Stier
21.4.-20.5.
CD-Inhaltsangabe und Hörproben

Ausführliche Beschreibung des Stier-Prinzips

Astronomische Daten zum Sternbild Stier

Stier-Märchen:
Der gastliche Kalbskopf

 


CD, 65 Minuten, € 14.90

Claus Riemann über das Tierkreiszeichen Stier:

Ich habe ja schon anlässlich des ersten Tierkreiszeichens Widder darüber gesprochen, dass man im Grunde nur die Stimmung der Natur im jeweiligen Monat einfühlen muss, um ein Tierkreiszeichen zu verstehen. Bei Widder ging es um die Geburt des neuen Jahres, Sieg des Lichten über die Finsternis. Die jungen Pflanzen kämpfen sich ans Licht, an die Erdoberfläche. Im zweiten Frühlingsmonat, im Stier-Monat, da geht es einmal darum, dass diese jungen, noch ganz unsicheren Pflanzen ein Bedürfnis nach Wurzeln entwickeln, dass das Bedürfnis nach Sicherheit, das man ja allgemein immer dem Stier-Prinzip zuschreibt, verständlich wird durch die Bedrohtheit und Unsicherheit dieser noch ganz jungen Pflanze. Deshalb das Bedürfnis, sich tief einzuwurzeln in der Mutter Erde.

Dann ist Stier vielleicht der Monat, in dem die Mutter Erde am ehesten ihren Schlaraffenland-Aspekt zeigt, diese üppige, nährende, sinnliche Erdmutter, die ist hier zu spüren. Hauptsächlich der Wonnemonat Mai gehört ja zu dieser Zeit, in der die Sonne das Zeichen Stier durchläuft. Und das ist nun wirklich eine Zeit, in der die Natur alles andere als geizig ist. Wenn man vergleichsweise die Energie des Winterzeichens Steinbock dagegenhält, dann ist Stier dagegen viel großzügiger und üppiger, wenn man die Natur in dieser Zeit anschaut.

Insofern ist auch das Motiv von Reichtum, das man so oft dem Stier zuordnet aus einer ganz anderen Sichtweise zu verstehen. In vielen astrologischen Büchern wird geschrieben, dass es bei Stier darum geht möglichst viel Geld anzusammeln. Aber Reichtum hat letztlich hier zu tun mit der Üppigkeit der Mutter Erde, mit diesem dionysischen Aspekt der Natur, der hier zu spüren ist. Die Frage für den Stier-Geborenen ist, wie Reichtum für dich geht, was für dich Reichtum überhaupt bedeutet – und da gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten als das nur über Geld zu definieren. Auf der anderen Seite steht der Verwurzelungsaspekt. Was gibt dir wirklich Sicherheit, was trägt dich im Leben, wie geht es, deine persönliche Burg zu bauen? Und das kann genauso gut eine geistige Burg sein, wie eine materielle. Und diese Definition von Reichtum und Verwurzelung kann sich im Laufe des Lebens wandeln, Denn gerade in der zweiten Lebenshälfte – hat C.G. Jung so schön gesagt – wird der Tod geboren, und insofern ist der Sicherheitsgedanke, den man dem Stier-Prinzip zuordnet, hier natürlich auch einem Wandlungsprozess unterworfen. Da könnte man das Wort “todsicher” anfügen, und wenn man dieses Wort – zusammengesetzt aus “Tod” und “sicher” – genauer anschaut, dann hat man astrologisch die Achse Stier-Skorpion verstanden. Denn im Stier-Monat verwurzeln sich die jungen Pflanzen, es geht um die Sicherheit der tragenden, nährenden Erdmutter während in der Skorpion-Zeit die Bäume die Blätter wieder loslassen und Vergänglichkeit in der Natur spürbar ist.

Ein Stier-Gott in der Mythologie der Griechen ist Dionysos. Er war der Gott, der aus dem Boden Milch, Wein und Honig fließen lassen konnte, der Gott des exstatischen, sinnlichen Genusses. Er war so irdisch, dass er von Homer nicht als Olympier bezeichnet wurde, das finde ich sehr sehr schön, weil die Stier-Weisheit ganz einfach und erdnah ist, von der Anlage her absolut nicht abgehoben oder in den geistigen Höhen des Olymps zuhause, sondern wie die Weisheit des einfachen Bauern, des naturverbundenen Menschen. Und diese Weisheit ist grundsätzlich nicht besser oder schlechter, nicht höher oder niedriger zu bewerten als die Weisheit der anderen elf Tierkreiszeichen. Die wahre Stier-Weisheit, die ist ganz einfach erdnah, die ist letztendlich auch mit der sinnlichen Erfahrungswelt, auch mit der Welt des Naturwissenschaftlers verbunden. Das ist etwas, was für alle Erdzeichen gilt – Stier, Jungfrau, Steinbock – da geht es um die Welt, die wir be-greifen, mit unseren fünf Sinnen wahr-nehmen können, und in erster Linie wird ein echter Stier das glauben, was er sinnlich be-greifen kann.