich jede Menge Möglichkeiten. Entscheidend ist, wie man mit dem Schuld-Verantwortungsmotiv umgehen lernt; denn der Grat zwischen Demut und Masochismus ist schmal. Damit hängt auch zusammen, inwieweit einem die von den Eltern gelernten Gebote und Verbote bewusst sind, da man als saturnaler Mensch für diese besonders empfänglich ist. Und wenn man da nicht aufpasst, bekommt der Partner die Rolle des autoritären Papas oder der strengen Mama. Oder: man bekämpft in ihr oder ihm diese Seite, ob der Partner sie nun hat oder nicht. "Immer schränkst Du mich ein!", "nie kann ich's Dir recht machen!", "Du gibst mir das Gefühl, nichts zu sein!" lauten dann die Anklagen. In der Regel gilt: Je weniger ich mich dem inneren Saturn stelle, desto mehr wird er mir von außen begegnen, das heißt: je weniger ich selbst meine Grenzen definiere, desto mehr werden sie mir von anderen gesetzt werden, je weniger ich bewusst Verantwortung übernehme für das, wofür die Stimme meines eigenen Gewissens mich verantwortlich macht, desto mehr werde ich durch meine Umwelt beschuldigt werden; - wie ich das Prinzip lerne, ist dem Prinzip egal! Autoritätsprobleme in der äußeren Welt, sei es nun mit Chefs, Gurus, Kollegen, Freunden und Partnern, männlich wie weiblich, deuten an, dass es höchste Zeit ist, meinem inneren Bedürfnis nach Gesetz und Ordnung nachzuspüren.


Anregungen für Beratung, Therapie und Selbsthilfe

Im Knie wohnt, wie die Bioenergetik erkannt hat, unter anderem die Angst vor Hingabe, die Angst vor dem Tod. Man kann sich selbst prüfen, indem man sich ganz normal hinstellt. Steht man mit lockeren, beweglichen Knien da oder mit starr durchgedrückten? Wenn man zu starr und verbissen durch die Welt geht, werden einem das die Knie mitteilen. Wenn die Angst vor allem Neuen und Unbekannten, vor jeder Veränderung so groß ist, dass man sich mit aller Kraft dagegenstemmen muss, dann hat man im Leben einiges durchzustehen und die Knie werden eines Tages eine Geschichte davon zu erzählen wissen. Aber auch wer's im Leben zu was bringen will oder eine alte Schuld abzubezahlen hat und sich ordentlich reinkniet, wird in seinen alten Tagen die Gelegenheit finden, den Gegenpol Krebs zu integrieren, indem er das geschundene Gelenk wie ein kränkliches Sorgenkind liebevoll pflegt und hegt. Manch andere haben enorme Probleme mit dem Thema "Demut"; sie können und wollen sich unter keinen Umständen beugen; heroisch überstehen sie gigantische Herausforderungen, bis sie das Schicksal am Ende doch in die Knie zwingt. So kann das Knie ein Lied singen von der Steinbock-Seite des Daseins, vom heldenhaften Aufstieg bis hin zum demütigen Niederknien. Und dieses Schicksal nimmt seinen Anfang meist schon in der frühesten Kindheit; denn kein Kind ist so empfänglich wie das Steinbock-Kind für Botschaften wie "Du musst!", "Du darfst nicht!", "Du bist schuld!", "Du bist verantwortlich!", "ich muss mich hundertprozentig auf Dich verlassen können!", etc. - daher kann man solche Kinder unheimlich leicht missbrauchen und überfordern. Wenn Vater oder Mutter ausfallen, sind diese Kinder oft die kleinen Erwachsenen in der Familie. Vor allem bei Mond in Steinbock findet man Menschen, die nie eine richtige Kindheit hatten, die nie klein und bedürftig sein oder einfach nur spielen durften. Um die eigene versteinerte Gefühlswelt wieder zum Leben zu erwecken, muss hier häufig erst einmal im Rahmen einer Selbsterfahrungsgruppe oder einer Therapie ein Stück Kindheit nachgeholt werden. "Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben" sagt Erikson. Zwang und Leistung sind zwei Seiten ein und derselben Medaille; so findet man hier alle Arten von zwanghaftem Verhalten. Dem Diktat der vielfältigen Notwendigkeiten entkommt man oft erst, wenn einen das Schicksal seinerseits durch drastische Maßnahmen zum vermeintlich unverdienten Glück zwingt. Wem überhaupt nicht zu helfen ist, der kann sich vielleicht noch zur Selbsthilfe verpflichten: Heilfasten und Aktivurlaub sind der goldene Weg. Ansonsten ist Arbeit die beste Therapie; denn ohne Arbeit wird der Steinbock depressiv. Aber vielleicht gelingt es, eine Tätigkeit zu finden, in der auch die Krebs-Welt der Gefühle ihren Platz hat; eine Arbeit, die dem inneren Kind die Daseinsberechtigung nicht abspricht.

 

Sonne in Steinbock

Mit Sonnenstand Steinbock will in Dir ein strenger, alter weiser König leben, der, obwohl Herrscher, sich seiner dienenden Funktion im Kosmos bewusst ist. Er hat eine klar umrissene Aufgabe, die er mit ganzem Herzen zu erfüllen trachtet, sei es eine weltbewegende oder eine in bescheidenem Rahmen. Überhaupt ist, bei aller Tatkraft und Leistungsfähigkeit, nicht Stolz sondern Demut, nicht Pracht sondern Bescheidenheit das Geheimnis seiner Macht. Er regiert sein Reich streng, aber gerecht; er wird auch von den kleinen Leuten geachtet, da er selbst durch eine harte Lebensschule gegangen ist, einen steinigen Weg auf den Thron hinter sich hat. Disziplin und rechtes Handeln sind in seinem Reich hohe Werte; jeder wird gemessen an dem, was er tut. Er hat die Fähigkeit, sein Volk durch das Gebirge oder durch die Wüste zu führen; in Zeiten der Not ist auf ihn Verlass; wie ein Fels hält er allen Widerwärtigkeiten des Lebens stand. In seinem Reich sind ihm diejenigen nahe, die bereit sind, den steinigen Weg zu gehen und den endlos hohen Berg zu besteigen.
In der Begegnung mit Deinem leiblichen Vater wird eine große Rolle spielen, wie Du Deine Leistungsfähigkeit durch ihn bewertet siehst. Nimmt er Dich mit auf die Hochgebirgstour oder erscheinst Du ihm zu weich und zu schwächlich? Strahlt er aus "Du schaffst es!" oder vermittelt er Dir "das schaffst Du nie, Du Versager!"? Ist er überhaupt klar und ehrlich sich selbst und Dir gegenüber, Dir, der Du ein kritischer Sohn oder eine kritische Tochter bist, bereit, den Vater gnadenlos realistisch zu sehen? Du wirst Deinem Vater keine Phrase und keine Ausrede durchgehen lassen; Du hast hier nicht, wie bei Schütze-Sonne, die Tendenz, von vorneherein, ohne dass er es beweisen muss, den großen Mann in ihm zu sehen. Ein klares "Das mag ich an Dir, und das nicht!" ist Dir tausendmal mehr wert, als Süßholzgeraspel. Du wirst Deinen Vater lieben für einfache, klare Worte, für ungeschminkte Kritik; denn dann weißt Du, woran Du zu arbeiten hast und was zu tun ist, damit Dein innerer Bergkristall klarer und lichter werden kann. Falsche Schmeichelei riechst Du viele Meilen gegen den Wind; das kritische Wort, mit dem Du innerlich sowieso jederzeit rechnest, es geradezu herbeisehnst und herausforderst, ist Dir wesentlich willkommener, selbst wenn Du Dich dadurch immer wieder ängstlich-zitternd Deiner eigenen Unvollkommenheit stellen musst.

Als Mann mit dieser Sonne ist es Deine Aufgabe, selbst solch ein Vater-König zu werden, egal ob nun im Rahmen der Familie oder in der Öffentlichkeit. "Gutmütigkeit ist ein Teil Liederlichkeit" ist eine Deiner Devisen, daher stehen die Verantwortung für Deine Kinder und eine strenge Erziehung derselben Deinem Herzen näher als pädagogische Konzepte, die in Richtung "laisser-faire" gehen. Deine Strenge kommt aus dem Wissen um die Härte des Lebens, und aus einer inneren Notwendigkeit heraus fühlst Du Dich verpflichtet, Deine Kinder für die Gebirgswelt des Lebens zu ertüchtigen; deshalb bist Du zu ihnen oft härter als zu irgend jemand anderem. Wahrscheinlich bist Du besonders hart und gnadenlos zu demjenigen, den Du am meisten liebst; auch wenn Dein Herz dabei blutet. Vielleicht wird es Dir irgendwann, viele Jahre später, gedankt, und Deine Kinder merken, dass Deine Strenge liebevoll gemeint war; dann könnt ihr gute Freunde werden, erlöst vom Joch der Vater-Kind-Verantwortung.

Erlebst Du als Frau den Steinbock-König über den äußeren Mann, so hast Du einen Bezug zu älteren, erfahrenen Männern, zu Männern, die die Erfolgsleiter des Lebens erklommen haben. Diese Art von Mann soll für Dich, den harten Lebenskampf bestreiten oder Dich zumindest dabei unterstützen. Darüber vergisst Du oft, Deinen eigenen Wirkungskreis angemessen zu definieren und auszuweiten, machst Dich unnötig klein neben dem ewig mit wichtigen Dingen beschäftigten Mann, und Deine innere Unzufriedenheit und Dein Minderwertigkeitsgefühl wachsen parallel zur Bedeutsamkeit Deines Partners. Vielleicht suchst Du aber auch in Wiederholung einer ungelösten Vaterbindung im Mann den strengen Erzieher, eine Art wandelndes Über-Ich, und bleibst die devot-ängstliche Tochter, leicht zu steuern durch Lob und vor allem durch Strafe. Du gibst dem Partner dann das Recht, Dich nach SEINEN Maßstäben zu bewerten, bist deshalb immer bereit, Dich für alles mögliche zuständig und schuldig zu fühlen, und bist ein bereitwilliger Sündenbock für alles, was schief läuft. Erlöst bist Du aus diesem Joch, wenn Du Dein eigenes inneres Gesetz findest und definierst, die Rolle des strengen Richters und Kritikers zu Dir zurücknimmst und Dich freiwillig den Maßstäben des INNEREN Vaters unterwirfst. Dann wirst Du ein klares, ungeschminktes Bild über Dich selbst bekommen, genau sehen, was Du bist und was nicht, was Du kannst und was nicht.

Für Mann wie Frau gilt gleichermaßen: um Steinbock- oder Saturn-Energie in Dir zu erlösen, sind absolute Klarheit und Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber Voraussetzung - vor allem da, wo es weh tut, wo Dein selbstzufriedenes Ego seine Vollkommenheitsvorstellungen opfern muss. Wie Sisyphus musst Du bereit sein, Dein Werk nach jedem Scheitern von Neuem zu beginnen. Außerdem musst Du Dich auf eine lange, beschwerliche Reise einrichten. Und dieses Leben bedeutet auf dieser Reise vielleicht nur einen kleinen Schritt. Das kann Dich verzagt machen oder demütig. Dazu eine Geschichte: Krishna, unterwegs zu Gott, begegnet einem alten Mann, der in Meditation versunken ist, und spricht ihn an: "Soll ich Gott Deinetwegen etwas fragen?" Der Alte antwortet ihm: "Ja, frage ihn wie lange noch, wie oft muss ich noch wiedergeboren werden, bevor ich in die Unendlichkeit eingehe?" Krishna verspricht, ihm die Antwort zu bringen. Als er weiterwandert, begegnet er einem jungen Mann, der ausgelassen unter einem Baum tanzt. Er stellt auch ihm dieselbe Frage. Dieser hört jedoch gar nicht hin, sondern tanzt einfach weiter. Auf seiner Rückkehr von Gott kommt er zunächst zu dem Alten und berichtet: "Ich habe Gott Deinetwegen befragt, und er sagte mir: zwei Leben noch! Daraufhin wird der Alte wütend: "Was, zwei Leben noch! Dabei habe ich mein ganzes Leben in Frömmigkeit und Hingabe gelebt und täglich viele Stunden meditiert! Das ist ungerecht!" Krishna verlässt den zornigen Alten und sucht den tanzenden Jüngling auf. Er sagt: "Obwohl Du mich nicht gebeten hast, so habe ich doch Gott eine Frage um Deinetwillen gestellt. Er sagte mir, Du musst noch so oft wiedergeboren werden, wie Blätter an dem Baum sind, unter dem Du tanzt! Der Jüngling beginnt noch ekstatischer zu tanzen und ruft freudig: "Was, so oft nur? Es gibt so viele Bäume auf der Erde mit so vielen Blättern - so oft nur?" Und es heißt, dass er in diesem Augenblick erleuchtet wurde.

Die Reise von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt, und die Versöhnung mit Deiner Unvollkommenheit bringt Dich weiter, als selbstquälerische Verbissenheit. Außerdem können Askese und harte Selbstdisziplin innerlich genauso mit Hochmut und Ehrgeiz verbunden sein wie mit Demut. "Lerne, Dir selbst zu vergeben, wieder und wieder und wieder und wieder ..." ist der letzte Satz in Sheldon B. Kopps "Triffst Du Buddha unterwegs...". Verwandle Schuldgefühl in Verantwortung für Deine Schattenseiten; verpflichte Dich dem inneren Gesetz des liebevoll-gnadenlosen Meisters oder der weisen, strengen alten Frau in Dir, und löse Dich damit ab von kindlichen "Du musst!"- und "Du darfst nicht!"- Programmen. Entwickle Dein eigenes Gewissen, Deine eigene Strenge, eine eigene Definition Deiner Aufgabe auf diesem Planeten. Niemand entkommt ungestraft dem inneren Gesetz! Bist Du Dir selbst ein guter Vertragspartner? Kannst Du Dich selbst jederzeit beim Wort nehmen? Aber all das Schwere beinhaltet noch nicht die eigentliche Schwierigkeit, der Du Dich zu stellen hast; denn Disziplin, Strenge, Pflichtbewusstsein und Verantwortlichkeit machen nur die eine Hälfte Deines Vertrages mit dem Leben aus. Wirklich verantwortlich kannst Du erst dann handeln, wenn Du gelernt hast, mit dem Herzen zu sehen, wenn Du das, was Du tust auch spürst. Der Gegenpol Krebs muss integriert werden: die Welt Deiner Gefühle birgt den Schlüssel zu Deiner Ganzheit. Wenn Du alles durchstehst, ohne es wirklich zu erleben, ohne es zu erleiden oder Dich dadurch beglücken zu lassen, dann wirst Du mit der Zeit immer härter und unberührbarer und sinkst schließlich in Dein Grab, ohne dabei ins Licht einzugehen wie Ödipus, da das Licht den Weg in Dein versteinertes Herz nicht mehr findet. Im besten Falle hast Du der Härte des Lebens getrotzt und bist gerade, weil Du sie kennen gelernt hast, im Alter milde geworden. Am Ende Deines Lebens wird jemand in Dir fragen: "Hast Du Deinen Auftrag ausgeführt? Bist Du Mensch gewesen?

Text von Günther Staimer, Dozent der Riemann-Schule